Dienstag, 8. Januar 2013

Montag, 07. Januar 2013

Als der Wecker klingelte, konnte Lotte unmöglich aufstehen. Sie hatte das Gefühl, als müsse ihr Kopf jeden Moment platzen, solche Schmerzen hatte sie. Bereits gestern auf der Rückfahrt vom Flughafen hatten die Kopfschmerzen begonnen, wie aus dem Nichts waren sie gekommen. Sie verstand es nicht, normalerweise hatte sie höchstens Kopfweh, wenn sie am Vorabend getrunken hatte, aber gestern war sie bis auf das halbe Glas Sekt mit Lars völlig nüchtern gewesen. Womöglich lag es daran, dass ihr Periode bald kommen musste, manchmal hatte sie dann mit irgendwelchen seltsamen Begleiterscheinungen zu kämpfen, aber das hier übertraf wirklich alles. Das neue Jahr fing gesundheitlich wirklich nicht gut für sie an. Erst diese elende Übelkeit, nun die Kopfschmerzen, es konnte eigentlich nur besser werden.
Aber der Tag wurde nicht besser. Als sie sich endlich gegen Mittag aus dem Bett gequält hatte und hoffte, mit zwei Schmerztabletten erst einmal über die nächsten Stunden zu kommen, klingelte ihr Festnetz. Als sie abnahm, hatte sich niemand gemeldet, auch nicht, nachdem sie das dritte Mal 'Hallo!' gebrüllt hatte. Stattdessen hörte sie jemanden am anderen Ende der Leitung schwer atmen. Sie hasste sowas, zumal sie ihre Festnetznumer kaum jemandem rausgab. Am späten Nachmittag war wieder ein Anruf gekommen ohne das jemand etwas gesagt hatte. Eine Nummer wurde natürlich auch nicht angezeigt. Es hatte sie nervös gemacht, obwohl sie dachte, dass es albern war, wegen so etwas nervös zu werden. Eventuell hatte einfach jemand zufällig irgendeine Nummer gewählt und war bei ihr gelandet. Wenn es weitergehen würde, würde sie sich einfach eine Trillerpfeife neben das Telefon legen. Dennoch hatte sie sich unwohl gefühlt, als sie abends im Dunkeln mit Schröder spazieren war. So musste er auch auf den Park verzichten und sie waren nur eine große Runde um den Block gegangen. Unterwegs hatte sie sich noch eine Pizza Quattro Formaggi mitgenommen. Sie hatte eigentlich keinen rechten Appetit, aber irgendetwas musste sie essen. Sie behielt sie zwanzig Minuten in sich, ehe sie gerade noch rechtzeitig die Toilette erreichte. Vielleicht war es ihre Unruhe gewesen oder die Kopfschmerzen. Es gab doch auch Migräne, wo man sich übergeben musste. Vielleicht war es so etwas. Trotzdem, wenn es nicht besser würde, musste sie irgendwann in den nächsten Tagen eventuell doch einen Arzt aufsuchen.
Vor dem Schlafengehen beschloss sie, Lars noch eine Mail zu schreiben. Dann hatte der Tag wenigstens einen guten Abschluss.



Betreff: Bäh
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
22:39 07.01.2013
 
Hallo Liebster,
 
bist Du gut in Paris angekommen? Ja, bist Du, ich weiß, Du hast eine SMS geschickt. Ich meinte mehr so gefühlsmäßig...
Wie war Dein Wochenbeginn? Meiner war eher mittelmässig, ich bin schon wieder am kränkeln. Vielleicht bekommt mir Deine Abwesenheit nicht? ;-) 
Ach Lars, wenn mir nicht so schlecht wäre. Vielleicht bestraft der liebe Gott kleine Sünden doch sofort. Ich gehe jetzt schlafen, in der Hoffnung, dass es besser wird.

Grüße von

Lotte


*****
 
Gerade hatte er Charlotte schreiben wollen, als eine Mail von ihr aufleuchtete. Das war wohl Gedankenübertragung. Was er las, gefiel ihm allerdings nicht. Er machte sich Sorgen um Charlotte. Sie war gestern schon ziemlich blass um die Nase gewesen, wenn er es so bedachte. Vielleicht hatte sie sich wirklich etwas eingefangen. Sie sollte zum Arzt gehen. 




Betreff: RE: Bäh
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
22:57 07.01.2013
 
Meine liebe Charlotte,
 
das klingt aber gar nicht gut. Tu mir den Gefallen und geh morgen zum Arzt, ja? Was hast Du denn genau? Du sahst gestern auch ein wenig blass um die Nase aus. Lass Dir irgendetwas geben, bevor es schlimmer wird. Und falls Dir wirklich nur meine Wenigkeit fehlen sollte - vielleicht können wir uns ja am Wochenende kurz sehen? Ich habe zwar recht viele Termine, aber es wird sich irgendwie einrichten lassen, da bin ich mir sicher. Ich möchte schließlich nicht der Grund Deines Elends sein.
 
Mein Wochenstart war angenehm, es war alles ruhig heute. Vermutlich müssen hier auch erst alle wieder in Gang kommen, bis der richtige Stress beginnt. Aber bald ist Semesterschluss, dann werden wieder alle hektisch, ich brauche es Dir nicht sagen.
 
Fühl Dich geküsst, mein Engel und werd schnell gesund!

Dein Lars

PS: Doktorspiele aber bitte nur mit mir!!!


*****
 
Zufrieden betrachtete Ute ihre Ausbeute. Sie war gemeinsam mit Susanne in der Stadt gewesen und hatte im Schlussverkauf einige, wie sie fand, hocherotische Wäsche erstanden. Mal sehen, was Lars dazu sagen würde. Sie hatte extra ein paar Farben gewählt, nachdem Susanne meinte, dass sie tatsächlich manchmal etwas von einer grauen Maus habe. Das konnte sie nicht auf sich sitzen lassen. So hatte sie nun neben ihrer roten Reizwäsche also auch noch ein rosafarbenes Spitzenkleidchen, ein türkises Dessous-Set und last but not least einen lilanen Body mit offenem Schritt. Susanne meinte, sie sei irre, das wäre etwas für Grufties, die gerade 18 geworden seien, aber sie hatte sich nicht davon abbringen lassen. Auch das Argument von Susanne, dass Lila die Farbe der sexuellen Frustration sei, hatte sie nicht gelten lassen. Mit diesem Body ouvert würde Lars dann zumindest direkt darauf hingewiesen, wie er besagte Frustration beenden konnte. Er würde Augen machen. 
Für morgen hatte sie einen Termin beim Friseur, aber sie war noch völlig ratlos, was sie mit ihren Haaren anstellen sollte. Viele Möglichkeiten hatte sie ohnehin nicht mir ihren schulterlangen Haaren. Diese Charlotte hatte eine längere Mähne und sie würde sich wohl kaum Extensions machen lassen, das wäre lächerlich. Aber sie brauchte etwas Anderes, etwas Neues, Spannendes...

