Freitag, 11. Januar 2013

Nüchtern betrachtet - Freitag, 11. Januar 2013

Lotte hatte den gestrigen Abend mit Doro in einer Bar verbracht. Allerdings hatte sie im Laufe des Abends solche Kopfschmerzen bekommen, dass sie sich bereits um 23 Uhr verabschiedet hatten und sie zu Hause sofort ins Bett gegangen war. Heute Morgen war es dann wieder gut gewesen mit den Kopfschmerzen, dafür war ihr bei ihrer Joggingrunde mit Schröder plötzlich übel geworden. Sie verstand es nicht. Dieses Jahr schien nicht ihres werden zu wollen. So viele gesundheitliche Probleme wie in den ersten paar Tagen von 2013 hatte sie im gesamten Jahr 2012 nicht.
Sie hatte sich nicht besser gefühlt, nachdem sie ihre Mails abgefragt hatte. Überhaupt war der Anlass für das spontane Treffen mit Doro gestern Abend erst gewesen, dass Lars ihr einfach mitten im Mailgespräch nicht mehr geantwortet hatte und sie die Warterei so genervt hatte, dass sie Doro alarmiert hatte. Und nun fragte sie ihre Mails ab und hatte ihre Antwort. Sie war erst einmal baff gewesen. Mit so einer Mail hatte sie nicht gerechnet. Lars zeigte tatsächlich so etwas wie tiefere Gefühle, gab sich fast verletzlich. Und er zeigte natürlich auch gleich die typisch-männliche Reaktion auf solche Gefühle: Erschrecken und Rückzug. Er wollte Abstand, weil es ihm Angst machte, was er für sie empfand. Sie hätte kotzen können. Warum musste alles immer so kompliziert sein? Warum konnte er nicht den einzig logischen Schluss ziehen und die Trennung von Ute endlich durchziehen? Lotte war entnervt.



Betreff: Wieder nüchtern?
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
 
11:59 11.01.2013
 
Lieber Lars,
 
Du hast vielleicht Nerven. Erst lässt Du mich so lange auf eine Antwort warten und dann schickst Du mir solchen Tobak! Darf ich erfahren, ob Du Deine Aussagen nüchtern betrachtet nun noch genauso siehst oder sie Dir nun leid tun?
 
Grüße
 
Lotte
 
 
 
Erstaunlicherweise musste Lotte diesmal nicht lange auf Antwort warten. Bereits nach wenigen Minuten leuchtete die rote (1) auf.
 
 
 

Betreff: Nüchtern betrachtet...
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
12:18 11.01.2013
 
... habe ich mich mit dieser Mail wahrscheinlich zum Vollhorst gemacht, aber ja, meine liebe Charlotte, es bleibt dabei. Müsste ich Dir diese Mail jetzt mit 0 Promille noch einmal schreiben, so hätte ich sicherlich nicht so tief blicken lassen, aber das Fazit bleibt gleich: Es macht mir Angst, dass ich so empfinde, wie ich empfinde und mit diesen Gedanken, die es bei mir auslöst, halte ich zusätzlich den Zustand bei mir zu Hause gerade noch weniger aus, insofern werde ich ein wenig Distanz zu Dir suchen. Nur so kann ich meine Gedanken ordnen und nur mit geordneten Gedanken kann ich die Trennung von Ute in die Wege leiten. Also sei mir nicht böse, meine Liebe, wenn ich mich jetzt ein wenig überraschend zurückziehe. Glaube mir, für mich ist es nicht viel weniger überraschend, aber ich denke, es ist der einzig sinnvolle Schritt und es wird auch nicht für lange sein. Ich möchte mir einfach über verschiedene Dinge klar werden und dafür brauche ich Abstand. Melde Dich also bitte auch nicht bei mir, oder nur, wenn wirklich irgendwas sehr Wichtiges ist, aber erwarte keine Antwort, solange nicht wirklich die Welt untergeht. Keine Sorge, ich werde Dich nicht lange in der Luft hängen lassen, dafür hätte ich viel zu viel Angst, dass Dich am Ende irgendein Kerl am Süßigkeitenautomat vor den Altar zerrt. ;-) Aber die Tage jetzt wo ich Ute ausgesetzt bin, werde ich mich definitiv nicht melden und dann muss ich schauen, wie weit ich mit meinen Gedanken bin, wenn ich wieder in Paris bin. Sagen wir, ich gebe Dir allerspätestens Sonntag in einer Woche eine Meldung.
Sei mir nicht böse, Lottchen. 
 
