Freitag, 18. Januar 2013

Crawling in my skin - Freitag, 18. Januar 2013 (später mehr)

Als Lars am Morgen seine Emails abgerufen hatte, hatte er zu seiner Überraschung eine Mail von Charlotte vorgefunden. Schon beim Lesen des Betreffs und anhand der Tatsache, dass die Mail einen Anhang hatte, wurden bei ihm Gelüste geweckt. Er ahnte, dass es etwas mit dem von ihr per SMS angekündigten nachträglichen Weihnachtsgeschenk zu tun haben musste und war sich sicher, dass es sich beim Ahnung um ein weiteres Foto für seine heiße kleine Sammlung handelte. Er beschloss, sich die Vorfreude noch ein wenig zu erhalten und sich das Öffnen der Mail bis zum Abend aufzusparen. Falls das Treffen mit Franziska ein Desaster würde oder Ute wieder anfing herumzuzicken, hatte er wenigstens etwas, worauf er sich freuen konnte.
Allerdings war bisher kein Stimmungsumschwung bei Ute zu befürchten gewesen. Tatsächlich hatte sie ihn heute früh im Bett direkt wieder überfallen und sich seine Morgenlatte zunutze gemacht. Vielleicht hatte sie gerade ihren Eisprung - wobei, nein, sie nahm doch die Pille, da war das doch alles anders, oder? Was auch immer es war, es sollte ihm recht sein und er hoffte, es würde möglichst lange anhalten. Nach dem Akt war er noch gemütlich liegen geblieben, während sie unter die Dusche gehuscht war und anschließend das Frühstück bereitet hatte, während er seinerseits eine Dusche genommen hatte. Das Frühstück war auch sehr gemütlich und harmonisch gewesen und Ute hatte sogar die meiste Zeit entspannt gelächelt, eine willkommene Abwechslung gegenüber ihrer sauertöpfischen Miene in den letzten Wochen.
Nun zog er sich schnell um, um dann gleich zu Franziska aufzubrechen. Er war gespannt, was ihn erwartete. Inzwischen war eine gewisse Nervosität zurückgekehrt, ob es wirklich die richtige Entscheidung war oder sie ihm Ärger bereiten würde, aber die Vorfreude überwog eindeutig. Er hoffte, sie würde ihm wieder einen blasen. Ute stand nicht darauf und wenn sie es doch einmal ihm zuliebe tat, merkte man ihr deutlich an, dass sie dabei keinen Spaß hatte, was seinen Spaß meistens dann auch schmälerte. Da war Franziska definitiv anders drauf.
Mit einem Kuss verabschiedete er sich von Ute und stieg grinsend ins Auto. Mal sehen, was die Kleine sich ausgedacht hatte für ihn...

*****

Ute hatte fast zeitgleich mit Lars das Haus verlassen, um eine Runde mit Hugo durch den Park zu drehen. Bei diesem wunderschönen Winterwetter wäre es eine Schande gewesen, den Sonnenschein nicht zu nutzen, um durch den Schnee zu laufen.
Während sie durch den Park spaziert waren, war plötzlich ein Hund auf sie und Hugo zugestürmt gekommen und Hugo war entgegen seiner sonstigen, eher ängstlichen Art, freudig dem anderen Hund entgegengestürmt. Offensichtlich kannten sich die Hunde, auch wenn ihr der Hund nicht bekannt vorkam. Aber vielleicht war er Lars auf seinen Spaziergängen bereits begegnet. Gerade als der fremde Hund und Hugo einander erreicht hatten und anfingen durch den Schnee zu tollen, kam eine Gestalt aus dem Gebüsch hinterhergestürzt, die dick mit einer tief in die Stirn gezogenen Mütze und einem Schal vermummt war. "Schröder, du Räuber!", hatte sie gebrüllt und kam auf die Hunde und sie zugerannt, dann war sie plötzlich wie erstarrt stehengeblieben und sie hatten sich angestarrt. Es war Charlotte Holzheim gewesen und Ute hatte Böses geschwant, woher die Hunde einander kannten. "Oh, hallo!", hatte Charlotte überrascht hervorgepresst und ein schiefes Lächeln versucht, dann hatte sie den Hund am Halsband genommen und halb Schröder, halb ihr eilig erklärt, dass jetzt keine Zeit zum Toben mit fremden Hunden sei und sie dringend nach Hause müssten und sich verabschiedet. Ute hatte mit Mühe und Not ein "Tschüss" herausbekommen, so überrumpelt war sie von der Begegnung mit Charlotte und der Tatsache, dass die Hunde sich gut zu kennen schienen gewesen.
Aber immerhin war die Tatsache, dass Charlotte um diese Zeit im Park unterwegs war ein Indiz dafür, dass Lars seinen Termin nicht vorgeschoben hatte, um sich mit ihr zu treffen, sondern wirklich fleißig war, dachte sie zufrieden.