Sonntag, 6. Januar 2013

Sonntag, 06. Januar 2013

Ute ließ sich auf das Sofa fallen. Lars hatte soeben das Haus verlassen, angeblich zum Bahnhof, aber natürlich wusste sie es besser. Sie hätte schreien können. Am liebsten hätte sie ihn festgehalten, als er gegangen war. Immerhin hatte sie es geschafft, sich nichts anmerken zu lassen und sowohl den gestrigen Abend als auch das Frühstück mit ihm ohne Auffälligkeiten absolviert. Er sollte sich in Sicherheit wähnen und tat dies ganz offensichtlich. Außerdem war es ihr gelungen, die Telefonnummer von dieser Charlotte aus dem Wahlwiederholungsspeicher des Telefons auszulesen und sie hatte sie sich notiert. Man konnte nie wissen, wofür sie sie noch brauchen würde. Jetzt galt es auf jeden Fall die Nerven zu behalten und um Lars zu kämpfen. Sie hatte gestern mit Susanne besprochen, es sei das Beste, wenn sie nun richtig in die Offensive ginge und Lars zeigte, dass sie die perfekte Frau für ihn war. Seine Begeisterung für so ein junges Ding war doch nur hormonell gesteuert. Aber sie musste attraktiver für ihn werden, da gab es keinen Zweifel. Morgen würde sie gemeinsam mit Susanne in die Stadt gehen und sich neue Unterwäsche zulegen und außerdem wollte sie einen Friseurtermin vereinbaren. Sie sah langweilig aus, das würde sie ändern. Nicht, dass diese Charlotte sonderlich viel mit ihren Haaren machen würde, bei Gott nicht, dafür würde es reichen, wenn sie ab sofort die Finger von ihrer Bürste lassen würde. Sie verstand einfach nicht, warum Lars ausgerechnet sie gewählt hatte, aber irgendeinen Grund würde es geben und sie musste ihn herausfinden. Susanne hatte ihr geraten, alle Informationen, die sie über Charlotte Holzheim bekommen könnte zu sammeln und sich dann zu überlegen, was ihn an ihr reizen konnte und genau das hatte sie vor. Lars würde sie von einer ganz neuen Seite kennenlernen. Vielleicht war bei ihnen wirklich einfach schon ein wenig Routine eingekehrt und er suchte Abwechslung, aber die konnte er auch in der Ehe haben, das würde sie ihm zeigen. Und sie würde ihn an sich binden mit einem Kind. Sie hatte Susanne gestern gebeichtet, dass sie die Pille heimlich abgesetzt hatte und auch wenn sie erst wenig überzeugt gewesen war, hatte sie sie am Ende davon überzeugt, dass sie damit an Lars keinen größeren Betrug beging als er an ihr. Susanne war zwar nicht davon überzeugt gewesen, dass sie Lars mit einem Kind wirklich würde an sich binden können, im Gegenteil, aber da war sie sich sicher. Er würde ein verantwortungsvoller Vater sein, ganz bestimmt. Wenn sie schwanger war, würde er die Affäre spätestens beenden, daran hatte sie keinen Zweifel. Schließlich hatte er ihr doch letztens erst gesagt, dass er sowieso in diesem Jahr noch aus Paris zurückkommen wolle und dann würden sie endlich ein Kind bekommen. Dann würde sie den Termin eben ein wenig vorziehen. Sie hatte jedenfalls kein schlechtes Gewissen mehr bezüglich der Pille. Jetzt galt es nur noch so schnell wie möglich schwanger zu werden, damit diese Affäre endlich ein Ende hatte. Und wenn sie ihn bei seiner Rückkehr mit neuer Frisur und neuer Unterwäsche überraschte, würde das ihrem Liebesleben und damit einer möglichen Schwangerschaft mit Sicherheit förderlich sein.
Diese Gedanken machten sie so euphorisch, dass sie fast vergaß, dass sie sich vor wenigen Minuten noch in tiefer Verzweiflung auf das Sofa hatte fallen lassen, weil sie wusste, dass ihr Mann gerade zu einer jungen Studentin gegangen war und mit ihr vermutlich nicht nur ihre Briefmarkensammlung ansah.

*****

Der Wecker klingelte erbarmungslos und Lars wälzte sich aus dem Bett. An Arbeiten war nicht zu denken gewesen, nachdem Charlotte gehen musste. Er war einfach völlig berauscht von ihr und vom Sekt im Bett liegen geblieben und hatte sich den Wecker gestellt, damit er seinen Zug nicht verpassen würde. Es war der Wahnsinn gewesen. Sie hatte ihn in einem hautengen, leicht durchsichtigen weißen Kleid an der Tür empfangen, natürlich tatsächlich wieder ohne Unterwäsche, und er hatte es kaum geschafft, seinen Koffer abzustellen, bevor sie übereinander hergefallen waren. Nach dem Akt hatten sie sich mit einer Flasche Sekt gestärkt, von der Charlotte jedoch nur ein halbes Glas getrunken hatte und er den Rest, da sie noch fahren musste und dann war er schon während sie sich wieder anzog um aufzubrechen fast eingeschlafen. Sie war ziemlich amüsiert gewesen und er fragte sich, ob es einem Mann in ihrem Alter nicht so ergangen wäre. Wurde er wirklich alt? Nein, er beschloss, nach solch einem Akt und dem Alkohol danach wäre es einem Mittzwanziger auch nicht besser ergangen. Charlotte verlangte ihm eben alles ab, im Gegensatz zu Ute. Manchmal hatte er das Gefühl, es war ihr ebenso egal wie ihm, ob sie kam oder nicht. Sie zeigte auch kaum Emotionen, während man Charlotte nur hören brauchte um sich sicher zu sein, wieviel Spaß sie hatte. Vermutlich amüsierten die Nachbarn sich gleich mit, aber das sollte ihm egal sein. Selbst als Stummfilm wäre sie noch hocherotisch gewesen, allein ihr Gesichtsausdruck, so jung und doch so dreckig, so zart und dennoch voller Leidenschaft. Vielleicht hatte ihr Stöhnen und Schreien deswegen auch nichts Billiges an sich, weil sie einfach so wunderschön und leidenschaftlich war dabei. Wie er dieses Mädchen liebte.
Während er im Hinausgehen war, sah er ihre Pinnwand, die mit diversen Fotos übersät war. Eins gefiel ihm besonders gut, darauf war sie irgendwo am Strand zu sehen, zusammen mit Schröder und der Wind wehte durch ihre Haare. Er nahm es ab und steckte es ein. Sie würde sicher nichts dagegen haben. Außerdem hatte er immer noch nicht sein Weihnachtsgeschenk erhalten, dann beschenkte er sich eben selber. Er war gespannt, was er noch bekommen würde. Nach allem, was sie erzählt hatte, musste es ziemlich aufwendig sein...

Samstag, 5. Januar 2013

Samstag, 05. Januar 2013

Lars war gestern nicht mehr dazu gekommen Charlotte zu antworten. Am Nachmittag hatte er eine Besprechung mit Kollegen aus Köln gehabt, mit denen er gemeinsam an einer Veröffentlichung arbeitete und das Gespräch hatte deutlich länger gedauert, als geplant gewesen war. Nach der Besprechung waren sie gemeinsam in die Altstadt gegangen, um dort noch ein oder zwei Kölsch zu trinken und am Ende waren es ein oder zwei mehr gewesen, jedenfalls war er erst gegen Mitternacht wieder daheim gewesen und ziemlich angezwitschert, was ihm den Unmut Utes eingebracht hatte, obwohl er sie per SMS über seine Verspätung informiert hatte. Aber zwei Abende hintereinander erst um Mitternacht nach Hause zu kommen war wohl mehr, als sie vertragen konnte. Immerhin hatte er sich gestern Abend keine Vorwürfe machen und sie nicht über seine Aktivitäten belügen müssen. Auch wenn seine Alibis stets perfekt organisiert waren, fühlte er sich besser, wenn die Geschichten stimmten, die er erzählte. Trotzdem er ihr in allen Details beim Frühstück vom gestrigen Abend berichtet hatte, zog sie ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter und fixierte ihn die ganze Zeit mit zusammengekniffenen Augen. Auf seine Frage, ob irgendetwas nicht in Ordnung sei, reagierte sie noch gereizter und hatte in vernichtendem Tonfall geantwortet, es sei offensichtlich alles in bester Ordnung, solange er nur seinen Spaß habe. Er war sich nicht sicher gewesen, worauf sie anspielte und hatte es für das Beste gehalten, einfach nichts mehr zu erwidern. So war es dazu gekommen, dass sie sich seit dem Frühstück anschwiegen. Inzwischen war es Nachmittag und er hatte sich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen. Auch wenn er aufgrund der aktuellen Stimmungslage nicht davon ausging, dass er damit rechnen musste, dass sie das Zimmer betrat, wollte er mit der Mail an Charlotte warten, bis Ute mit dem Hund rausging. Vielleicht könnte er Charlotte dann sogar kurz anrufen, er würde gerne ihre Stimme hören. Eigentlich würde er sie sogar gerne noch einmal treffen, bevor er sich morgen Abend wieder auf den Weg nach Paris machte. Er überlegte, ob es wohl ein zu großes Risiko war, sie zu bitten morgen zum Bahnhof zu kommen und sich dort vor seiner Abreise mit ihr auf einen Kaffee zu treffen. Er könnte einfach etwas zeitiger als sonst zum Bahnhof, dafür würde ihm ein Grund einfallen. Die Frage war nur, ob das Risiko nicht zu hoch war, dort von irgendwem gesehen zu werden, der sie kannte. Der Kölner Hauptbahnhof war wie ein riesiger Bienenstock, dort würden sie im Getümmel nicht weiter auffallen. Andererseits war der Teufel ein Eichhörnchen und bei so vielen Menschen an solch einem zentralen Ort konnte rasch auch mal einer dabei sein, den man kannte. Andererseits, er könnte ja auch Charlotte zufällig begegnet sein. Es sprach schließlich nichts dagegen, gemeinsam einen Kaffee zu trinken, wenn man sich zufällig irgendwo traf. Vielleicht sollte er es einfach darauf ankommen lassen, ob sie überhaupt Zeit hatte. Er hörte die Tür ins Schloss fallen und wählte ihre Nummer. Nach dem zweiten Klingeln hob sie ab.