Bis bald!
 
Kuss,
 
Lars
 
 
 
Lotte war fassungslos. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein. Sie hatte sich so sehr darauf gefreut, dass sie sich sehen würden und jetzt durfte sie ihm noch nicht einmal schreiben. Sie fragte sich, was das sollte. Wollte er wirklich nur Abstand, um seine Gedanken zu sortieren und sich dann von Ute zu trennen? Oder wollte er sehen, wie sehr er sie vermisste um davon die Entscheidung zur Trennung abhängig zu machen? Plötzlich merkte sie, dass sie weinte. Wütend putzte sie sich die Nase und knallte den Laptop zu. Sie würde sich nicht von ihm fertigmachen oder sich das Wochenende verderben lassen.
Sie rief nach Schröder und kuschelte sich mit ihm auf's Sofa.
 
 *****
 
Während Ute mit Hugo durch den winterlichen Park spazierte, dachte sie darüber nach, wie sie das Wochenende überstehen sollte. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen gehabt, Lars gegenüber als neuer Mensch aufzutreten und ihn mit ihrer neuen Frisur, den neuen Dessous und mit überhaupt allem zu beeindrucken und zu verwöhnen. Aber sie musste bereits nach nichtmal einem Tag merken, dass dies nicht so einfach war, wie sie es sich vorgestellt hatte. Wahrscheinlich war sie naiv gewesen zu glauben, es würde wie von alleine gehen, nur weil sie eine peppigere Frisur hatte. Im Gegenteil, sie wurde das Gefühl nicht los, dass Lars ihre Frisur nicht gefiel. Er hatte angedeutet, sie könne sich die Haare ja vielleicht wieder braun färben lassen und der Schnitt sei zwar nett, aber danach solle sie sie ruhig wieder wachsen lassen. Realistisch betrachtet hieß das wohl, dass sie ihm nicht gefiel. Aber gut, von ihrer Frisur könnte sie ihn mit der Wäsche sicherlich ablenken. Nur hatte sie das Gefühl, er interessierte sich überhaupt nicht für sie. Er schien mit seinen Gedanken komplett woanders zu sein und sie ahnte, wo. Sie musste sich in seine Gedanken drängen, dann musste sie eben mehr Aufmerksamkeit erregen. Aber so einfach war es nicht, wenn sie ständig im Hinterkopf hatte, dass er ständig an diese Charlotte dachte. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken, dass sie ihn heute Abend mit ihren Dessous verführen würde und er dann beim Sex möglicherweise an Charlotte dachte. Sie ertrug es nicht, es war viel viel schwieriger, als sie es sich vorgestellt hatte. Charlotte war omnipräsent in ihrem Alltag, obwohl sie eigentlich gar nicht greifbar war. Sie war ständig auf der Hut, als Lars beim Frühstück gesagt hatte, er wolle heute Abend mit Frank ausgehen, hatte sie sofort einen Stich in der Magengegend verspürt und gedacht, dass er sich sicherlich nicht mit Frank, sondern mit Charlotte treffen wollte. Sie hatte nicht an sich halten können, es war einfach aus ihr herausgeplatzt. Sie hatte ihn gefragt, ob sie nicht mitkommen könne. Sie hatte sich gedacht, dann könne er sich nicht mit ihr treffen oder er würde jetzt mit irgendeiner seltsamen Ausrede ankommen. Doch zu ihrer Überraschung hatte er sie nur verwundert angesehen und dann gesagt, sie könne natürlich mitkommen, wenn es ihr nicht zu langweilig sei. In dem Moment war es ihr fürchterlich peinlich gewesen, ihn überhaupt gefragt zu haben. Offensichtlich traf er sich tatsächlich mit Frank und sie sah bereits überall das Böse lauern. Nun musste sie heute Abend mit, weil es ihr zu unangenehm gewesen war, dann doch einen Rückzieher zu machen. Und dabei konnte sie Frank eigentlich nicht ausstehen. Lars hatte vorgeschlagen, Frank zu sagen, er solle doch Vera, seine Frau, ebenfalls mitbringen, dann könnten sie einen Pärchenabend machen. Ute fand Vera entsetzlich, aber sie hatte nichts zu entgegenen gewagt. Und nun musste sie heute Abend mindestens zwei Stunden Smalltalk beim Edelitaliener mit der oberflächlichen Vera und dem arroganten Frank ertragen. Es würde fürchterlich werden. Sie fühlte sich immer schrecklich in Anwesenheit der Beiden. Vera war stets aufgebrezelt und sie fühlte sich neben ihr wie Aschenputtel. Frank war ein Macho und sie wurde das Gefühl nie los, dass er nicht verstand, was Lars mit einem Mauerblümchen wie ihr wollte. Dass er sie für ein Mauerblümchen hielt, wusste sie, dass hatte er ihr nach zwei Flaschen Wein einmal freudestrahlend ins Gesicht gesagt und sie hatte Mühe, ihm nicht in die Zähne zu hauen. Stattdessen war sie weinend im Bad verschwunden an diesem Abend. Sie hoffte inständig, dass der heutige Abend besser enden würde.
 