*****

Als Lars gegen 16 Uhr die Wohnung von Franziska wieder verließ, war er sich nicht sicher, was er von ihrer Begegnung halten sollte. Sie hatten Spaß gehabt, keine Frage. Sie hatte ihn nur in Unterwäsche an der Wohnungstür empfangen und im Gegensatz zu Ute stand ihr rote Unterwäsche zweifellos. Direkt an der Türe hatte sie ihm erst die Zunge in den Hals geschoben und ihm dann ein Glas Champagner in die Hand gedrückt. Die Rolle des reichen Töchterchens hatte sie definitv verinnerlicht. Er hatte es bei diesem einen Glas belassen müssen, schließlich war er mit dem Auto. Das schien ihr nicht gepasst zu haben, auch wenn sie mit dem Rest gut alleine klarzukommen schien. Sie hatte nicht lange gefackelt. Kaum hatte er mit dem Glas Champagner in der Hand an ihrem Esstisch platzgenommen, war sie vor ihm auf die Knie gegangen, hatte seine Hose geöffnet und ihm tatsächlich wieder einen geblasen. Allerdings hatte sie es diesmal nicht zu Ende geführt, sondern aufgehört, sobald sie das Gefühl hatte, sie würde sonst nicht mehr auf ihre Kosten kommen und dann hatte er sie einfach auf den Esstisch gelegt und sie ihrer indirekten Beschuldigungen Lügen gestraft. Offensichtlich war sie so etwas tatsächlich nicht gewohnt gewesen, jedenfalls hatte sie ihm vor lauter Begeisterung kräftig den Rücken zerkratzt, auch wenn er immer wieder versucht hatte, ihre Krallen abzuwehren und ihr gesagt hatte, sie solle es unterlassen. Vielleicht störte es sie auch einfach nicht und sie wollte ein Zeichen hinterlassen, er war sich nicht sicher. Als er sie nach dem Akt gefragt hatte, ob damit nun seine Schulden vom Wochenende beglichen seien, hatte sie nur erschöpft genickt und er hatte sich angezogen und war gegangen.
Er hoffte inständig, sie würde nun auch wirklich Ruhe geben, aber sicher war er sich nicht. Sie war so ein junges, verwöhntes Ding und schwer einzuschätzen. Aber er hatte es geschafft, ihr zu zeigen wo es langging und dass sie mit ihm nicht machen konnte, was sie wollte. Er hatte die Oberhand behalten und das war das Wichtigste. Er musste die Kontrolle haben, gerade bei so einem jungen, dummen Ding. Wenn eine Spielchen mit ihm spielen durfte, dann höchstens Charlotte. Sie war zwar nicht viel älter als Franziska, aber sie hatte es definitiv perfektioniert und eine Franziska würde ihr auch in zwanzig Jahren noch nicht das Wasser reichen können. Er seufzte, während er in der Kölner Rush Hour festhing. Lottchen würde wohl keine das Wasser reichen können. Kurz dachte er darüber nach, spontan bei ihr vorbeizufahren. Er hatte eigentlich noch Zeit, er hatte sich bei Ute für drei Stunden abgemeldet. Aber nein, er wusste überhaupt nicht, ob sie zu Hause war und wie sie reagieren würde, wenn er plötzlich vor ihrer Tür stände. Außerdem hatte er ihre Mail noch nicht geöffnet, er musste vorbereitet sein, was immer es war. Und außerdem war er sich nicht sicher, ob er so schnell nochmal könnte, nachdem er sich bereits heute Morgen und eben verausgabt hatte. Wobei, andererseits, allein der Gedanke an Charlotte war anregend genug. Trotzdem, er wollte nicht von einer anderen direkt zu Charlotte fahren, es fühlte sich falsch an. Er musste zu Hause erst einmal duschen und sich überlegen, wie er es hinbekommen könnte, dass Ute die Kratzer auf seinem Rücken an diesem Wochenende nicht mehr zu Gesicht bekam. Sonst könnte die gute Stimmung ganz schnell wieder vorbei sein... Er durfte sie heute Abend nicht zu nahe an sich heran lassen.
Am besten, er würde sich gleich nach dem Duschen in seinem Arbeitszimmer verschwinden. Dort konnte er auch in Ruhe Charlottes Mail lesen, er freute sich bereits jetzt darauf. Hoffentlich war Ute mit dem Hund unterwegs, sie brauchte nicht mitbekommen, dass er noch einmal duschen ging, das würde sie wohl wundern. Aber Franziska hatte so ein widerliches süßes, durchdringes Parfum aufgehabt und er befürchtete, danach zu riechen. Bei ihr hatte er nicht duschen wollen, er hatte einfach nur weg gewollt, nachdem er sie ruhig gestellt hatte. Sollte Ute da sein, würde er einfach behaupten, sie wären in der Kälte spazieren gewesen und er müsse sich aufwärmen... Solange sie bloß nicht dazu stieg und die Kratzer sah...
Während die nächste Ampel vor ihm auf Rot sprang, stellte er das Radio an. Crawling von Linkin Park, wie passend...


Amuse-Gueule - Donnerstag, 17. Januar 2013 (Part II)

Lars lag auf dem Rücken und starrte an die Decke. In seinem Kopf kreisten 1000 Gedanken, während Ute neben ihm bereits selig schlummerte. Er war überrascht gewesen von diesem Abend, in vielerlei Hinsicht. Überrascht von Utes Frisur - mit den nun hellbraun gefärbten kurzen Haaren hatte sie tatsächlich etwas Fesches und sah durchaus attraktiv aus. Dieser Eindruck war sicherlich durch ihre neuen Dessous verstärkt worden, bei deren Auswahl sie das erste Mal Geschmack bewiesen hatte. Und er war überrascht gewesen von dem Empfang, den sie ihm bereitet hatte. Sie hatte ihnen ein wunderbares Menü zubereitet, dazu einen guten Wein geöffnet und als Nachtisch hatte sie ihn zum Bett geführt und ihm zuerst eine entspannende Rückenmassage verpasst, die sie jedoch fix auf andere Körperregionen ausgeweitet hatte und tatsächlich hatten sie das erste Mal seit langer Zeit so etwas wie leidenschaftlichen Sex. Er hatte sie in den letzten Monaten wenig reizvoll gefunden und dementsprechend egoistisch und schnell war er vorgegangen und zur Sache gekommen, es hatte ihn nicht interessiert, was sie davon hatte. Heute war es anders gewesen und er hatte das Gefühl, sie hatten beide wesentlich mehr davon gehabt. Irgendwie war sie auch viel lockerer gewesen und hatte nicht nur mit unbewegten Gesichtszügen unter ihm gelegen und ab und an pflichtgetreu gestöhnt. Es war richtig gut gewesen. Der ganze Abend war gut gewesen, viel besser, als er es je erwartet hatte. Sie hatte ihm auch keinerlei Vorwürfe gemacht oder irgendwie rumgenervt oder rumgejammert. Als hätte sie jemand ausgewechselt. Er hoffte sehr, dieser Zustand würde die nächsten Tage andauern.
Gleichzeitig fragte er sich, ob es die richtige Entscheidung war, sich morgen mit Franziska zu treffen. Aber wenn sie danach wie versprochen stillhalten würde, war es die sinnvollste Möglichkeit. Und Spaß würde er ganz sicher mit ihr haben. Er hatte Ute das Treffen auch gut verkaufen können, indem er ihr gesagt hatte, er würde sich für zwei oder drei Stunden mit Volker treffen, um dessen nächste Veröffentlichung durchzugehen. Sie hatte es nicht weiter hinterfragt und die Gelegenheit genutzt, um im Gegenzug durchzusetzen, dass sie am Samstag ihre Eltern zum Mittagessen besuchen würden. Das Opfer konnte er bringen, bei der aktuellen Stimmungslage würde dies auch recht angenehm werden und im Gegensatz zu Ute war ihre Mutter eine ganz hervorragende Köchin. Auch wenn es an Utes Mahl heute Abend wahrlich nichts auszusetzen gegeben hatte, da hatte sie wirklich alles gegeben. Ansonsten hielt er sich aber eindeutig für den besseren Koch, ohne dass er dies häufig praktizierte. Und wenn doch, überließ er ihr wenigstens den Abwasch. Es war schließlich Schande genug, dass er besser kochen konnte als seine Frau.
Das einzige Problem am Besuch bei Utes Eltern war, dass der Zeitrahmen für ein Treffen mit Charlotte dadurch weiter eingeschränkt war. Zuerst hatte er darüber nachgedacht, sie wie zuletzt am Sonntag vor seiner Abfahrt zu treffen und einfach Ute gegenüber zu behaupten, er würde einen früheren Zug nehmen, aber dann hatte er sich dagegen entschieden. Für die momentane Lage war solch ein Treffen zu stressig, er wollte keinen abfahrenden Zug im Nacken haben, sondern in Ruhe mit ihr reden und Zeit verbringen können. Also würde er sie dieses Mal noch nicht treffen. Er hoffte, sie würde nicht allzu enttäuscht sein. So verschaffte er sich aber auch noch ein wenig Luft, um seine Gedanken und Gefühle zu ordnen. So sehr er sie auch vermisste und gerne gesehen hätte, er fühlte sich gleichzeitig erleichtert, dieses Problem noch ein wenig vor sich herschieben zu können. Mit dem Gedanken an Charlotten fiel er schließlich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

