Sonntag, 13. Januar 2013

Twilight: Das Wochenendgrauen - Sonntag, 13. Januar 2013

Sie hätte es zwar kaum für möglich gehalten, aber der gestrige Abend war für Ute tatsächlich noch grauenhafter verlaufen als der Freitag. Als sie bei Susanne war, hatten sie in einer spontanen Rettungsaktion ihre Haare mit einer Tönung aus der Drogerie schwarz getönt, um dieses Rot wenigstens loszuwerden. Allerdings war sie dadurch länger als geplant bei Susanne geblieben, so dass Lars zunächst alleine in den Golfclub gefahren war. Sie war nur eine gute Stunde später gewesen als er und hatte sich eigentlich deutlich besser gefühlt, nachdem Susanne ihr versichert hatte, sie würde mit den schwarzen Haaren um Längen besser aussehen. Lars hatte die anderthalb Stunden Vorsprung offensichtlich auch auf anderthalb Flaschen Vorsprung ausgedehnt, er war bei ihrem Eintreffen schon extrem angeheitert gewesen und als er sie erblickt hatte, war er in schallendes Gelächter ausgebrochen. Als wäre dies nicht bereits Demütigung genug gewesen, grölte er ihr entgegen, nun habe er Jochen und Marcel gerade erzählt, dass gleich eine Politesse käme und sie Ärger bekommen würden, weil sie direkt vor der Tür des Clubheims geparkt hätten und dann hätte sie sich einfach in Edward aus Twilight verwandelt. Alle hatten gegrölt vor Lachen und sie wäre am liebsten sofort wieder hinausgelaufen. Wie konnte er sie so demütigen? Sie war doch überhaupt nur deswegen so blass, weil sie kaum geschlafen hatte nach dem Vorfall am Freitag. Ulla hatte versucht die Situation zu retten und ihr gesagt, sie sehe ganz wundervoll aus mit der neuen Frisur, richtig frech und peppig und sie wisse doch, dass Männer nicht gut im Verteilen von Komplimenten wären. Lars hätte mit Sicherheit nur Angst, dass hinter ihrer neuen Frisur auch ein neuer Mann stecken könnte. Daraufhin hatten alle über Lars gelacht und sie hatte wenigstens nicht mehr das Bedürfnis gehabt, sofort wieder nach Hause zu fahren. Den Rest des Abends hatte sie sich an Ulla gehalten, was sie aber zusätzlich belastete, da es ihre alten Wunden im Bezug auf eine Schwangerschaft wieder aufriss, da Ullas Lieblingsthema, natürlich, ihr Baby war. Gegen 22.30 Uhr hatte sie es nicht mehr ertragen können und war alleine nach Hause gefahren, während Lars sich weiter zwischen seinen Bewunderern sonnte. Sie hätte schreien können. Er hatte sie den ganzen Abend nicht beachtet, wenn man von seiner wunderbaren Begrüßung einmal absah und als sie ging, hatte er nur ein "Jetzt schon? Dann fahr alleine..." für sie übrig gehabt. Sie hatte ihn gefragt, wie er eigentlich heimkommen wolle, mit seinem Alkoholpegel sei er wohl kaum noch fahrtüchtig und er hatte sie angeranzt, Taxis seien bereits erfunden. Zum krönenden Abschluss hatte diese verdammte Franziska dann auch noch geflötet, sie könne ihn mitnehmen, sie würde ihn ihr ganz sicher heimbringen. Der Blick, den beide dabei gewechselt hatten, hatte ihr den Rest gegeben.
Als sie gegen 2 Uhr wach geworden war, war er immer noch nicht da gewesen. Sie hatte ihn auf dem Handy angerufen und er hatte sie nur angefahren, ob sie ihn kontrollieren wolle. Trotzdem hatte sie es nicht lassen können und ihn gebeten, sich ein Taxi zu nehmen und nicht mit Franziska zu fahren, worauf er nur höhnisch gelacht und gesagt hatte, sie würde sich lächerlich verhalten und was sie eigentlich wolle? Ob ihn etwa ein Vampir beißen würde, wenn er sich kein Taxi nehmen würde. Daraufhin hatte sie wortlos aufgelegt.
Gegen vier Uhr war sie wachgeworden, als er neben sie ins Bett gefallen war. Er hatte sich zu ihr gekuschelt, was sie aber nicht erfreuen konnte, da er völlig betrunken war und sie bedrängt. Als sie neben seiner Alkoholfahne auch noch den Geruch eines süßen Parfums, wahrscheinlich Franziskas, an ihm wahrnahm, hatte sie ihm eine Ohrfeige verpasst und war auf die Couch gezogen.

Den Abdruck ihrer Hand hatte man heute früh tatsächlich noch auf seiner Wange sehen können und es hatte ihr unendlich leid getan. Sie hätte nicht so unbeherrscht sein dürfen. Er strafte sie dafür ab, indem er kein Wort mit ihr sprach und sie nur immer wieder mit finsterem Blick musterte. Sie fühlte sich hundeelend und wurde wahnsinnig bei dem Gedanken, dass er gestern Abend mit Franziska geschlafen haben könnte. Allerdings wagte sie auch nicht zu fragen. Sie wusste überhaupt nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Dabei hatte dieses Wochenende doch alles soviel besser werden sollen...

