Mittwoch, 16. Januar 2013

Verlockende Falle - Mittwoch, 16. Januar 2013 (Part I - später mehr)

Lars hatte die halbe Nacht kein Auge zugetan. Er war zwar über dem Rotwein auf dem Sofa eingenickt, aber gegen drei Uhr morgens wach geworden, weil ihm der Nacken weh getan hatte und daraufhin ins Bett umgezogen. Dort hatte er bis 5 Uhr wach gelegen und darüber gegrübelt, wie er eine Eskalation mit Franziska verhindern konnte und was er Charlotte spätestens am Wochenende sagen sollte. Um kurz nach fünf hatte er schließlich eingesehen, dass er keinen Schlaf mehr finden würde und stattdessen beschlossen, die Dinge in die Hand zu nehmen und sich um Franziska zu kümmern.



Betreff: So nicht!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Franzilein@koelnmail.de
05:31 16.01.2013
 
Guten Morgen Franziska,
 
nach Deiner unerfreulichen SMS gestern Abend hier nun als meine Antwort per Mail. Es ist keineswegs meine Absicht, die abzuspeisen, ich habe lediglich an Deine Vernunft appelliert, unser kleines Tête-à-tête nicht überzuinterpretieren und auf sich beruhen zu lassen. Offensichtlich konnte ich Dich nicht überzeugen, insofern frage ich nun einfach ganz offen: Was stellst Du Dir vor? Was versprichst Du Dir von diesem Treffen? Was willst Du von mir?

Sei vernünftig, Franzi.

Lars



Nachdem er die Mail versendet hatte, spürte er plötzlich ein starkes Bedürfnis, auch Charlotte zu schreiben. Möglicherweise war es auch aus der Gewohnheit heraus, dass er beim Mailen an sie denken musste, aber er vermisste sie gerade unendlich. Mit einer Frau wie ihr an seiner Seite wäre ihm so etwas Blödes wie mit Franziska gar nicht erst passiert, da war er sich sicher. Natürlich würde er auch Charlotte nicht sexuell treu sein können, aber das mit Franziska war eine Frustreaktion gewesen und normalerweise absolut nicht sein Niveau. Er hoffte bloß, er würde den Schaden daraus in Grenzen halten können. Wenn er doch bloß Charlotte um Rat fragen könnte. Aber es war gerade eindeutig nicht der Zeitpunkt dafür. 
Er musste daran denken, wie sie vor wenigen Wochen noch neben ihm hier in Paris im Bett gelegen hatte und wünschte sich nichts mehr, als dass sie jetzt im Moment dort liegen und er sich an sie schmiegen könnte. Ihren Duft riechen, ihre wunderschöne weiche Haut fühlen, ihrem gleichmäßigen Atem lauschen, während sie in seinem Arm schlief. Und wieder gruselte es ihn, was für tiefe Gefühle ihn plötzlich überkamen. Schnell verdrängte er die Gedanken an Charlotte und widmete sich stattdessen seinen Vorlesungsunterlagen.

Als er gerade mit dem dritten Kaffee für diesen Morgen aus der Küche trat, sah er auf dem Monitor das Zeichen für eine neue Email leuchten. Franziska hatte bereits geantwortet.




Betreff: RE: So nicht!
Von: Franzilein@koelnmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
07:47 16.01.2013
 
Guten Morgen Lars!
 
Was bildest Du Dir eigentlich ein? Dass Du der große Zampano bist, der sich überall nehmen kann, was er will, ohne auch mal etwas zu geben? Sich einfach schön einen blasen lassen und die doofe kleine Franzi dann zum Teufel jagen, so hast Du Dir das also gedacht?! Mit der Nummer kommst Du bei mir nicht durch.
Ich habe schon länger gemerkt, dass Du frustriert bist und ich konnte es auch irgendwie verstehen, ohne Ute zu nahe treten zu wollen, aber dass ein Mann wie Du da keine Erfüllung findet, dürfte für jeden offensichtlich sein. Sonst hätte ich das auch nie gemacht, ich meine, ich würde niemals einer Frau ihren Mann wegnehmen, aber es sah an dem Abend so aus, als hättet Ihr Euch eh nicht mehr allzuviel zu sagen und ich fand Dich schon immer sehr attraktiv, insofern habe ich es einfach mal versucht, ich habe ja gemerkt, dass eine beiderseitige Anziehung bestand.
Allerdings hätte ich Dir etwas mehr Niveau zugetraut als die Situation so auszunutzen. Ich hätte schon erwartet, dass ich auch mal zum Zug komme, nachdem Du an diesem Abend dazu ja nicht mehr in der Lage warst. Ich dachte, Du wärst ein Mann, der ein Abenteuer sucht. Falls das so ist und Du aus welchen Gründen auch immer nur kurz unsicher warst, wunderbar! Lass uns also ein Treffen vereinbaren und dann gilt Gleichberechtigung, Du holst nach, wozu Du am Samstag nicht mehr in der Lage warst. Und ich bin mir sicher, in meinem Bett haben wir es auch bequemer als im Auto. Oder bevorzugst Du den Schreibtisch? ;-)
Sollte es aber so sein, dass Du glaubst, ich wäre Dein Frustventil und Du wärst mit dem Frust, den Du in meinem Mund abgelassen hast fertig, dann hast Du Dich geschnitten. Ich lasse mich so nicht ausnutzen bzw. ich werde mir dann auch nicht ansehen, wie Du solche Spielchen treibst. Ich denke, in diesem Fall müsste ich mit dem Grund Deines Frustes mal Klartext reden, damit so etwas nicht häufiger vorkommt. Ute wird bestimmt sehr interessiert daran sein, wie der Abend nach ihrem Abgang noch weiterging... 
Es liegt also an Dir...
 
Gruß
 
Franzi

PS: Am Samstag Abend würde es bei mir sehr gut passen.
 
 
 
Fassungslos starrte Lars auf den Bildschirm. So ein Miststück, das hätte er ihr nie zugetraut. Sie hatte eigentlich immer ganz harmlos auf ihn gewirkt, auch wenn ihm spätestens seit Samstag hätte klar sein müssen, dass das eine Täuschung war. Nun war guter Rat tatsächlich teuer. Eigentlich hatte er gar nicht übel Lust, sich auf ihr Angebot einzulassen. Sie hatte ihre Sache am Samstag wirklich gut gemacht und der Gedanke, am Samstag eine Wiederholung zu erhalten reizte ihn gerade sehr. Außerdem fiel es ihm schwer, den unterschwelligen Vorwurf im Raum stehen zu lassen, er könne es ihr nicht besorgen. Die würde sich wundern.
Dagegen sprach aber zweifellos, dass er sich nicht von so einem jungen Ding erpressen lassen wollte und genau das war es, was sie gerade versuchte. Einen Lars Laslandes erpresste keine Frau also durfte er ihr nicht nachgeben. Aber die Versuchung war allzu groß. Er musste noch einmal darüber nachdenken, bevor er ihr antwortete.

Kommentare:

  1. Was stellt Lars sich denn so an, ist doch genau das, was er will...
    Franzi ist zwar echt ein Biest, aber sie hat schon irgendwo Recht mit ihrem Vorwurf.
    Außerdem will er doch Ute sowieso verlassen, das wäre doch die Gelegenheit. Kein Verstecken mehr, keine Erpressung möglich.

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    1. Tja, ist halt die Frage, ob er das will. Bisher ist er was das angeht ja nicht gerade konsequent vorgegangen... ;)

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