*****

Lotte hatte den ganzen Tag über ihr Handy nicht aus den Augen gelassen und auf eine weitere Nachricht von Lars gehofft, aber es war nichts gekommen. Auch bei den Emails war keine von Lars dabei gewesen. Vor dem Schlafengehen startete sie ein letztes Mal den Computer, um zu sehen, ob er nicht vielleicht doch eine Nachricht bezüglich eines Treffens geschickt hatte, aber nein. Sie entschied, dass sie lange genug gewartet hatte, zumal er sich schließlich gestern per SMS gemeldet hatte und wollte ihm nun endlich einen kleinen Vorgeschmack auf sein Geschenk zukommen lassen.



Betreff: Amuse-Gueule
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
23:57 17.01.2013

Lieber Lars,

ein kleiner Vorgeschmack auf Dein Weihnachtsgeschenk, sogar noch mit Weihnachtsdeko, wie Du siehst...

Mehr sage ich nicht, es ist ja auch Sendepause.


Kuss

Lotte

Donnerstag, 17. Januar 2013

Von Moosröschen und Massage - Donnerstag, 17. Januar 2013

Schon als der Wecker an diesem Morgen klingelte, spürte Ute, dass es kein guter Tag werden würde. Heute Abend kam Lars aus Paris zurück und obwohl sie sich gestern wieder angenähert hatten, fühlte sie sich doch noch nicht bereit für ein Wiedersehen. War es nicht grauenvoll, wenn man verheiratet war und sich sowieso die halbe Woche nicht sah und sich dann nicht einmal auf die gemeinsame Zeit freuen konnte? Sie hatte einfach Angst davor, wie das Wiedersehen verlaufen würde. Ob er ihr noch Vorwürfe machen würde für die Ohrfeige, die sie ihm verpasst hatte und auch vor der allgemeinen Stimmungslage. Die Stimmung zwischen ihnen konnte nach den vergangenen Ereignissen kaum gut werden, selbst wenn sie es sich noch so sehr wünschte. Sie wünschte sich, sich heute Abend einfach neben ihm auf die Couch kuscheln zu können und sich geborgen und geliebt zu fühlen, aber so würde es nicht sein. Sie konnte das momentan nicht empfinden nach allem, was sie herausgefunden hatte. Doch wenn sie sich so ungeliebt fühlte und ihm dadurch unsicher und frustriert gegenübertrat, würde sie ihn noch mehr in die Arme von dieser Charlotte treiben. Es war ein Teufelskreis. Das einzig Gute an Paris war, dass sie sich sicher sein konnte, dass er dort Charlotte nicht sah und über sein Treiben während der Tage in Köln musste sie mehr Kontrolle gewinnen, um auch hier wenig Möglichkeiten für heimliche Treffen zu bieten. Gleichzeitig durfte sie nicht klammern, bei einem Mann wie Lars durfte man nicht klammern, wenn sie irgendetwas von Anfang an bei ihm verstanden hatte, dann das.
Sie hatte Charlotte gestern von weitem in der Uni gesehen und gefunden, dass sie nicht besonders glücklich ausgesehen hatte. Natürlich konnte es dafür viele Anlässe geben, aber insgeheim hatte sie gehofft, es hinge mit Lars zusammen. Vielleicht hatte er die Geschichte inzwischen ja beendet... Sie ermahnte sich, aufzuhören zu träumen und sich lieber zu überlegen, was sie heute Abend anziehen würde. Immerhin hatte sie inzwischen wieder braune Haare und fühlte sich damit deutlich besser. Dass Lars auf braunhaarige Frauen stand, war nicht von der Hand zu weisen, wie sein ganzes Beuteschema. Sie entsprach ihm genauso wie Charlotte und alle anderen seiner Ex-Freundinnen, von denen sie wusste bzw. von denen sie bei irgendwelchen Gelegenheiten einmal ein Foto gesehen hatte. Lars' Bruder war in dieser Hinsicht immer recht auskunftsfreudig gewesen. Eigentlich sollte sie diese Tatsache bezüglich Franziska beruhigen. Sie war eine Blondine, wie sie im Buche stand, insofern log Lars vielleicht tatsächlich nicht damit, dass da am Samstag nichts passiert war zwischen ihnen. Möglicherweise war sie durch diese Sache mit Charlotte wirklich paranoid und tat ihm Unrecht. Sie musste sich zusammenreißen, wenn er heute Abend kam.
Vielleicht sollte sie eine nette Überraschung für ihn vorbereiten, zur Versöhnung. Sie beschloss, ihm ein leckeres Essen zu kochen und sich hübsch zu machen. Liebe ging bekanntlich durch den Magen. Und danach würde sie ihn massieren, das genoss er immer ganz besonders.
Schnell packte sie ihre Handtasche und zog los, um für das Essen einzukaufen und nach einem schönen Massageöl wollte sie auch Ausschau halten. Sie durfte diesem Abend einfach keine Chance lassen schiefzulaufen...

*****

Als Lars den Blumenladen am Hauptbahnhof betrat, fragte er sich, was für einen Strauss er Ute diesmal kaufen sollte, um einen möglichst friedlichen Start in die gemeinsamen Tage zu erwirken. Er hatte etwas wiedergutzumachen, aber dies durfte nicht zu offensichtlich sein. Im Zug hatte er diese Frage mit seinem Freund Peter per SMS diskutiert und er hatte ihm einen Strauß Calla empfohlen mit der Bemerkung, die hätten bisher noch jede Beerdigung verschönert. Lars musste grinsen. Er fand die Blumen eigentlich ganz hübsch, aber falls Ute diese Bedeutung kannte, waren sie wohl nicht angemessen. Schließlich entschied er sich für einen Strauß mit Moosröschen, die waren auch in ihrem Brautstrauß gewesen, vielleicht war das ein gutes Signal an sie.
Er hoffte, das Wiedersehen würde nicht allzu stressig werden, er war müde von der Reise und hat keine Lust auf endlose Diskussionen über das letzte Wochenende oder sonstige unschöne Dinge. Und irgendwie würde er Ute noch erklären müssen, dass er morgen Nachmittag einen Termin hatte. Er spürte, wie es allein bei dem Gedanken an seinen Termin wieder anfing in seinem Unterleib zu kribbeln. Dabei fand er Franziska mit ihren blonden Haaren nicht einmal besonders anziehend. Wahrscheinlich war es das Risiko, verbunden mit den Erinnerungen an ihre Fähigkeiten, dass ihn so kickte.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Falle zu?! - Mittwoch, 16. Januar 2013 (Part II)