Kommentare:

  1. Ach herrje, die arme Ute. Ich wünsche ihr so sehr ein Happy End und ihre alte Frisur zurück. ;)

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    1. Ja, das mit dieser Frisur ist wirklich ein Elend. Aber zum Glück wächst die ja wieder raus und an der Farbe lässt sich schnell etwas ändern. An den Ereignissen von gestern Abend nicht mehr... ich kann schonmal verraten, dass sie da nicht ganz soviel Spaß hatte mit ihrer Frisur bzw. es einen neuen Tiefpunkt gegeben haben könnte. ;-)
      Bei ihr könnte man wirklich denken "Neue Frisur, neuer Mann" wäre besser für sie gewesen. ;-)

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  2. Ich lese seit Tag 1 mit und anfangs waren mir Utes Gefühle bei der Sache total egal, das hat sich aber irgendwann dann geändert. Leid tut sie mir ja schon... aber ich wünsche mir dann doch eher einen neuen Kerl für sie als Lars.
    Wie jeden Tag bin ich gespannt wie's weitergeht!

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    1. Oh, das freut mich zu hören! :) Für mich ist es ja auch immer motivierend, wenn ich hier neue Kommentare finde (an dieser Stelle vielen Dank, Prinzessin auf der Erbse) und ich merke, dass hier Leute mitfiebern. Die Umfrageergebnisse haben das zwar auch gezeigt und die Statistiken des Blogs noch viel mehr, aber trotzdem macht es natürlich noch viel mehr Spaß, hier solche Kommentare zu lesen und zu wissen, was Ihr denkt. :)
      Insofern, echt schön, dass du seit dem 1. Tag dabei bist und Ute freut sich sicherlich auch, dass sie manchen Leuten in den letzten Wochen eher sympathischer geworden ist als andersrum. *g*
      Mal abwarten, vielleicht sucht sie sich ja einen Neuen... aber momentan scheint sie noch andere Pläne zu haben. ;)

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    2. Oh das freut mich, dass dich meine Kommentare motivieren :)
      Das mit Ute geht mir wie Marie. Anfangs habe ich sie und ihre Gedanken eher nur am Rande wahrgenommen, jetzt mag ich die Passagen mit ihr am liebsten. Finde es auch gut, dass du sie miteinbeziehst und auch mal aus ihrer Sicht schreibst, das macht es noch interessanter.

      Ich bin wirklich sehr gespannt auf die weiteren Ereignisse...

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    3. Naja, irgendwie gehört Ute ja auch dazu und man kommt nicht an ihr vorbei. Weder Lotte noch wir, und Lars schon gar nicht hehe.
      Aber interessant, dass du die Passagen mit ihr am liebsten magst, das hätte ich so nicht erwartet. Siehst du, schon wieder was gelernt über meine Leser. Aber heute hätte es so oder so Neues von Ute gegeben, du kannst dich also schonmal freuen. :)

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  3. Ach wenn ich das so lese, dann denke ich mir, ich hätte mich doch mal eher aufraffen sollen, dir eeeendlich mal zu schreiben und dir zu sagen wie gut mit deine Geschichte gefällt und wie froh ich bin, dass es im neuen Jahr weiterging!

    Ich fand die Ute-Passagen anfangs auch nicht so dolle - aber jetzt will ich nicht mehr ohne! Ohne sie würde der Geschichte doch so einiges an Tiefe und Spannung fehlen.

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    1. Hach wie lieb! :)
      Und witzig, mit Ute, gut zu wissen. Aber Ute wird weiterhin eine Rolle spielen, ihre Rolle wird sogar eher noch wachsen, das war von Anfang an geplant, insofern passt das ja super. :)

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