"Hallo?"
"Hallo Charlotte, ich bin's. Ich hoffe, ich störe nicht?"
"Lars, was für eine Überraschung! Aber nein, ganz und gar nicht."
"Ich wollte gerade auf deine Mail antworten, ich war gestern nicht mehr dazu gekommen, wir hatten noch eine Besprechung, die im Brauhaus geendet hat und es ist spät geworden. Danach war ich nicht mehr nüchtern genug, um dir zu antworten, da wäre nichts Gutes bei rumgekommen..."
"Oh, das hättte ich aber sehr gerne gelesen. Du weißt doch, kleine Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit." Sie lachte.
"Die sage ich dir immer, meine Liebe. Dir schon!"
"Na dann... dann sag mir doch mal, was Ute zu meiner Besitzmarkierung auf deinem Rücken gesagt hat."
"Hast du das etwa absichtlich gemacht?! Charlotte!"
"Ich dachte, du wolltest es jetzt sowieso angehen..."
"Ja, aber das wann und wie überlässt du bitte mir!"
"Jetzt reg dich ab, es war keine Absicht! Hat sie es gesehen?"
"Keine Ahnung, ich denke nicht. Wäre es auf ihrer Wäsche gewesen, hätte sie es gesehen, für andere Dinge scheint sie momentan keine Augen zu haben."

"Wie kommt es eigentlich, dass Du anrufst?"
"Sie ist gerade mit dem Hund raus und ich hatte Sehnsucht, also dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit."
"Das freut mich. Es ist schön, dich zu hören."
"Ich würde dich gerne nochmal sehen, Charlotte. Hast du morgen Nachmittag Zeit? Ich habe mir gedacht, wir könnten uns eventuell auf einen Kaffee am Bahnhof treffen, bevor ich den Zug nehme?"

"Sorry, aber morgen Nachmittag ist ganz schlecht, ich habe versprochen, dass ich Hannah zum Flughafen fahre."
"Wer in aller Welt ist Hannah?"

"Meine ehemalige Nachbarin von nebenan. Sie fliegt morgen für sechs Wochen nach Amerika und ich bring sie zum Flughafen, weil ihr Bruder kurzfristig krank geworden ist. Aber du könntest zum Frühstück kommen, wenn du magst?"
"Mögen schon, aber das kann ich Ute schlecht erklären."
"Lass dir halt was einfallen. Oder sag ihr gleich die Wahrheit!"

"Charlotte, du weißt doch, dass das so einfach nicht geht..."
"Dann überleg dir eine Ausrede. Du musst ja nicht lange bleiben, nur ein Stündchen oder so."
"Das geht nicht. Um wieviel Uhr musst du denn diese Hannah wegbringen?"
"Ich habe bis 13 Uhr Zeit, dann muss ich los."
"Also schön, pass auf. Ich habe den Thalys um16:42 Uhr gebucht, aber dann tue ich einfach so, als hätte ich den um 12:43 Uhr, ich hatte Ute die genaue Zeit noch nicht genannt. Wenn ich vorgebe den Zug zu nehmen, könnte ich gegen kurz nach halb zwölf bei dir sein, dann haben wir wenigstens noch ein bisschen Zeit. Darf ich die Zeit, bis ich um 16 Uhr wirklich los muss zum Bahnhof dann in deiner Wohnung arbeiten?"
"Das würdest du wirklich tun? Lars, das ist ja wirklich Einsatz! Natürlich darfst du dann in meiner Wohnung bleiben, du wirst wohl nicht meine Unterwäsche verscherbeln oder die Leichen aus dem Keller holen."

"Natürlich nicht, ich will doch nicht, dass ein anderer Kerl dir an die Wäsche geht."
"Du mir denn?" Sie lachte.
"Wenn ich darf..."
"Und was machst Du, wenn ich wieder keine anziehe?"
Ihre Stimme klang triumphierend und er musste lachen.
"Dann komme ich wahrscheinlich früher..."
"Und was muss ich machen, damit du gleich kommst?"
"Mir noch ein paar schöne Sachen erzählen. Du bist schon auf einem ziemlich guten Weg, Madame..."
Er ließ sich tiefer in den Schreibtischstuhl sinken und machte es sich bequem...

*****

Ute war gerade zwei Minuten mit Hugo unterwegs, als es zu regnen begann. Sie hatte noch gedacht, ob sie nicht besser einen Schirm mitnehmen sollte, es dann aber gelassen, weil es den ganzen Tag schon grau gewesen war ohne zu regnen. Kurz entschlossen drehte sie um, um doch noch einen Schirm zu holen. Als sie in den Flur trat, hörte sie Lars reden. Eigentlich hatte sie wirklich nicht zuhören wollen, sie hatte gerade den Schirm gepackt und wollte wieder gehen, als seine Stimme plötzlich lauter wurde. Er klang ein wenig ärgerlich. Seine Worte ließen sie erstarren. "Charlotte, du weißt doch, dass das so einfach nicht geht..." 
Er telefonierte also mit dieser verdammten Charlotte Holzheim. Sie blieb ganz still stehen und lauschte. Doch nun redete er wieder leiser und sie konnte bestenfalls Bruchstücke des Gesprächs erahnen. Sie hoffte innig, dass der Hund keinen Mucks machen würde, schließlich wähnte Lars sie auf dem Spaziergang, ansonsten hätte er dieses Miststück wahrscheinlich gar nicht angerufen. Sie fragte sich, wie oft er wohl mit ihr sprach, wenn sie nicht in der Nähe war und spürte, wie ihre Knie weich wurden. So leise sie konnte, näherte sie sich der Tür seines Arbeitszimmers noch ein wenig. Ihr schlug das Herz bis zum Hals, während sie angestrengt lauschte.

"... dann in deiner Wohnung bleiben? ... dir an die Wäsche geht.... Dann komme ich wahrscheinlich früher..."  
Sie verstand wieder nichts mehr, aber ihr war jetzt schon übel. Sie hörte, wie er auf seinem Schreibtischstuhl herumrutschte. Wahrscheinlich war jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo sie spätestens gehen sollte, aber sie war wie gelähmt. Sie ahnte, was kommen würde und sie wollte es nicht hören, aber sie konnte auch nicht weg.
"So, was machst du denn Schönes mit deiner Hand? ... ja, ich spüre es... schon ganz hart..."
Plötzlich fing Hugo an unruhig zu werden. Hektisch hielt sie ihm das Schnäuzchen zu, schnappte ihn und verließ das Haus. Sie hatte genug gehört und wollte nur noch weg. Sie fühlte so einen unglaublichen Ekel vor Lars und gleichzeitig eine Wut und Hilflosigkeit.
Nachdem sie eine Stunde lang ziellos durch den Park gelaufen war, rief sie Susanne an. Sie kam sie mit dem Auto abholen. Sie wollte jetzt nicht zurück zu Lars in die Wohnung, unter keinen Umständen. Sie musste erst mit Susanne besprechen, was sie nun tun sollte und außerdem war sie so fertig, so wollte sie ihm nicht gegenübertreten.

Nach zwei Stunden Gespräch mit Susanne machte sie sich schließlich auf den Heimweg. Lars hatte inzwischen fünfmal auf ihrem Handy angerufen. Wahrscheinlich wunderte er sich, wo sie drei Stunden mit dem Hund blieb. Schadete ihm überhaupt nichts, dass er sich auch mal Sorgen machte, es würden nicht ansatzweise so viele Gedanken gewesen sein, wie sie sie die letzten beiden Abende ausgestanden hatte. Er würde sich wundern. Ab jetzt wurden andere Seiten aufgezogen. Susanne hatte sie beruhigen können und sie hatten einen Plan. Dank ihrer Aufbauarbeit fühlte sie sich nun der Situation gewachsen, Lars gegenüberzutreten. Sie musste ganz ruhig bleiben. Ein Glück, dass er sie nicht bemerkt hatte während des Telefonats. Susanne hatte sie davon überzeugt, dass es das Beste war, weiterhin zu schweigen und Informationen zu sammeln, bevor sie ihn wirklich zur Rede stellte. Und vorallem an ihrer Beziehung zu arbeiten, da sie ihn ansonsten am Ende tatsächlich an diese Charlotte verlieren würde. Sie brauchte mehr Informationen über sie. Vielleicht könnte sie gleich über die Wahlwiederholung im Telefon wenigstens ihre Telefonnummer in Erfahrung bringen. Man konnte schließlich nie wissen, ob sie nicht in nächster Zeit doch einmal das Gespräch zu ihr suchen musste...