Lars hatte während der Vorlesung extreme Konzentrationsprobleme gehabt und mehrfach den Faden verloren, was sonst überhaupt nicht seine Art war. Normalerweise gab es nur wenige Dozenten, die so souverän Reden schwingen konnten wie er. Doch heute war alles anders, er fühlte sich tatsächlich das erste Mal in seinem Leben mit seinem Liebesleben überfordert. Seine Gedanken rauschten ständig hin und her, vom bevorstehenden Wiedersehen mit Ute am nächsten Tag zur Frage, wie er mit Franziska weiter verfahren sollte, hin zu sehnsüchtigen Gedanken an Charlotte. Er verspürte fast eine Art Sehnen danach, einfach ruhig und solide mit ihr zusammen zu sein und dadurch solchen Problemen wie mit Ute und Franziska für immer zu entgehen. Aber dafür würde er erst einmal etwas tun müssen. Und inwieweit er Franziska wirklich entgehen wollte, stand sowieso noch auf einem ganz anderem Blatt. Sein Verstand sagte ihm sehr deutlich, dass er ihr in aller Klarheit eine Absage erteilen musste und kein weiteres Risiko eingehen durfte, weil sie ihn um Kopf und Kragen in der Gesellschaft bringen konnte. Wenn sein Ansehen im Golfclub litt, würde er dadurch viele weitere Probleme bekommen, da war er sich sicher. Franziskas Vater war einer der angesehensten Männer der Stadt, ein Anwalt mit vielen Verbindungen, der ihm bisher immer nützlich gewesen war. All das durfte er sich nicht verscherzen. Man würde es ihm im Golflcub zweifellos verzeihen, wenn er Ute gegen Franziska eintauschen würde, es würde geredet werden, aber viele würde eine solche Entscheidung verstehen können. Franziska war anerkannt, geschätzt, gebildet, wunderschön und aus gutem Hause, Ute war ein Aschenputtel gegen sie. Wenn es das wäre, damit würde er durchkommen. Aber er wollte sie ja gar nicht ganz. Und eine Affäre würde je nach Ausgang für sehr viel böses Blut sorgen, selbst wenn er sich kurz danach von Ute trennen würde, so würde es die Sache nicht erleichtern, wenn er danach Charlotte in den Golfclub einführen würde. Nein, es ging nicht, er musste das vernünftig regeln. Vielleicht sollte er Ute einfach alles beichten, sie ahnte es sowieso und würde ihm wahrscheinlich verzeihen. So konnte Franziska ihn nicht erpressen und es würde nicht zu weiteren Ereignissen kommen, die ihn in die Bredouille bringen könnten. Selbst wenn sie es im Golfclub erzählen würde, würde ihm das nicht viel Ärger einbringen. Jeder hatte mitbekommen, wieviel er getrunken hatte und wie sehr Franziska ihn angebetet hatte. Er war sich sicher, keiner der Herren hätte die Chance nicht genutzt, hätte er sie gehabt.
Andererseits wäre es wesentlich bequemer, wenn sie die Sache wirklich einvernehmlich zu Ende führen könnten. Er fand, man konnte Franziskas Mail auch in diese Richtung interpretieren. Sie wusste, dass er verheiratet war und wenn er ihr deutlich machen würde, dass er dies nicht ändern wollte, so würde sie sich vielleicht wirklich damit zufrieden geben, noch einmal richtig mit ihm geschlafen zu haben und alles wäre gut, sie beide hätten noch ein wenig Spaß gehabt und Ute müsste nichts erfahren. Er merkte, wie sich allein beim Gedanken, Franziska doch noch einmal komplett zu vernaschen, etwas in seiner Hose regte.
Er würde sich mit ihr treffen, aber zu seinen Bedingungen. Er würde sich nicht von ihr erpressen lassen.



Betreff: Na schön...
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Franzilein@koelnmail.de
20:51 16.01.2013

Franziska, Franziska,

Du verdorbenes kleines Miststück! Ich muss ganz ehrlich sagen, ich hätte es Dir nicht zugetraut. Aber das war nach Deiner Leistung am Samstag Abend eindeutig mein Fehler, es tut mir leid. 
Wenn es Dir also, wie Du behauptest, tatsächlich nur darum gehen sollte, Dir das zu holen, was Dir Deiner Meinung nach nach Samstag noch zusteht, so sollst Du es bekommen. Ich werde diesen unterschwelligen Vorwurf, es Dir nicht besorgt zu haben, so natürlich nicht im Raum stehen lassen. Aber danach sollte es dann getan sein. Einmal, mehr nicht. Und danach kein Wort mehr. Ich bin verheiratet und ich habe nicht vor, etwas daran zu ändern.
Falls es also wirklich das ist, was Du willst, so schlage ich Dir den Freitag Nachmittag vor. Am Samstag Abend gehöre ich Ute - wie sonst auch, aber diesen Freitag Nachmittag würde ich Dir als einmaliges Angebot bieten, meine Schulden zu begleichen.
Also?

Lars


Schon nach fünf Minuten erhielt Lars seine Antwort. Als hätte sie nur auf ihn gewartet...




Betreff: RE: Na schön...
Von: Franzilein@koelnmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
20:56 16.01.2013

Du nennst mich Miststück? Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!
Aber gut, so passen wir immerhin zusammen. Ich dachte mir schon, dass Du versuchst, so zu tun, als würdest Du die Zügel in der Hand halten, aber trotzdem nicht widerstehen könntest. Wenn es Dir damit besser geht, soll es so sein. Also am Freitag bei mir, sagen wir 15 Uhr? Oder wann immer es Dir beliebt... Wo ich wohne, weißt Du? Direkt am Chlodwigplatz, die Adresse steht aber auch im Clubheft.
Bis Freitag, ich freue mich!
Franzi


Lars seufzte. Vielleicht war sie wirklich genauso abgebrüht und wollte nur einmal ihren Spaß haben. Auf Dauer wollte sie bestimmt sowieso keinen Kerl, der so viel älter war. Er spürte eine gewisse Vorfreude in sich aufsteigen. Nun musste er sich nur noch um ein Alibi kümmern, aber am Freitag Nachmittag konnte er leicht einen Termin mit einem Kölner Kollegen vorschieben.
Er fragte sich, was Charlotte wohl die ganze Zeit trieb. Ob sie sich wohl auch anderweitig vergnügte? Er wollte es sich nicht vorstellen. Hoffentlich hatte sie nicht diesen Kerl vom Süßigkeitenautomaten wiedergesehen. Oder Jan. Oder irgendeinen anderen Kerl. Sie war so hübsch, er war sich sicher, sie konnte jeden haben, den sie wollte. Er würde ihr wenigstens ein kurzes Lebenszeichen schicken, damit sie ihn nicht bis zum Wochenende vergessen hatte. Außerdem wollte er sie nicht so lange warten lassen. Er hatte gerade das Fenster für eine neue Mail geöffnet, da entschied er sich, ihr eine SMS zu schicken. Das war irgendwie unmittelbarer, näher. Und es sah nicht so leer aus, wie eine kurze Mail. Er wollte sie direkt erreichen.

