Donnerstag, 31. Januar 2013

Himmelhoch jauchzend - Dienstag, 29. - Donnerstag, 31. Januar 2013

Lotte war die ganzen letzten Tage wie auf Wolken geschwebt, seit Lars ihr am Montag geschrieben hatte, dass er endlich mit Ute Schluss machen würde. Sie konnte das Wochenende kaum abwarten. Vielleicht schmiss sie ihn ja direkt raus und er würde schon morgen oder am Samstag bei ihr Zuflucht suchen. Sie wusste nicht, wann er genau mit ihr reden wollte, aber morgen kam er aus Paris wieder und ab morgen konnte es soweit sein, auch wenn sie annahm, dass er zu bequem war, um es sofort nach seiner Ankunft hinter sich zu bringen. Aber auf ein oder zwei Tage mehr oder weniger kam es nun auch nicht mehr an, auf jeden Fall würde es dieses Wochenende soweit sein und dann gehörte er ihr. Sie hatte das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht bekommen und arge Mühe gehabt, sich auf ihre Klausuren zu konzentrieren, aber sie hatte sich zusammengerissen. Schließlich wollte sie sich auch nicht mit schlechten Noten vor ihm blamieren. Die ein oder andere Klausur hätte sicherlich optimaler laufen können, aber insgesamt war sie zufrieden und sich recht sicher, auf jeden Fall alle bestanden zu haben, egal wie. Für die Abschlussnoten zählten die Klausuren sowieso nicht, also war es ihr egal. Vielleicht war sie ja auch nur so gut gewesen, weil Lars ihr doch tatsächlich vor jeder Klausur eine SMS mit Glückwünschen geschickt hatte, immer pünktlich. Wie zauberhaft er doch sein konnte. Sie strahlte. Lars hatte ihr versprochen, dass sie sich auf jeden Fall am Wochenende sehen würden und sie hoffte sehr, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits frei war. So oder so konnte sie es kaum abwarten ihn wiederzusehen.

*****

Lars hatte absichtlich noch einen Tag in Paris drangehangen, um ein wenig Schonfrist zu haben und mit einem wirklich klaren Kopf nach Köln reisen zu können und mit Ute Schluss zu machen. Er hatte diese Woche sehr ruhig verbracht und sich ausschließlich auf die Arbeit und abends auf das Ordnen seiner Gedanken konzentriert. Kein einziges Mal war er ausgegangen, um nicht einer Versuchung zu erliegen, die ihm am Ende durcheinanderbrachte. Es war die richtige Entscheidung gewesen. Er war sich in den letzten Tagen wirklich klar geworden, was er wollte. Er wollte Charlotte, mit allen Konsequenzen, die das nach sich ziehen würde und sicherlich wären viele erst einmal weniger angenehm. Sein Ruf würde leiden, im Institut würde er sich Einiges anhören dürfen und auch finanziell könnte es ihm an den Kragen gehen. Dennoch war er sich sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Er konnte nicht länger vor Ute davonlaufen und es wäre auch unfair, sie mit ihrem Kinderwunsch noch länger hinzuhalten. Sie wünschte sich so sehr ein Kind und ihre biologische Uhr tickte zweifellos, wenn er es jetzt beendete, hatte sie wenigstens noch die Chance, einen anderen möglichen Vater zu finden. Er hat sehr viel über dieses Thema nachgedacht, das, wie ihm bewusst geworden war, ein sehr großer, wenn auch wenig ausgesprochener Konflikt zwischen ihnen war und daran war ihm klargeworden, dass es nicht weitergehen konnte. Er konnte sich Ute als Mutter vorstellen, sie wäre sicherlich auch eine gute Mutter, aber er war sich sicher, sie würde eines dieser grausamen Muttertiere werden und noch viel spießiger und vorsichtiger, als sie es sowieso schon war, sobald sie ein Kind hätten. Spätestens dann würde er sich endgültig mit ihr zu Tode langweilen und das ginge einfach nicht. Wenn er ein Kind zeugte, wollte er dahinter stehen und diesem Kind ein guter Vater sein und eine gute Familie bieten - was aber zweifellos nur möglich war, wenn er für die Mutter des Kindes mehr als ein müdes Lächeln übrig hatte. Charlotte konnte er sich hingegen wunderbar als Mutter vorstellen. Sicherlich würde sie eine unkonventionelle Mutter sein, aber mit ihr würde es nie langweilig werden und zu seiner Verwunderung hatte er feststellen müssen, dass er sich mit Charlotte sogar zum jetzigen Zeitpunkt bereits Kinder vorstellen konnte, während er bei Ute immer erst an in ein paar Jahren gedacht hatte.
Nein, er hatte alles sorgfältig durchdacht und auch wenn es sicherlich erst einmal eine sehr unangenehme Sache werden würde, so hoffte er trotzdem, dass Ute einsehen würde, dass es für alle das Beste war und er ihr damit ebenfalls ganz neue Chancen eröffnete, auch wenn er ihr das Erhoffte erst einmal zerstörte. Aber vielleicht ließ sie nach dem ersten Schock mit sich reden und sie würden die Trennung vernünftig und wie erwachsene Menschen über die Bühne bringen können. Er hatte sich bereits die passenden Worte zurechtgelegt und auch beschlossen, so ehrlich zu ihr zu sein, dass er ihr von Charlotte erzählte, sie würde es so oder so herausfinden und wenn sie es direkt wusste, war die Demütigung vielleicht geringer. Außerdem gab es dann kein Zurück mehr und sie wusste sofort, woran sie war. Dann brauchte er ihr auch nicht sagen, dass er sie nicht mehr liebte, sondern lediglich, dass er Charlotte mehr liebte. Er fand, das klang freundlicher. Und falls sie sich damit besser fühlen sollte, konnte sie sich einreden, er habe eine Midlife-Crisis und sie deswegen durch eine Jüngere ersetzt. Es war ihm egal, er wollte nur, dass sie alle möglichst schadlos aus dieser Sache herauskamen. Er musste nur den passenden Moment am Wochenende finden, um es ihr zu sagen. Aber er war fest entschlossen, es zu tun, wenn auch wahrscheinlich noch nicht sofort morgen...

Kommentare:

  1. Ach Lars, vielleicht ist deine Ute schon schwanger...

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    1. Sowas fürchte ich auch... schließlich hatten sie ja doch ein paar Mal Sex in letzter Zeit.

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