Freitag, 04. Januar 2013

Ute hatte Mühe, sich beim Frühstück wenigstens eine Scheibe Brot reinzuzwingen. Aber sie durfte kein Misstrauen erwecken bei Lars, das hatte Susanne ihr immer wieder eingebläut. Trotzdem hätte sie ihm das Brot am liebsten auf den Teller gespuckt, während er ihr beim Frühstück gegenübersaß. Er sah so unglaublich selbstzufrieden aus und sie glaubte zu wissen, warum. Es war das typische Grinsen eines Mannes, der am Abend vorher seine Beute erlegt hatte, da war sie sich sicher. Als er mit diesem seltsamen spontanen Treffen mit seinem Kollegen gestern angekommen war, hatte sie sich im ersten Moment keine weiteren Gedanken darüber gemacht, weil sie zu sehr damit beschäftigt gewesen war, das Chaos nach dem Urlaub zu beseitigen. Monsieur hatte es ja nicht nötig, auch nur einen Finger krumm zu machen, es blieb alles an ihr hängen. Also hatte sie einfach nur genickt und nicht weiter nachgefragt. Im ersten Moment war sie sogar fast erleichtert, dass sie den Abend für sich allein auf dem Sofa verbringen konnte und in Ruhe fernsehen konnte, ohne dass er abfällige Bemerkungen über ihre Programmwahl machte oder sowieso gleich etwas anderes sehen wollte. Sie hatte sich den zweiten Teil der Charlotte Link Verfilmung im ersten Programm angesehen. Zwar hatte sie den ersten Teil am Vorabend verpasst durch die Rückkehr aus dem Urlaub, aber sie hatte das Buch gelesen und kannte die Handlung, weshalb sie gut hineinfand. Sie fand es spannend zu sehen, wie der Film die Handlung umsetzte, auch wenn die Protagonisten in ihrer Phantasie völlig anders ausgesehen hatten. Sie empfand es als verstörend, dass sie einer von ihnen, Dave, optisch und auch von seiner Art her, extrem an Lars erinnerte. Zwar hatte Dave dunkle Haare und war kleiner und auch die Gesichtszüge waren nicht völlig offensichtlich ähnlich, aber es gab dennoch eine starke Ähnlichkeit im Gesicht und auch bei der Mimik. Sie fragte sich, ob sie es sich einredete, zumal dieser Dave auch noch Französischlehrer war, aber nein, die Ähnlichkeit war nicht von der Hand zu weisen gewesen und witzigerweise hatte ihr Susanne sogar noch eine SMS geschickt und gesagt, Dave würde sie an Lars erinnern. Dass die SMS gerade in dem Moment kam, als Lars seine Verlobte mit einer jungen Studentin betrog, darüber mochte sie eigentlich lieber nicht weiter nachdenken. Allerdings war dies der ausschlaggebende Punkt gewesen, sein plötzliches Treffen doch noch zu hinterfragen und als er um kurz vor Mitternacht nach Hause gekommen war und ihrer Meinung nach immer noch nach einem süßlichen Parfum geduftet hatte, als der nachdem er duschen war zu ihr ins Bett gekrochen kam, da war sie sich sicher gewesen, dass er sich wieder mit dieser verdammten Charlotte getroffen hatte. Wahrscheinlich hatte er argen Entzug gehabt, nachdem er sie definitiv eine Weile nicht gesehen haben konnte über die Feiertage. Das alles hätte sie noch irgendwie beiseite schieben können, aber als sie heute Morgen die roten Striemen auf seinem Rücken entdeckt hatte, als er sich angezogen hatte, hatte es sie alle Selbstbeherrschung gekostet, ihn nicht sofort zur Rede zu stellen. Aber es brachte doch nichts, er würde alles leugnen und sie hinstellen, als sei sie eine eifersüchtige Furie. Sie musste versuchen gute Miene zum bösen Spiel zu machen und ihn wieder für sich zu gewinnen mit den Waffen einer Frau, alles Toben würde doch nur an Lars abprallen und ihn noch weiter von ihr entfernen, da gab sie Susanne recht. Dennoch hätte sie ihm gerade am liebsten in die Zähne gehauen, während er mit selbstherrlichem Grinsen die Zeitung las.

*****

Strahlend stand Lotte in der Dusche. Sie war gerade von ihrer morgendlichen Runde mit Schröder zurückgekehrt und hatte die erste Joggingrunde des Jahres daraus gemacht. Das Wetter war zwar mehr schlecht als recht gewesen, aber immerhin war es nicht kalt und sie hatte so gute Laune, dass das Grau ihr nichts anhaben konnte. Stattdessen hatte sie das Vogelgezwitscher im Park genossen und es waren aufgrund der erstaunlich hohen Temperaturen fast schon Frühlingsgefühle in ihr aufgekommen. Vielleicht nicht nur wegen der Temperaturen und des Vogelgezwitschers, sondern auch wegen des Vögelns gestern Nacht, dachte sie bei sich und musste noch breiter grinsen. Da sie das Weihnachtsgeschenk für Lars noch immer nicht fertig gehabt hatte, hatte sie ihm als Entschädigung für die Verzögerung einen besonders heißen Abend bieten wollen und war seinem Wunsch, die Unterwäsche wegzulassen, nachgekommen. Während sie auf dem Sofa gesessen hatten und sie seine Weihnachtsgeschenke ausgepackt hatte, hatte sie sich immer mal wieder so gesetzt, dass ihr Rock ein wenig höher gerutscht war, was er interessiert zur Kenntnis genommen hatte. Nachdem sie fertig ausgepackt hatte, hatte sie ihm ins Ohr geflüstert, er dürfe nun auspacken, aber da sie ein böses Mädchen sei und sein Geschenk immer noch nicht fertig habe, müsse er nun leider leider sie auspacken. Er hatte sie nicht lange bitten lassen und sie hatten sehr viel Spaß miteinander gehabt, so dass er erst gegen halb zwölf aufgebrochen war.
Und seine Geschenke, er hatte ihr so wunderbare Geschenke gemacht, sie konnte es immernoch nicht fassen. Wie konnte ein Mann so kreativ sein? Sie hatten beide eine Vorliebe für Das Parfum und gestern Abend drückte er ihr ein kleines Päckchen in die Hand und flüsterte ihr ins Ohr "Hier, mein süßes Kind, damit wirst Du noch verführerischer duften."



Tatsächlich war er bei Fragonard gewesen und hatte ihr dort fünf wundervolle Parfum-Miniaturen gekauft. Manche wunderbaren Dinge bekam man wohl wirklich nur in Paris, auf so eine Idee wäre kein Mann in Köln gekommen, dachte Lotte.
Und dann dieser Schmuck - er hatte ihr immer schon gesagt, dass er Ohrringe an ihr liebe, aber sie trug eigentlich nicht gerne welche, sie hatte auch nur ein Paar Perlenohrringe, das ihr wirklich gut gefiel, nur die passten ja auch nicht zu jeder Gelegenheit. Nun hatte Lars also die Initiative ergriffen, damit sie öfter Ohrringe trug und ihr ein zauberhaftes Paar geschenkt...





Lotte hatte sich sofort verliebt, sie waren dezent, aber trotzdem edel und die Steine funkelten so wundervoll. Als wäre das nicht genug gewesen, packte er direkt noch eine kleine Schmuckschachtel hinterher. Sie hatte geahnt, dass es ein Ring sein könnte und ihr hatte das Herz bis zum Hals geschlagen. Sie hatte erstmal ein halbes Glas Sekt hinuntergekippt, bevor sie das Schächtelchen geöffnet hatte, während er sie breit grinsend beobachtet hatte und mit seinen Fingern immer weiter ihre Schenkel hochwanderte, was ihre Unruhe noch verstärkte. "Keine Sorge, meine Süße!", hatte er ihr noch gesagt, als habe er ihre Gedanken lesen können. Dann hatte sie die Schachtel geöffnet und es war genau der Ring darin gewesen, den Lotte sich immer gewünscht hätte, wenn sie jemand gefragt hätte, wie ihr perfekter Ring aussehen würde. Silber, dezent, mit einem in 1000 Farben funkelnden Stein und einem Stern. Sie liebte Sterne über alles, nicht nur an Weihnachten und Lars wusste offensichtlich sehr genau, was sie liebte, auch als er, nachdem sie ihm zum Dank für den Ring mit Küssen überhäuft hatte, mit den Fingern noch tiefer zwischen ihre Beine wanderte. "Sie ihn als Versprechen, dass ich bald alles angehe.", hatte er zu ihr gesagt. Lotte strahlte. Am liebsten würde sie den Ring nie wieder ausziehen.