Lottchen, ich denk an Dich und Du fehlst mir so wahnsinnig, in so vielen Bereichen, das kannst Du Dir überhaupt nicht vorstellen. In Gedanken bin ich immer bei Dir, glaub mir das. Ich melde mich, ganz bald! Lars 

*****

Lotte hatte sich gerade auf die Couch gefläzt, um den Bachelor zu gucken, als ihr Handy klingelte. Sie stöhnte genervt. Wahrscheinlich war es wieder ihr Bruder, der gerade dabei war, eine neue Flamme zu erobern und vor jeder SMS an diesem Abend ihre Meinung dazu wissen wollte. Sie war geneigt, das Handy einfach zu ignorieren und sich ihrer wöchentlichen Trash-Dosis zu widmen, hatte dann aber doch Mitleid und bekam fast eine Herzattacke, als sie Lars Namen über der Nachricht leuchten sah. Sie hatte im besten Fall mit einer Mail von ihm gerechnet, aber nicht mit einer SMS. Wie lieb er schrieb, er schien sie wirklich zu vermissen. Sie war gerührt und gleichzeitig beruhigt, dass sie seinen Worten wohl trauen konnte.

Ich vermisse Dich auch, viel mehr noch als ich gedacht hätte! Freu mich so sehr auf Dich! Kuss

Lotte las nochmal die SMS, die sie gerade rausgehauen hatte und musste lachen. Wie das klang. Solche Gefühlsduseleien waren normalerweise so gar nicht ihre Art. Sie musste retten, was zu retten war.

Scheiße, wie sich das anhörte gerade! Keine Sorge, ich bin nicht plötzlich romantisch geworden! Da siehst Du, was der Entzug mit mir anrichtet... ;-) Aber ich habe die Zeit sinnvoll genutzt und mich endlich um Dein Weihnachtsgeschenk gekümmert. Du darfst Dich freuen!

Es dauerte nur zwei Minuten, dann hatte sie eine Antwort. Dabei hatte sie nicht erwartet, dass er überhaupt noch einmal antworten würde.

Das hörte sich unglaublich süß an! (Ja, ich kann auch sülzen...) Lottchen, ich bin froh, dass Du das geschrieben hast. Und ich bin gespannt wie blöd auf dieses Geschenk, ich male mir gerade die tollsten Sachen aus. Wir sehen uns ganz bald, ich versuche/hoffe, schon dieses Wochenende, wenn Du magst. Kuss

Lotte erwischte sich dabei, wie sie verträumt über ihr Handy streichelte. Sie rief schnell nach Schröder und ließ ihm die Streicheleinheiten zukommen, bevor es noch peinlicher wurde.
 

Verlockende Falle - Mittwoch, 16. Januar 2013 (Part I - später mehr)

Lars hatte die halbe Nacht kein Auge zugetan. Er war zwar über dem Rotwein auf dem Sofa eingenickt, aber gegen drei Uhr morgens wach geworden, weil ihm der Nacken weh getan hatte und daraufhin ins Bett umgezogen. Dort hatte er bis 5 Uhr wach gelegen und darüber gegrübelt, wie er eine Eskalation mit Franziska verhindern konnte und was er Charlotte spätestens am Wochenende sagen sollte. Um kurz nach fünf hatte er schließlich eingesehen, dass er keinen Schlaf mehr finden würde und stattdessen beschlossen, die Dinge in die Hand zu nehmen und sich um Franziska zu kümmern.



Betreff: So nicht!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Franzilein@koelnmail.de
05:31 16.01.2013
 
Guten Morgen Franziska,
 
nach Deiner unerfreulichen SMS gestern Abend hier nun als meine Antwort per Mail. Es ist keineswegs meine Absicht, die abzuspeisen, ich habe lediglich an Deine Vernunft appelliert, unser kleines Tête-à-tête nicht überzuinterpretieren und auf sich beruhen zu lassen. Offensichtlich konnte ich Dich nicht überzeugen, insofern frage ich nun einfach ganz offen: Was stellst Du Dir vor? Was versprichst Du Dir von diesem Treffen? Was willst Du von mir?

Sei vernünftig, Franzi.

Lars



Nachdem er die Mail versendet hatte, spürte er plötzlich ein starkes Bedürfnis, auch Charlotte zu schreiben. Möglicherweise war es auch aus der Gewohnheit heraus, dass er beim Mailen an sie denken musste, aber er vermisste sie gerade unendlich. Mit einer Frau wie ihr an seiner Seite wäre ihm so etwas Blödes wie mit Franziska gar nicht erst passiert, da war er sich sicher. Natürlich würde er auch Charlotte nicht sexuell treu sein können, aber das mit Franziska war eine Frustreaktion gewesen und normalerweise absolut nicht sein Niveau. Er hoffte bloß, er würde den Schaden daraus in Grenzen halten können. Wenn er doch bloß Charlotte um Rat fragen könnte. Aber es war gerade eindeutig nicht der Zeitpunkt dafür. 
Er musste daran denken, wie sie vor wenigen Wochen noch neben ihm hier in Paris im Bett gelegen hatte und wünschte sich nichts mehr, als dass sie jetzt im Moment dort liegen und er sich an sie schmiegen könnte. Ihren Duft riechen, ihre wunderschöne weiche Haut fühlen, ihrem gleichmäßigen Atem lauschen, während sie in seinem Arm schlief. Und wieder gruselte es ihn, was für tiefe Gefühle ihn plötzlich überkamen. Schnell verdrängte er die Gedanken an Charlotte und widmete sich stattdessen seinen Vorlesungsunterlagen.

Als er gerade mit dem dritten Kaffee für diesen Morgen aus der Küche trat, sah er auf dem Monitor das Zeichen für eine neue Email leuchten. Franziska hatte bereits geantwortet.




Betreff: RE: So nicht!
Von: Franzilein@koelnmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
07:47 16.01.2013
 
Guten Morgen Lars!
 