*****

Lars kämpfte mit seinem Gewissen, während er die Stunden bis zu seiner Abreise sehnsüchtig herunterzählte. Ute hatte ihm gestern Abend tatsächlich eine Backpfeife verpasst. Das hätte er ihr niemals zugetraut. Leider konnte er nicht leugnen, dass sie verdient gewesen war, aber das konnte Ute nicht wissen. Ja, er hatte sich von Franziska nach Hause fahren lassen und ja, er hatte sich nicht gewehrt, als sie auf einem kleinen Parkplatz am Stadtwald angehalten und ihm an die Wäsche gegangen war. Zwar hatte er nicht mit ihr geschlafen, dazu hatte er sich mit seinem Alkoholpegel auch gar nicht mehr in der Lage gefühlt, aber sie war offensichtlich so dankbar, ihm überhaupt näherkommen zu dürfen, dass sie es ebensosehr genossen hatte wie er, als sie ihm einen geblasen hatte.
Er wusste, dass er sich niemals hätte darauf einlassen dürfen. Sie war viel zu jung und die Sache war unberechenbar, schließlich war sie auch im Golfclub und vorallem hatte Ute schon direkt Lunte gerochen gehabt. Es war nicht unwahrscheinlich, dass die Situation eskalieren und alles auffliegen würde. Ute schien es ohnehin zu ahnen, aber solange sie keine Beweise hatte, würde er einen auf beleidigt machen und kein Wort mit ihr sprechen. Eine Ohrfeige konnte er sich schließlich nicht ungestraft von ihr verpassen lassen. Die Atmosphäre zwischen ihnen war kaum zum Aushalten und in gewisser Weise tat sie ihm auch leid, aber wenn er jetzt nachgeben würde, würde alles auffliegen, deswegen konnte er unmöglich auf sie zugehen. Er musste die zwei Stunden bis zu seiner Abreise so noch irgendwie herumbekommen.
Vielleicht wäre nun auch der richtige Moment, um die Karten auf den Tisch zu legen und mit ihr über alles zu reden, schlimmer konnte es eh kaum werden. Aber bevor er das tat, musste er sich klarwerden, was genau er wirklich für Charlotte empfand und wie das alles weitergehen konnte. Seine starken Gefühle machten ihm absurderweise Angst, auch wenn jeder andere sie wahrscheinlich als Indikator gesehen hätte, sofort zu handeln, ihn schreckte es eher ab. Das Wochenende war aber bisher auch so turbulent verlaufen, dass er keine Ruhe dafür gefunden hatte, sich über Charlotte konkrete Gedanken zu machen, das musste er auf Paris verschieben. 
Sie hatte nicht mehr reagiert auf seine letzte Mail. Natürlich war es genau das, worum er sie gebeten hatte, aber trotzdem hatte er insgeheim gehofft, eine Mail oder SMS von ihr zu erhalten. Er hätte es besser wissen müssen. Sie war keine Frau, die Männern hinterherlief, das hatte sie mit Sicherheit auch gar nicht nötig. Sie würde sich nicht melden und er durfte sie nicht zu lange warten lassen, sonst hatte er sie am Ende wirklich an irgendeinen Studenten verloren. Seine Laune verfinsterte sich weiter bei dieser Vorstellung.

*****

Lotte fragte zum gefühlt 300. Mal an diesem Wochenende ihre Mails ab, aber es war weiterhin keine von Lars dabei. Es machte sie rasend, obwohl sie noch gar nicht lange wartete und realistisch auch noch mit keiner Nachricht zu rechnen gewesen war. Dennoch hatte sie sich insgeheim gewünscht, er würde sich melden und doch noch ein spontanes Treffen vorschlagen. Aber das würde wohl nichts mehr werden, wahrscheinlich fuhr er gleich schon nach Paris.
Sie hatte sogar extra ihre Spaziergänge mit Schröder ausgeweitet in der Hoffnung, ihm mit Hugo im Park zu begegnen, falls er eine Runde übernommen hätte. Dafür war sie sogar das Risiko eingegangen Ute zu begegnen, wovor es ihr sonst immer graute. Aber sie war weder Lars noch Ute begegnet. Frustriert steckte sie sich das letzte Stück der Schokoladentafel in den Mund.