Einen kleinen Seitenhieb hatte er ihr natürlich auch verpassen müssen, er habe ihr nach eigener Aussage nicht zu viel Romantik zumuten wollen, da er ja wisse, dass sie darauf allergisch reagiere. Mit diesen Worten hatte er ihr das letzte Päckchen überreicht, dass sich als Kriminalroman entpuppte und dem Klappentext zufolge genau ihren Geschmack zu treffen schien. Sein Titel war Aschenputtel und Lars Kommentar dazu war gewesen, er habe leider nicht die passenden Schuhe für sie gefunden, nachdem er ihr ja bereits die perfekten Stiefel geschenkt habe. Auf ihre Frage, ob sie als Aschenputtel am Ende denn auch den Prinzen heiraten würde, hatte er nur lachend erwidert, den Ring habe sie ja bereits am Finger.



 Danach waren sie übereinander hergefallen, denn als Lotte ihm gebeichtet hatte, dass er sein Geschenk erst später bekomme, hatte er erstmal ihr Röckchen endgültig gelüftet und gemeint, nun habe sie es vollkommen verdient, den Hintern gehauen zu bekommen. Natürlich war es eher ein zärtlicher Klaps gewesen. Sie befürchtete, sie hatte sich im weiteren Verlauf des Abends versehentlich deutlicher revanchiert, als sie ihm ihre Fingernägel in den Rücken gebohrt hatte, weil sie nicht mehr wusste, wohin mit ihrer ganzen Lust, während unter ihnen schon fast die Couch zusammenzubrechen drohte.
Sie fragte sich, wie er Ute die Striemen wohl erklären würde, denn sie ging nicht davon aus, dass man sie heute nicht mehr sehen konnte.
Sie beschloss, es ihn einfach zu fragen. Das war doch ein guter Grund, sich zu melden...



Betreff: I want you(r) back!
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
11:46 04.01.2013

Liebster Lars,

nochmals 1000 Dank für Deine unglaublich kreativen und wunderschönen, großartigen, phänomenalen Gaben! Ich kann immernoch kaum fassen, dass es so kreative und geschmackvolle Männer gibt, Du bist der Wahnsinn! Das Parfum duftet so gut, jedes Einzelne! Und ich liebe den Ring und die Ohrringe! Ich habe auch gestern Abend noch angefangen Aschenputtel zu lesen, da hast Du ebenfalls genau meinen Geschmack getroffen.

A propos... um mal auf den Betreff dieser Mail zu sprechen zu kommen. Hat Aschenputtel (oder ist das jetzt zu gemein, sie so zu nennen? Aber irgendwie hat Ute auch was von Aschenputtel und noch ist sie ja mit dem Prinzen verheiratet...), also hat Aschenputtel eigentlich doch noch was gemerkt? Ich befürchte, Du hast ziemlich Kratzer auf dem Rücken, sei auf der Hut, mein Lieber. Oh man, vor 12 Stunden warst du noch hier, ich würde so gerne die Zeit zurückdrehen. Mein Gott, es war soo gut. Dabei sollten wir eigentlich nicht so oft miteinander schlafen, oder? Ich meine, eigentlich hatten wir gesagt, wir machen das gar nicht, bis Du Dich nicht getrennt hast und alles und nun scheint es doch zur Regel zu werden. Also nicht, dass es mir keinen Spaß macht. Aber ich glaube, es ist nicht gut. Nachher ruhst Du Dich noch darauf aus?! ;-) Nein, im Ernst, versprich mir, dass alles gut wird, ja? Ich habe mich so sehr gefreut über Deine Worte, als Du mir den Ring gegeben hast. Ich werde ihn jetzt immer tragen, obwohl das eigentlich gar nicht meine Art ist mit Schmuck und sowas. Aber für Dich...

Schreib mal, wie es Dir ergangen ist, ich vermisse Dich!

Lotte

Freitag, 4. Januar 2013

Donnerstag, 03. Januar 2013

Endlich fühlte Lotte sich wieder fit. Von Übelkeit war keine Spur mehr da, als sie an diesem Morgen erwachte. Sie rief ihre Großmutter an und sagte ihr, dass sie Schröder am Mittag abholen würde und nahm auch gleich ihr Angebot an, bei ihr zu Mittag zu essen. Ihr Hunger war zurückgekehrt. Bevor sie zu ihrer Großmutter fuhr, wollte sie noch ein paar Dinge für die Uni erledigen. Nächste Woche stand ein Referat an und sie hatte bisher noch nichts dafür getan, obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, während der Weihnachtsferien daran zu arbeiten. Sie steckte sich zwei Aufbackbrötchen in den Backofen, kochte sich einen Kaffee und fuhr den Rechner hoch, um im Internet die Referatsliteratur aus dem Unisystem herunterzuladen. Als sie sich gerade einloggen wollte, fiel ihr ein, dass sie noch gar nicht ihre Mails gecheckt hatte. Vielleicht hatte Lars ja geantwortet. Das war ihr auch noch nie passiert, dass sie in ihrem Unieifer fast Lars vergessen hätte. Schnell öffnete sie ein neues Fenster und fragte ihre Mails ab. Tatsächlich war endlich eine Nachricht da. Eilig überflog sie seine Zeilen und grinste zufrieden. Weihnachten war also zu ihren Gunsten verlaufen.
Sie überlegte, ob sie ihn zappeln lassen sollte oder auf seinen Vorschlag sich noch vor seiner Abreise zu sehen anspringen sollte. Eigentlich hätte er es verdient ein bisschen zu warten, aber ihre eigene Sehnsucht war zu groß. Außerdem war sie so neugierig auf sein Weihnachtsgeschenk, auch wenn sie sich immer noch nicht sicher war, ob sie es beim dem Treffen bekommen würde oder es sich um das Paket bei ihrer Nachbarin handelte, die immer noch nicht anzutreffen gewesen war. Aber sie würde es ja bald erfahren. Sie musste unbedingt daran denken, nachher noch einmal bei ihr zu klingeln, vielleicht war sie endlich zurück. Selbst wenn es nicht von Lars sein sollte, war sie neugierig, worum es sich bei dem Paket handelte.
Sie überlegte, wann sie Lars am besten treffen sollte. Er hatte so geschrieben, als wäre er zu allem bereit, egal welchen Zeitpunkt sie vorschlug. Mal sehen, ob er sein Versprechen auch einhalten würde, wenn sie es darauf anlegte.



Betreff: Give it to me right now...
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
10:02 03.01.2013

Guten Morgen Larsi-Hasi,

na da haben wir uns aber weit aus dem Fenster gelehnt. Du sagst also, Du richtest Dich völlig nach mir mit unserem Treffen? Ich lasse es darauf ankommen - heute Abend, 20 Uhr bei mir! Da können wir ja dann alles Weitere austauschen...

Und keine Sorge, ich bin wieder genesen, vielleicht wirkte die Aura Deiner Mail tatsächlich.

Bis später?!

Lotte



Lotte war sich nicht sicher, was sie geritten hatte bei dieser Mail und sie befürchtete, sich eher selbst weit aus dem Fenster gelehnt zu haben mit ihrem süffisanten Ton, der Lars ganz sicher nicht gefiel. Vielleicht waren ihre Tage im Anmarsch, dann war sie immer auf Krawall gebürstet. Auf jeden Fall war sie gespannt auf seine Reaktion und wie er einen plötzlichen 20 Uhr Termin in den Ferien Ute verkaufen wollte.
Sie machte sich an die Arbeit. Es wurde Zeit, wenn sie wenigstens noch ein bisschen getan bekommen wollte heute. Erfahrungsgemäß kam sie von ihrer Oma so schnell nicht weg und falls es mit dem Treffen heute Abend klappen sollte, musste sie noch ein bisschen aufräumen und sich selbst verschönern.