Was bildest Du Dir eigentlich ein? Dass Du der große Zampano bist, der sich überall nehmen kann, was er will, ohne auch mal etwas zu geben? Sich einfach schön einen blasen lassen und die doofe kleine Franzi dann zum Teufel jagen, so hast Du Dir das also gedacht?! Mit der Nummer kommst Du bei mir nicht durch.
Ich habe schon länger gemerkt, dass Du frustriert bist und ich konnte es auch irgendwie verstehen, ohne Ute zu nahe treten zu wollen, aber dass ein Mann wie Du da keine Erfüllung findet, dürfte für jeden offensichtlich sein. Sonst hätte ich das auch nie gemacht, ich meine, ich würde niemals einer Frau ihren Mann wegnehmen, aber es sah an dem Abend so aus, als hättet Ihr Euch eh nicht mehr allzuviel zu sagen und ich fand Dich schon immer sehr attraktiv, insofern habe ich es einfach mal versucht, ich habe ja gemerkt, dass eine beiderseitige Anziehung bestand.
Allerdings hätte ich Dir etwas mehr Niveau zugetraut als die Situation so auszunutzen. Ich hätte schon erwartet, dass ich auch mal zum Zug komme, nachdem Du an diesem Abend dazu ja nicht mehr in der Lage warst. Ich dachte, Du wärst ein Mann, der ein Abenteuer sucht. Falls das so ist und Du aus welchen Gründen auch immer nur kurz unsicher warst, wunderbar! Lass uns also ein Treffen vereinbaren und dann gilt Gleichberechtigung, Du holst nach, wozu Du am Samstag nicht mehr in der Lage warst. Und ich bin mir sicher, in meinem Bett haben wir es auch bequemer als im Auto. Oder bevorzugst Du den Schreibtisch? ;-)
Sollte es aber so sein, dass Du glaubst, ich wäre Dein Frustventil und Du wärst mit dem Frust, den Du in meinem Mund abgelassen hast fertig, dann hast Du Dich geschnitten. Ich lasse mich so nicht ausnutzen bzw. ich werde mir dann auch nicht ansehen, wie Du solche Spielchen treibst. Ich denke, in diesem Fall müsste ich mit dem Grund Deines Frustes mal Klartext reden, damit so etwas nicht häufiger vorkommt. Ute wird bestimmt sehr interessiert daran sein, wie der Abend nach ihrem Abgang noch weiterging... 
Es liegt also an Dir...
 
Gruß
 
Franzi

PS: Am Samstag Abend würde es bei mir sehr gut passen.
 
 
 
Fassungslos starrte Lars auf den Bildschirm. So ein Miststück, das hätte er ihr nie zugetraut. Sie hatte eigentlich immer ganz harmlos auf ihn gewirkt, auch wenn ihm spätestens seit Samstag hätte klar sein müssen, dass das eine Täuschung war. Nun war guter Rat tatsächlich teuer. Eigentlich hatte er gar nicht übel Lust, sich auf ihr Angebot einzulassen. Sie hatte ihre Sache am Samstag wirklich gut gemacht und der Gedanke, am Samstag eine Wiederholung zu erhalten reizte ihn gerade sehr. Außerdem fiel es ihm schwer, den unterschwelligen Vorwurf im Raum stehen zu lassen, er könne es ihr nicht besorgen. Die würde sich wundern.
Dagegen sprach aber zweifellos, dass er sich nicht von so einem jungen Ding erpressen lassen wollte und genau das war es, was sie gerade versuchte. Einen Lars Laslandes erpresste keine Frau also durfte er ihr nicht nachgeben. Aber die Versuchung war allzu groß. Er musste noch einmal darüber nachdenken, bevor er ihr antwortete.

Dienstag, 15. Januar 2013

Schneeweißchen et Bleu Blanc Rouge - Dienstag, 15. Januar 2013

Es gab sie, diese Tage, an denen Lotte sich am Abend dachte, dass möglicherweise irgendjemand sie hätte aufhalten müssen. Aber niemand hatte es getan und so lag sie nun mit einer Wärmflasche und der Gewissheit, morgen trotzdem eine Erkältung zu haben, in ihrem Bett und war stolz auf das, was ihr diese Erkältung beschert hatte.
Nachdem Jan, wie nicht anders zu erwarten gewesen war, nicht auf ihre SMS von gestern Abend reagiert hatte, hatte sie eine andere Möglichkeit gebraucht, ihren Frust über Lars' Schweigen abzubauen. Und als es nachmittags angefangen hatte richtig kräftig zu schneien, war ihr die zündende Idee gekommen. Sie schuldete Lars schließlich immer noch sein Weihnachtsgeschenk und endlich, endlich war das passende Wetter für das, was sie sich vorstellte. Sie rief Doro an und bequatschte sie so lange, bis sie versprach, ihre Chorprobe am Abend sausen zu lassen und stattdessen mit ihrer Profikamera und Lotte in den Park zu ziehen. Dort hatte sie Fotos von ihr geschossen, ganz wunderbare Fotos, die Lottes Erwartungen noch weit übertroffen hatten und die Lars mit Sicherheit für die Verzögerung entschädigen würden.
Lotte hatte für ihn tatsächlich in den sauren Apfel gebissen und sich mitten im Beethovenpark bei - 2 Grad mehr oder minder nackig gemacht. Gegen die Kälte und die Panik vor möglichen, wenn auch um diese Zeit und bei diesem Wetter ziemlich unwahrscheinlichen, Spaziergängern, hatte sie mit mehreren Gläsern Wodka vorgesorgt. Dieser hatte ihr ebenfalls die nötige Lockerheit für das Posieren auf den Bildern verschafft und als sie sie sich eben mit Doro auf dem Rechner angesehen hatte, war sie fast geplatzt vor Freude und Stolz, so gut waren sie geworden. Hätte sie ihre Zehen noch gespürt, so hätte sie wahrscheinlich Luftsprünge vor Freude gemacht, aber sie waren trotz der sofortigen heißen Dusche immer noch nicht wieder aufgetaut. Was realistisch betrachtet kein Wunder war, wenn man einige Minuten mit nackten Füßen im Schnee herumstiefelte, denn ihre Sandalen hatten natürlich kaum etwas abhalten können. Aber wer schön sein wollte, musste eben leiden und sie würde schon wieder auftauen. Außerdem würde Lars mit Sicherheit dahinschmelzen, wenn er die Fotos sah und das war das Wichtigste.
Nachdem sie sich vor einigen Tagen einen wunderschönen dunkelblauen String gekauft hatte, der verheißungsvolle Satinbändchen an den Seiten hatte, so dass die Einladung für Lars, das Geschenk auszupacken noch verlockender war, war ihr heute die perfekte Idee zu seiner Inszenierung gekommen. Lars hatte ihr immer wieder gesagt, wie schön er, ganz im Gegensatz zu ihr selbst, ihren Schneewittchenteint fand. Also hatte sie sich einmal im Leben ihre verhasste blasse Haut zunutze gemacht und hatte sich selbst im Schnee in den französischen Nationalfarben inszeniert, in Form des blauen Strings und dazu ihre roten Lieblings-High Heels, die sie von Lars letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hatte. Weitere rote Akzente hatten ihre rot lackierten Nägel sowie ihre roten Lippen und ihre fast erfrorenen Nippel gesetzt. Weiß war ja zur Genüge durch den Schnee und durch ihre Haut vorhanden...
So angezogen bzw. nicht-angezogen hatte sie also vor Doros Kamera im Schnee posiert und es waren absolut heiße Fotos geworden. Eines davon wollte sie Lars groß auf Leinwand ziehen lassen, das konnte er sich dann in die Wohnung hängen, wenn er sich endlich von Ute getrennt hatte. Aber das würde wohl noch ein wenig dauern. Mit den anderen Fotos wollte sie ggfs. eine Art Video gestalten, sie wollte mit den Bildern ihren Gesang unterlegen, falls sie ihm doch noch seinen Wunsch erfüllen und Leonard Cohens Hallelujah für ihn singen würde. Sie überlegte auch, ein Bild als Puzzle machen zu lassen und ihm nach und nach die Puzzleteile zukommen zu lassen, aber das würde sich alles finden. Zunächst einmal musste Lars sich melden, bevor er überhaupt etwas bekam. Und dann würde sie ihm auch nur einen Teaser schicken. Falls er sich zu lange nicht meldete, würde er denn eventuell auch so bekommen, aber sie hatte Doro versprechen müssen, damit noch ein wenig abzuwarten. Heute würde sie also noch die Füße stillhalten und hoffen, dass Lars sich meldete, aber wenn er sich bis morgen Abend immernoch nicht gemeldet hatte, konnte sie für nichts garantieren.
Wobei sie noch überlegte, ob sie ihm zuerst ein Bild von den Schuhen, die er ja sowieso bereits kannte, kommentarlos zukommen lassen sollte oder aber eins vom Höschen im Schnee, da hatte sie mit Doro extra noch ein paar Aufnahmen gemacht, die sicherlich ebenfalls seine Phantasie anregen würden oder ihn zumindest die Frage nach ihrer Bedeutung stellen lassen würden...
Leider hatten sie versäumt, die Schuhe auch einfach für sich selbst stehend im Schnee zu fotographieren, aber Doro hatte zu Hause noch ein ganz nettes Foto zusammen mit einer Kette aus der Weihnachtsdeko gezaubert, die Lotte noch nicht weggeräumt hatte. Jetzt musste sie sich nur noch entscheiden, was sie Lars als Erstes zukommen lassen würde...





Sie entschied sich, ihm gegebenfalls wirklich zuerst das Schuhfoto zukommen zu lassen und sich dann langsam zu steigern, danach das Höschen im Schnee und dann im Baum, weil sie das irgendwie noch ansprechender fand.
Hoffentlich meldete der Kerl sich bald!

*****

Vollkommen erledigt ließ Lars sich auf sein Bett fallen. Der Tag war der absolute Horror gewesen. Nicht nur, dass ihm in der Uni heute jeder auf die Nerven gegangen war mit irgendwelchen Kleinigkeiten, er hatte heute Morgen direkt nach dem Aufstehen auch noch eine SMS von Ute gefunden, aus der sich im weiteren Verlauf des Tages eine ziemlich nervtötende Korrespondenz per SMS entwickelt hatte.
Sie hatte einfach nur Warum? geschrieben und da er ihr nicht in die Falle gehen wollte mit einer falschen Antwort, hatte er zuerst lediglich Warum was? zurückgeschrieben.

Warum tust Du mir das an?

Diese Antwort hatte ihm beim Morgenkaffee erreicht und er wusste immer noch nicht, worauf sie hinauswollte oder was sie gar wusste.
Was, Ute?!

Warum demütigst Du mich so?

Wegen der Frisur meinst Du? Tut mir leid, ich war betrunken, ich hätte sowas nicht sagen sollen.

Und was war mit Franziska?

Nichts!!!

Wirklich?

Ja!!! Ich weiß, was ich an Dir habe. Kuss

Schwörst Du, dass da nichts war mit Franziska?!

Ja, sie hat mich lediglich nach Hause gefahren, mehr nicht. Sie ist nicht mein Typ.

Nur deswegen?

Natürlich nicht! Schatz, ich liebe Dich!

Ich Dich auch. Es tut mir leid, ich hätte Dich nicht ohrfeigen dürfen. Verzeihst Du mir?

Ja, gewonnen! Allerdings hatte dies bis zum späten Nachmittag gedauert. Großherzig hatte er ihr beim Nachmittagskaffee geantwortet Aber natürlich, es war alles zuviel und wir waren beide nicht unschuldig. Wir telefonieren heute Abend. Ich bin froh, dass alles wieder gut ist! .
Nun hatten sie eben telefoniert und alles schien wieder in Ordnung, doch sein Seelenfrieden hatte nicht lange angehalten. Kaum hatte er das Handy beiseite gelegt, hatte ein Piepen eine SMS verkündet, die alles wieder ändern konnte. Sie war von Franziska gewesen.
Lars, so läuft das nicht! Das kannst Du mit anderen abziehen, aber nicht mit mir, ich lasse mich nicht so einfach von Dir abspeisen, wie Du Dir das vielleicht erhofft hast. Wann können wir uns treffen? F.

Sein Kopf dröhnte. Warum hatte er sich nur darauf eingelassen. Am Ende würde dieses Mädchen wirklich noch austicken und Ute alles erzählen. Er musste sich irgendetwas einfallen lassen, wie er sie beruhigen konnte. Aber darüber musste er eine Nacht schlafen, bevor er ihr antworten würde. 
Plötzlich spürte er das Bedürfnis, Charlotte um Rat zu fragen. Ausgerechnet Charlotte. Sie hätte bestimmt eine Idee, aber es war wohl gerade ein denkbar schlechter Zeitpunkt, sie mit solchen Problemen zu konfrontieren, da hatte er ersteinmal ihre eigenen zu lösen.
Er ging hinüber in die Küche, um sich ein Glas Rotwein für die nötige Bettschwere zu holen.

Warten auf Godot - Montag, 14. Januar 2013

Lars war unendlich erleichtert gewesen, als er gestern Nachmittag endlich Richtung Paris hatte aufbrechen können. Ute war tatsächlich nicht auf ihn zugekommen und da er auch nicht bereit gewesen war, den ersten Schritt zu machen, hatten sie den ganzen Tag kaum ein Wort miteinander gewechselt. Zum Abschied hatte er lediglich Tschüss gesagt und sie hatte kaum den Blick von ihrem Buch gehoben, als sie seinen Gruß erwiderte. Abends hatte er eine kurze SMS geschickt, dass er gut angekommen war nur ein "OK" als Antwort erhalten. Es war ihm fast schon gleichgültig gewesen, auch wenn ihn die Gesamtsituation keineswegs kalt ließ. Er hatte das schlechte Gefühl, am Vorabend endgültig zu weit gegangen zu sein. Dieses Gefühl und die Ahnung, dass es nicht ohne Folgen bleiben würde, hatte sich heute Morgen bestätigt, als er eine SMS von Franziska auf seinem Handy gefunden hatte.