*****

Vollkommen durchnässt und entnervt betrat Lars die Wohnung. Ute hatte soviel herumgejammert an diesem Morgen, dass sie soviel zu tun hätte mit der Wäsche und doch gleich noch zum Yoga wolle und außerdem fühle sie sich erkältet von der Klimaanlage im Auto, dass sie ihn indirekt dazu genötigt hatte, mit dem Hund rauszugehen und das bei diesem widerlichen Wetter. Seine Begeisterung hätte kaum größer sein können.
Er ging erstmal unter die heiße Dusche und hoffte, Ute wäre danach bereits beim Yoga, damit er ungestört seine Mails abfragen könne. Vielleicht hatte Charlotte ja bereits geantwortet.
Als er aus der Dusche stieg, war Ute tatsächlich schon aufgebrochen. Ein Glück, er hatte das Gefühl, ihr Gemaule keine Minute länger ertragen zu können.
Voll freudiger Erwartung setzte er sich an den Rechner und offensichtlich gönnte ihm der liebe Gott eine Entschädigung für seine morgendlichen Strapazen, denn es war eine neuen Mail von Charlotte da. Nachdem er sie gelesen hatte, war er sich nicht mehr ganz so sicher, was die Entschädigung anging, aber andererseits mochte er gerade diese fordernde und manchmal leicht rotzige Art von Charlotte. Da er gerade glücklich war um jede Gelegenheit Ute zu entkommen, beschloss er, ihrer Forderung nachzugeben und sich auf das Treffen am Abend einzulassen. Wie er es Ute erklären würde, könnte er sich später immer noch überlegen.




Betreff: Du dreistes Miststück!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
11:37 03.01.2013

Charlotte, Du Motte!

Wenn Du mich noch ein einziges Mal Larsi-Hasi nennst, sind wir geschiedene Leute, dass Du es weißt!


Auch wenn Du es aufgrund Deiner Unverschämtheiten eigentlich nicht verdient hast, so bin ich doch bereit, meinen guten Willen zu zeigen bzw. der Klügere gibt bekanntlich nach, insofern werde ich um 20 Uhr bei Dir sein, Madame. Aber keine weiteren Frechheiten, ansonsten gibt es was auf den Hintern!

Ich freue mich!

Lars


PS: Darf ich den Betreff als Aufforderung betrachten?


*****

Kaum war Lotte von ihrer Großmutter zurück, stürzte sie an den Rechner, um zu sehen, ob bereits eine Reaktion von Lars da war. Tatsächlich, und er ließ sich darauf ein. Sie spürte, wie Aufregung in ihr aufstieg. Sie hatte nicht ernsthaft mit einem Treffen heute Abend gerechnet und war deswegen etwas länger als geplant und gut für ihre Vorbereitungen bei Oma geblieben. So ein Mist, sie würde sich beeilen müssen, sie musste noch ihre Nägel machen und duschen und vorallem das Chaos in der Wohnung beseitigen. Sie fragte sich, wie es immer so schnell so unordentlich werden konnte. Und das diesmal sogar völlig ohne Schröders Anwesenheit. Vielleicht sollte sie doch nicht immer alles auf den Hund schieben.



Betreff: Voulez vous coucher avec moi, ce soir...
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
15:44 03.01.2013

Larsi-Hasi,

wenn Du mich so fragst nach dem letzten Betreff, dann sende ich Dir gleich noch so einen - feel free! Und hau mir ruhig den Arsch, da wiederhole ich doch gerne nochmal den Larsi-Hasi! ;-))

Bis gleich, ich freu mich!!!

Lotte

*****

Lars hatte sich in seinem Arbeitszimmer zurückgezogen und vorgegeben arbeiten zu wollen. Hauptsache, er musste sich nicht mit Ute auseinandersetzen. Er hatte ihr gesagt, er würde sich abends spontan mit Dieter, einem ehemaligen Kollegen treffen. Sie hatte sich zu seiner Verwunderung gar nicht weiter dafür interessiert. Umso besser. Vermutlich war Wäsche gerade wichtiger. Er schüttelte verständnislos den Kopf, als er plötzlich eine neue Mail aufblinken sah. Lotte! Er las sie und kriegte das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Offensichtlich hatte sie noch mehr Entzugserscheinungen als er. Vielleicht war sie ja tatsächlich brav geblieben während seiner Abwesenheit und hatte sich nicht anderweitig beglücken lassen, schon gar nicht von diesem Deppen Jan. Er konnte es kaum abwarten, er würde es ihr gleich so richtig besorgen, offensichtlich war es genau das, worauf sie wartete. Das waren doch mal Aussichten!




Betreff: Oho!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
15:50 03.01.2013

Lottchen, Lottchen!

Da kann es aber jemand kaum abwarten, den Hintern versohlt zu bekommen...


Du wirst bekommen, was Du verdienst!

Lars

PS: Wärst Du wohl so gut und würdest bei unserem Treffen auf Unterwäsche verzichten? Durch das Höschen werden am Ende noch die Schläge gedämpft...

*****

Während Lotte gerade dabei war, ihre Zehennägel neu zu lackieren, hörte sie das Signal einer neuen Mail. Sie war wieder von Lars. Das war aber fix gewesen. Sie klickte sie an und kriegte kaum den Mund zu. Da schien aber jemand ausgehungert zu sein. Ihre Lust auf den Abend stieg gerade ins Unermessliche und das Problem, welche Unterwäsche sie wählen sollte, hatte sich wohl gerade erledigt. Wie der Herr wünschen, dachte sie. Sie würde ihn verrückt machen, so verrückt, dass er nie mehr nach Hause wollte...

Mittwoch, 2. Januar 2013

Mittwoch, 02. Januar 2013

Lotte hatte es gestern nicht mehr aus dem Bett geschafft. Jedenfalls nicht weiter als bis zur Toilette. Sie verstand es nicht, soviel hatte sie nun auch nicht getrunken, aber ihr war einfach permanent übel gewesen. Am späten Nachmittag hatte sie eine Scheibe Zwieback gegessen und abends eine Tütensuppe, aber sie hatte es nicht bei sich behalten können und sich hundeelend gefühlt und wieder ins Bett verkrochen.

Heute fühlte sie sich zwar etwas besser, aber nicht grundlegend gut, weshalb sie ihre Großmutter angerufen hatte und sie gefragt hatte, ob es wohl in Ordnung wäre, wenn sie Schröder erst am nächsten Tag abholen würde. Es war kein Problem gewesen, ihre Großmutter hatte vollstes Verständnis gehabt, dass sie nicht eine Stunde mit dem Auto fahren wollte, wenn sie sich nicht sicher sein konnte, es länger als 20 Minuten getrennt von der Toilette zu schaffen und hatte sofort das Sylvestermenü im Verdacht gehabt, an dem irgendetwas verdorben gewesen sein musste, wenn Alkohol nicht die Ursache war. Lotte hatte Doro angerufen und sie gefragt, ob ihr ebenfalls etwas nicht bekommen sei, aber Doro hatte bis auf einen Kater vom Vortag keinerlei Beschwerden zu vermelden gehabt. Allerdings hatte sie sich im Gegensatz zu Lotte auch nicht durch die gesamte Buffetauswahl gemampft.
Was immer der Übeltäter gewesen sein mochte, Lotte fühlte sich heute besser und war sich sicher, dass sie es morgen endgültig überstanden hatte. Immerhin konnte sie das Essen wieder bei sich behalten, auch wenn sie noch keinen wirklichen Appetit verspürte.
Gegen Nachmittag reichte ihre Energie sogar soweit, dass sie den Rechner startete und nachsah, ob Lars sich gemeldet hatte. Ihr Handy hatte konsequent weiter geschwiegen, aber rein vom Bauchgefühl her hatte sie sowieso eher eine Mail als eine SMS erwartet. Doch auch hier wurden ihre Erwartungen enttäuscht - es empfingen sie diverse Neujahrsmails, aber keine von Lars.
Lotte merkte, wie die Wut in ihr aufstieg und gleichzeitig ein neuer Anflug von Übelkeit. Genervt ging sie in die Küche, um eine neue Kanne mit Fencheltee aufzusetzen, bevor sie sich an eine Mail an Lars machte.



Betreff: Frohes Neues?!
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
18:27 02.01.2013

Lieber Lars,

ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, Du bist gut hineingekommen. Also nur ins neue Jahr, versteht sich, alles andere möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Allerdings muss ich zugeben, ich quäle mich aufgrund Deines Schweigens mit derlei Vorstellungen herum und das ist nicht besonders angenehm. Genauer gesagt wird dadurch tatsächlich mein Brechreiz noch verstärkt, den ich seit diesem Jahr latent verspüre. Nicht nur Folge des Alkohols, sondern wahrscheinlich war irgendwas vom Buffet nicht mehr ganz in Ordnung. Auf jeden Fall ein sehr gelungener Start ins neue Jahr... Wie war denn Deiner? Wo bist Du überhaupt? Was treibst Du? Wie war Weihnachten? Die Nachrichtenlage war ja mehr als dürftig, um es mal freundlich zu formulieren...