Wann sehen wir uns wieder?

Mehr hatte sie nicht geschrieben, doch das Konfliktpotenzial, das diese fünf Worte bargen, war ihm durchaus bewusst. Die Antwort lautete nämlich, dass er sie nicht wiedersehen wollte, allerdings fürchtete er ihre Reaktion auf diese Abfuhr. Er hatte den ganzen Tag überlegt, wie er es ihr am besten vermitteln sollte, ob er sie anrufen, sich mit ihr treffen und reden oder doch nur eine SMS schicken sollte. Am Ende hatte er sich für eine Email entschieden. Eine SMS wäre zu knapp, einen Anruf aus Frankreich war es ihm nicht wert und das Risiko eines Treffens wollte er nicht eingehen. Insofern erschien ihm eine Mail die beste Alternative zu sein.



Betreff: Pardon!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Franzilein@koelnmail.de
17:58 14.01.2013
 
Liebe Franzi,
 
ich dachte mir, ich schreibe Dir lieber eine Mail, so kann ich mich ein wenig ausführlicher erklären, eine SMS wäre da möglicherweise nicht ganz angemessen.
 
Ich wollte Dich wissen lassen, dass es mir leid tut, falls am Samstag ein falscher Eindruck entstanden ist. Wir können uns nicht wiedersehen, jedenfalls nicht über die normalen Begegnungen im Golfclub hinaus. Wie Du weißt, bin ich verheiratet und insofern sollten Treffen mit anderen Frauen nicht stattfinden, jedenfalls nicht in der Form, wie Du es anstrebst. Was am Samstag passiert ist, war dem Alkohol geschuldet und es hätte nicht passieren dürfen, das weißt Du genauso gut wie ich. Insofern sollten wir es einfach vergessen und den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten, auch, um die Atmosphäre im Golfclub nicht mit einer solchen Dummheit zu belasten. Franzi, ich bin mir sicher, Du bist ein intelligentes und anständiges Mädchen und verstehst, dass dies der beste Weg ist.
 
Ich bin mir sicher, Du wirst viele Männer finden, die Deine Qualitäten (und die hast Du zweifellos!) zu schätzen wissen und mit denen Du viel mehr Spaß haben kannst, als mit einem verheirateten Mann wie mir. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass bald der Richtige dabei ist und dann werde ich ihn hoffentlich im Golfclub kennenlernen.
 
Insofern, um des lieben Friedens und der Vernunft Willen, lass uns den Samstag Abend vergessen. Ein Wiedersehen in dieser Form ist ausgeschlossen. Aber wir werden sicherlich weiterhin einen freundschaftlichen Umgang im Golfclub miteinander pflegen können.
 
Alles Gute
 
Lars
 
 
Lars konnte nur hoffen, dass sie sich wirklich darauf einlassen und schweigen würde, ansonsten würde der Skandal im Golfclub möglicherweise groß sein und er konnte gerade beim besten Willen nicht noch mehr Stress gebrauchen.
Er überlegte, was er mit dem restlichen Abend anfangen sollte. Ute hatte sich den ganzen Tag noch nicht bei ihm gemeldet und er hatte auch keinen Nerv, sich bei ihr zu melden. Er fühlte sich ratlos und wusste nicht, was er ihr hätte sagen sollen, wenn er sie anrufen würde. Das war eigentlich das Problem, nicht, dass er nicht mit ihr reden wollte. Aber ihm fehlten die Worte. Es tat ihm leid, aber er konnte es ihr nicht sagen, das wäre ein Schuldeingeständnis. Sie hätte auf ihn zukommen sollen, aber ganz offensichtlich tat sie es nicht. Er hoffte, sie würde sich an diesem Abend noch melden, wenigstens mit einer SMS. Diese Situation belastete ihn und er brauchte eine Lösung, um sich Gedanken über Charlotte machen zu können. Alles war so absurd, er hatte tatsächlich das Gefühl, ein wenig die Kontrolle verloren zu haben. Er beschloss, den Abend mit einer Flasche Rotwein alleine in seiner Wohnung zu verbringen. Wenn er rausgehen würde, würde er sich am Ende nur noch ein weiteres Problem einfangen...
 
*****
 
Ute fühlte sich unglaublich schlecht. Lars hatte sich den ganzen Tag nicht gemeldet, dabei hatte sie sowohl das Telefon als auch ihr Handy nicht aus den Augen gelassen und so sehr auf eine Entschuldigung oder wenigstens irgendein Zeichen gehofft. Sie vermisste ihn trotz allem so sehr, sie konnte Konfliktsituationen immer nur schwer ertragen und war deswegen meist schnell bereit, auf den anderen zuzugehen, auch wenn dieser eigentlich der Schuldige war. Aber Susanne hatte ihr eingetrichtert, dass sie diesmal nicht auf Lars zugehen dürfe, sondern abwarten müsse, bis er sich melde. Ansonsten würde sich nie etwas ändern und er sei sich ihrer sowieso zu sicher, das habe er mit seinen Aktionen am Wochenende doch zur Genüge bewiesen. Warum sie ihn überhaupt noch haben wolle, hatte Susanne sie gefragt. Ute wusste, dass diese Frage nicht unberechtigt war, aber sie liebte ihn so sehr. Sie wusste nicht, was gerade mit ihm los war, dass er sich so seltsam verhielt, aber er war nicht so ein schlechter Charakter, wie es gerade wirkte, das hatte sie Susanne versichert. Vielleicht hatte er gerade irgendeine Krise und dies war seine Art Frust abzulassen. Sie wollte doch nur, dass alles wieder gut würde.
Als Lars sich abends immer noch nicht gemeldet hatte, beschloss sie, ihm wenigstens eine kurze SMS zu schicken. Sie würde nicht einschlafen können, wenn sie den ganzen Tag nichts von ihm gehört hatte und wenn sie ihm nur ein Warum?  per SMS schickte, ging sie damit nicht zu sehr auf ihn zu, befand sie.
Sie erhielt eine Empfangsbestätigung, aber keine Antwort, bis sie gegen Mitternacht endlich einschlief. Vielleicht hatte er ja bereits geschlafen...

*****

Ein weiterer Tag war vergangen. Ein weiterer Tag, an dem Lars sich nicht bei ihr gemeldet hatte. Lotte merkte, dass sie langsam aber sicher unruhig wurde. An diesem Abend hatte sie sich nur sehr knapp beherrschen können, ihm nicht wenigstens eine kurze Mail zu schicken. Für morgen Abend würde sie Ablenkung brauchen, ansonsten würde sie ihm schreiben und das wäre nicht gut. Sie überlegte, was sie tun könnte, dann nahm sie ihr Handy und begann, eine SMS an Jan zu schreiben.