Wahrscheinlich hast Du mich doch vergessen und Ute ist längst mit einem Christkindchen geschwängert, während ihr die heilige Familie spielt.

Oh je, ich muss schon wieder kotzen, das war zuviel an Vorstellung.

Heal me!  http://www.dailymotion.com/video/x11kvs_marvin-gaye-sexual-healing_music

Lotte


Sie schickte die Mail ab, bevor es sie tatsächlich wieder auf die Toilette trieb. Sie fragte sich, was ihr da wohl nicht bekommen war und schwor sich, bei den anderen Gästen noch einmal nachzuhören, damit sie sich wenigstens beim verantwortlichen Koch beschweren könnte.
Immerhin konnte das neue Jahr eigentlich nur noch besser werden...


*****

Verstohlen schielte Lars zu Ute hinüber. Sie war auf dem Beifahrersitz eingeschlafen, während er seit Stunden den Wagen über die verregnete Autobahn Richtung Heimat fuhr. Er war froh, dass es nun endlich wieder nach Hause ging, auch wenn er sich sehr gefreut hatte, seine Eltern endlich wieder einmal zu sehen, so war ihm das Familienidyll auf Dauer doch sehr anstrengend erschienen über die Feiertage. Außerdem hatte er, abgesehen von den Spaziergängen, die er aber auch nicht immer alleine machen konnte, wenig Rückzugsmöglichkeiten gehabt. Zwar hatte er immer mal wieder ein oder zwei Stunden im Arbeitszimmer seines Vaters verschwinden können um dort zu lesen oder zu schreiben, aber es dauerte nie lange, bis irgendwer direkt oder indirekt wieder seine Anwesenheit bei der Familie forderte.
Insgesamt war zwar alles sehr nett und friedlich verlaufen und er war auch mit Ute irgendwie klargekommen, aber mehr eben auch nicht. Er wusste, dass man mit seiner Frau nicht "irgendwie klarkommen" sollte. Sie hatte ihn zu Tode gelangweilt. Selbst wenn das Gespräch um eigentlich spannende Themen ging, sobald die Sätze aus ihrem Mund kamen, ödeten sie ihn nur noch an. Sobald er an Charlotte dachte, empfand er Ute einfach als langweilig und ihre dauerhafte Gegenwart konnte er nur schwer ertragen, so lange war er ihr sonst selten ausgesetzt und er war sich sicherer denn je, dass dies einer der Grundpfeiler ihrer Ehe war.
Solange er die Gedanken an Charlotte verdrängte, ging es irgendwie, aber natürlich schaffte er es nicht immer. Soweit wie möglich hielt er sich aber in Schach, ansonsten hätte er den Aufenthalt bei seiner Familie nicht überstanden, ohne seinen Eltern den Eindruck zu vermitteln, er sei endgültig zum Miesepeter mutiert. Seine Mutter hatte ihn mehrfach angesprochen, warum er eigentlich so schlechte Laune habe und was er nur für ein Muffel geworden sei, das hatte es nicht besser gemacht.
Um nicht noch ein größerer Muffel zu werden, hatte er sich den Kontakt zu Charlotte über die tage verboten. Nicht nur, dass es sowieso riskant gewesen wäre, zumal das Wort Privatsphäre anscheinend bei seiner Familie nicht mehr existent war und ständig jemand reinkam, wenn man einmal fünf Minuten alleine sein wollte, es wäre auch ungeschickt gewesen, da er befürchtete, der Kontakt zu Charlotte hätten seine Aggressionen gegenüber Ute und ihrer Art nur noch weiter verstärkt. Er war sich sicher, er hätte sie niemals als so langweilig empfinden können, hätte er Charlotte nicht kennegelernt.

Er war sich allerdings genauso sicher, dass ihm Ärger mit Charlotte ins Haus stand. Nicht nur wegen seines langen Schweigens, das sie mit Sicherheit und berechtigterweise in Rage versetzt haben mochte, auch die Tatsache, dass er ihr versprochen hatte, die Trennung von Ute im neuen Jahr anzugehen würde neues Konfliktpotenzial bergen. Die Feiertage hatten ihm zwar erneut deutlich vor Augen geführt, dass er es mit Ute auf Dauer nicht aushalten konnte und der jetzige Zustand keine Lösung war, aber dennoch fühlte er sich aktuell noch nicht bereit, daran etwas zu ändern. Warum er diese Trägheit empfand oder was ihn davon abhielt, sich von Ute zu trennen, konnte er selbst nicht sagen, er hatte sich viele Gedanken darüber gemacht in den letzten Tagen, ohne jedoch zu einer Antwort gekommen zu sein.
Er hoffte einfach, es würde ihn von alleine überkommen, möglicherweise würde das nächste Treffen mit Charlotte ihn wieder mit Energie erfüllen, um den nächsten Schritt einzuleiten, schließlich hatte er sich nach den gemeinsamen Stunden in Paris zu allem bereit gefühlt. Dieses Gefühl, diese Energie musste zurückkehren, dann wäre alles ganz leicht. Hoffentlich hatte Charlotte ein wenig Geduld mit ihm und war nicht allzu enttäuscht, dass er sich kaum gemeldet hatte während der Tage. Er würde irgendeine gute Erklärung finden müssen. Immerhin hatte er ein, wie er fand, grandioses Weihnachtsgeschenk für sie, das sollte für Einiges entschädigen. Er war gespannt, was sie sagte.
Seine Mails hatte er in den letzten Tagen nicht abgefragt, er wusste nicht, ob sie sich bereits gemeldet hatte. Er hatte sich nicht getraut nachzusehen, einerseits aus der Sorge heraus Ute gegenüber noch ungehaltener zu werden, sollte es sich um eine erfreuliche Mail von Charlotte handeln, andererseits, um seine Übellaunigkeit nicht zu verstärken, sollte sie auf ihn eindreschen, weil er sich so lange nicht gemeldet hatte. 
Heute Abend, wenn er sich entspannt in sein Arbeitszimmer zurückziehen konnte, würde er nachsehen, ob und was für eine Mail ihn erwartete. Vielleicht war auch gar nichts da, per SMS hatte sie sich schließlich auch nicht gemeldet gehabt. Aber er hoffte, es würde etwas da sein, er vermisste sie, selbst wenn sie wütend sein sollte. Auch zur Furie mutiert war sie überaus reizend, während Ute selbst für einen gepflegten Streit noch zu langweilig war. Er sah wieder zu ihr hinüber. Sie schaute selbst im Schlaf noch verkniffen, fast ein wenig verhärmt. Seine Gedanken wanderten zurück zu Charlotte, die im Schlaf so unglaublich süß wirkte, wie ein kleines Mädchen, fast schon unschuldig. Er musste lächeln. Bald musste sie ihn wieder in Paris besuchen kommen, sein süßes Lottchen.

Ute war nicht nur langweilig, sie war auch spießig. Kaum waren sie zu Hause angekommen gewesen, war sie mit der gesamten Wäsche des Urlaubs in den Keller gestürmt, um die Waschmaschine anzuwerfen. Eigentlich hätte es ihn freuen sollen, früher hatte diese Art durchaus zu den Eigenschaften Utes gehört, die Lars besonders zu schätzen wusste, aber gerade nervte es ihn einfach nur unglaublich. Charlotte hätte die Wäsche Wäsche sein lassen und sich von der langen Fahrt bestimmt erstmal gemütlich mit einem guten Glas Rotwein mit ihm auf dem Sofa erholt. Nicht, dass er das Bedürfnis verspürte, sich mit Ute schon wieder auf irgendeinem Sofa niederzulassen und sich mit ihr zu unterhalten, das hatte er in den letzten anderthalb Wochen für seinen Geschmack sowieso schon viel zu häufig tun müssen, aber Utes Sturm der Waschmaschine war für ihn gerade eine weitere Wäscheklammer auf der Leine der Liebestöter, ein weiterer Sargnagel in ihrer Beziehung. Als sie endlich fertig gewesen war mit der bescheuerten Wäsche, war sie mit vorwurfsvoller Miene aus dem Keller getreten und hatte ihm erklärt, sie würde nun ins Bett gehen. Das Leiden Christi war nichts im Vergleich zu ihrem Anblick. Er fragte sich, ob ihr Blick vorwurfsvoll gewesen war oder ob er es sich nur eingebildet hatte. Sollte er vorwurfsvoll gewesen sein, war dies für ihn ein weiterer Punkt, der sein Unverständnis hervorrief. Was erwartete sie denn? Dass er ihr noch half, die Wäsche zu sortieren? Immerhin war er die ganze Strecke bei teils strömenden Regen gefahren, während sie auf dem Beifahrersitz die meiste Zeit geschlafen hatte.
Er ging in die Küche und entkorkte sich eine Flasche Rotwein. Die hatte er sich verdient. Und seine Nerven hatte sie mehr als nötig. Mit Flasche und Weinglas bewaffnet machte er sich auf den Weg ins Arbeitszimmer. Hoffentlich würde Charlotte dem Tag wenigstens ein gutes Ende bereiten, ansonsten musste der Wein herhalten.
Er las ihre Mail. Hätte schlimmer kommen können. Dafür, dass sie krank war, drang seiner Meinung nach noch ein gewisser Galgenhumor in ihrer Mail durch, was er so interpretierte, dass er sein Schweigen recht leicht wiedergutmachen konnte.



Betreff: Frohes Neues!!!
Vonn: L.Laslandes@koelnmail.de
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
23:12 02.01.2013

Meine liebste Charlotte,

ich wünsche Dir von ganzem Herzen ein frohes neues Jahr und es tut mir leid zu hören, dass Dein Start eher bescheidener Natur war. Aber es klingt so, als wäre es eine kurze Sache, so dass ich hoffe, Du bist morgen bereits zu alter Frische zurückgekehrt.
Entschuldige mein langes Schweigen, es hatte keineswegs etwas mit Deinen Befürchtungen zu tun, so dass ich hoffe, Dein Brechreiz ist nun endgültig gestillt, wenn Du diese Zeilen liest. Im Gegenteil, mein Start ins neue Jahr war ebenso wenig beneidenswert wie Deiner. Es war zwar wunderschön, meine Eltern wiederzusehen, aber die lange Zeit in familiärer Umgebung, quasi gefangen, ist nichts für mich und hat mich fast wahnsinnig werden lassen. Ute hat mich zu Tode gelangweilt, ich konnte sie nicht mehr sehen, wirklich nicht, ich habe Dich so sehr vermisst. Entschuldige, dass Du Dir dennoch vernachlässigt vorkommen musstest, aber ich konnte mich nur schlecht melden, da ich unter diesen familiären Umständen kaum eine ruhige Minute genossen habe, was unsere Kommunikation natürlich erschwert hat. Außerdem hätte ich all das noch schwerer ertragen können, hätte ich ausführlicher mit Dir kommuniziert. Du kennst es ja, meine Liebe. Also bitte verzeih mir, ja?!

Wann können wir uns sehen? Ich möchte Dich gerne in meine Arme schließen und Dir persönlich ein frohes neues Jahr wünschen, bevor ich am Sonntagabend wieder nach Paris abreisen muss. Also bitte, sei wieder gesund und sag mir, wann Du es einrichten kannst in den nächsten Tagen, ich werde mich ganz nach Dir richten und es möglich machen.

Fühl Dich geküsst!

Kein Grund zu kotzen, mein vulgäres kleines Lottchen!

Dein Lars


Nachdem er die Mail abgeschickt hatte, sah er sich noch ein paar seiner Lieblingsfotos von Charlotte an und vergnügte sich dazu ein wenig, während er das dritte Glas Rotwein leerte. Danach ging er ins Bett, wo Ute bereits seit über einer Stunde tief und fest schlief.

Dienstag, 1. Januar 2013

Dienstag, 01. Januar 2013

Auf vielfachen Wunsch wird es hier also weitergehen - schauen wir mal nach, wie Lotte und Lars ins neue Jahr gekommen sind...


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Dienstag, 01. Januar 2012

Gerade noch rechtzeitig, bevor sie sich erneut übergeben musste, erreichte Lotte die Toilette. Was für ein Start ins neue Jahr. Sie hatte gemeinsam mit Doro und ein paar Freunden das neue Jahr auf einer WG-Party begrüßt, die Allison, die Ex-Freundin von Doro, ausgerichtet hatte. Es war sehr schön gewesen, aber auch alkoholhaltig, wie nicht anders zu erwarten. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen gehabt, dieses Sylvester nicht soviel zu trinken, aber natürlich hatte sie es nicht durchgehalten. Der Sekt war einfach immer wieder nachgefüllt worden, schon weit vor Mitternacht und dann war Allison irgendwann noch mit mehreren Flaschen selbstgemachtem Likör angekommen, der viel zu gut gewesen war, um ihn zu verschmähen. Nun musste sie eben mit den Konsequenzen leben. Sie nahm eine Aspirin und löschte ihren Nachdurst mit einem Glas Wasser in der Hoffnung, sich in einer Stunde ein wenig menschlicher zu fühlen. Heute hatte sie noch Zeit sich zu erholen, aber morgen stand ein Besuch bei ihrer Großmutter an, wo sie Schröder abholen musste. Er hatte dort seit dem 2. Weihnachtstag Urlaub gemacht und sie freute sich wahnsinnig darauf, ihn wiederzusehen. Aber es war praktisch gewesen, ihn bei Oma zu lassen, da er während der Sylvesternacht besser nicht alleine war und bei Oma auf dem Dorf wurde nicht viel geknallt. Außerdem hatte sie so zwischen den Tagen ohne sich Gedanken um den Hund machen zu müssen diverse Besuche erledigen können. Trotzdem, so lange hatte sie ihn bisher selten abgegeben und sie konnte es kaum erwarten, ihn wieder zu knuddeln.

Doch nicht nur Schröder vermisste sie, auch Lars. Seit einem kurzen Anruf vor seiner Abreise, der gerade einmal fünf Minuten gedauert hatte, weil Ute dann hereingekommen war und er auflegen musste, und einer SMS an Heiligabend, hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Die SMS hätte er sich ihrer Meinung nach auch schenken können, der Inhalt hatte sie fast genauso frustriert, als hätte er sich gar nicht gemeldet.

"Frohe Weihnachten, meine Süße, ich denke an Dich!"

Großartig. An Kreativität kaum zu überbieten. Doro hatte schon gefeixt, die SMS habe er wenigstens als Gruppen-SMS an alle seine Gespielinnen schicken können. Lotte hatte das natürlich von sich gewiesen, aber ihr Frust war von Tag zu Tag gewachsen, den ihr Handy seitdem geschwiegen hatte. Nicht einmal einen guten Rutsch ins neue Jahr hatte er ihr gewünscht. Sie war gespannt, ob er sich heute an Neujahr melden würde, aber vor ihrem inneren Auge spielten sich bereits seit Tagen diverse Szenen der neuen Lasland'chen Familienidylle ab, die bereits vor den Tagen ihr Albtraum gewesen war. Wahrscheinlich hatte er über diesem Weihnachts-Familien-Harmonie-Tralala plötzlich doch wieder seine Liebe zu Ute entdeckt.
Lotte spürte erneut Übelkeit in sich aufsteigen und verdrängte den Gedanken ganz schnell. Sie würde den heutigen Tag noch abwarten und sehen, ob etwas kam und ansonsten würde sie ihm heute Abend eine SMS schicken oder mailen und wenigstens ein frohes neues Jahr wünschen, das war ein guter Grund. Gleichzeitig würde sie darin aber wohl um ein paar kleine Giftpfeile nicht herumkommen, was sein Schweigen in den letzten Tagen anging. So leicht würde sie es ihm nicht machen, er machte es sich wirklich zu bequem. Hier und da eine kleine SMS hätte ihr ja schon genügt.
Allerdings musste sie noch ein klein wenig abwarten, bevor sie ihn endgültig verteufelte, da sie eine Benachrichtigung im Briefkasten gehabt hatte, dass bei ihrer Nachbarin kurz nach Weihnachten zwei Pakete abgegeben worden waren. Leider war ihre Nachbarin aber in den letzten Tagen nicht anzutreffen gewesen, so dass Lotte keine Ahnung hatte, ob es sich dabei eventuell um ein Weihnachtsgeschenk von Lars oder etwas Ähnliches handelte. Jedenfalls hatte sie nichts bestellt und erwartete auch sonst kein Paket, so dass die Vermutung nicht völlig abwegig war, es könne sich zumindest bei einem Paket um etwas von ihm handeln, als Entschädigung für sein Schweigen. Man durfte gespannt sein. Lotte hoffte inständig, ihre Nachbarin würde heute oder spätestens morgen wieder von ihrem Sylvestertrip zurückkehren, damit sie an die Pakete gelangte.

Während sie gerade darüber nachdachte, ob ihr noch zu übel zum Aufstehen war oder ob sie es riskieren könnte, schlief sie wieder ein.