Samstag, 12. Januar 2013

Die männliche Seite betont - Samstag, 12. Januar 2013 (evtl. später Fortsetzung)

Der gestrige Abend war grauenvoll verlaufen. Ute konnte immer noch nicht fassen, wie die ganze Situation so hatte eskalieren können. Schon das Essen war nicht besonders angenehm gewesen, aber das hatte sie nicht anders erwartet. Die Männer hatten sich prächtig unterhalten und Vera und sie hatten sich nichts zu sagen gehabt. Vera war ein dummes, oberflächliches Miststück, das keine anderen Themen als Mode und Kosmetik hatte. Themen, mit denen sie nichts anfangen konnte. Anfangs hatten sie noch ein wenig Smalltalk über das Wetter und die vergangenen Feiertage geführt, aber dann waren ihnen schnell die Themen ausgegangen. Frank hatte immer wieder versucht, Vera mit ins Gespräch einzubeziehen, während Lars sie einfach komplett ignoriert hatte. Hinterher hatte er sie angefaucht, er habe ihr ja direkt gesagt, sie würde sich nur langweilen, da habe sie nicht erwarten können, dass er ihr auch noch Kommunikationstraining biete, wenn sie nicht dazu in der Lage wäre, sich zu unterhalten. Ute musste schlucken, ihr stiegen allein bei der Erinnerung wieder die Tränen in die Augen.
Während des Essens hatte sie sich also fürchterlich gelangweilt und sich geärgert, dass sie überhaupt mitgegangen war, aber der traurige Höhepunkt des Abends war erst danach gekommen. Im Gegensatz zu ihr hatten Lars und Frank sich so prächtig unterhalten, dass sie über ihren Kopf hinweg entschieden, nach dem Essen den Abend noch in einer Bar weiterzuführen. Vera war zwar auch nicht gefragt worden, aber sie schien es auch nicht schlimm zu finden. Erst hatte Ute noch die stille Hoffnung gehegt, es würde in der Bar vielleicht etwas erträglicher werden als in der steifen Atmosphäre beim Edelitaliener, möglicherweise hätte ein Cocktail die Stimmung auch auflockern können. Aber diese Hoffnung hatte sich nicht bewahrheitet. Zwar war die Stimmung durch den Alkohol tatsächlich deutlich lockerer geworden, aber die Situation war dadurch für sie nicht besser geworden. Vera hatte noch einmal das Gespräch gesucht und zu ihr gemeint, ob sie eine neue Frisur habe. Sie hatte genickt und gehofft, sie würde ihr nun vielleicht als Erste wirklich ein Kompliment für ihre neue Frisur aussprechen. Das hätte ihr wirklich gut getan, denn sie hatte sich den ganzen Abend schon elend gefühlt, wenn sie auf Veras lange blonde Locken geschaut hatte. Wahrscheinlich war solch eine Frisur in Wahrheit der Traum aller Männer. Aber bevor Vera überhaupt etwas hatte erwidern können, hatte Frank sich eingemischt und gesagt, ihm sei ihre neue Frisur sofort aufgefallen, wie Vera denn so etwas fragen könne, die Frisur sei doch wohl auffällig genug. Sie hatte sich gerade noch gefragt, ob Frank eventuell gerade dabei war, ihr ein Kompliment zu machen, als er ihr so fest auf die Schulter klopfte, dass sie durch die Überraschung und die Wucht fast vornüber gekippt wäre und er lachend meinte, das müsse sie doch aushalten können, jetzt, wo sie mit ihrer Frisur noch zusätzlich ihre männliche Seite unterstrichen hätte.
Sie war völlig perplex gewesen und hatte nichts zu kontern gewusst. Stattdessen hatte sie Mühe, nicht sofort loszuheulen. Ihre männliche Seite unterstrichen, hatte er gesagt.Sie wollte doch attraktiver und frecher wirken, aber nicht männlicher. Frank hatte sich dann sofort wieder Lars zugewandt und das Thema gewechselt, Lars hatte sich kein Stück um sie gekümmert oder es für nötig befunden, sich irgendwie dazu zu äußern. Sie hatte den Abend noch eine halbe Stunde schweigend ertragen und Lars dann gebeten, ob sie gehen könnten. Er hatte gesagt, in zwanzig Minuten würden sie gehen, er wolle sich noch unterhalten und sie habe gewusst, was auf sie zukomme. Sie hatte es schweigend hingenommen. Auch, dass aus den zwanzig Minuten eine Stunde geworden war. Zwei Gläser Rotwein hatten ihr dabei geholfen, diese Stunde zu überstehen. Von dem Cocktail, auf den sie sich eigentlich gefreut hatte, hatte sie nach einer abfälligen Bemerkung Franks, dass Cocktails doch nur etwas für junge niveaulose Dinger wären, die noch nie einen guten Wein getrunken hätten, Abstand genommen. Sie hatte sich gefragt, ob Frank solch eine Bemerkung dieser Charlotte gegenüber auch gemacht hätte, wenn Lars mit der anstatt mit ihr dort gewesen wäre. Wenn man aussah wie Charlotte Holzheim, durfte man bestimmt Cocktails trinken, ohne also junges niveauloses Ding zu gelten.
Sie seufzte. Wenn man aussah wie Charlotte Holzheim, konnte man sich wahrscheinlich auch eine Glatze rasieren und würde immer noch als feminin betrachtet. Sie hatte sich gestern Nachmittag noch Fotos von ihr auf Facebook angesehen, glücklicherweise hatte sie ein paar öffentliche Bilder gehabt. Interessant hatte sie auch gefunden, dass sie dort nicht mit Lars befreundet war. Aber vermutlich sollte alles möglichst unauffällig sein. Dabei schien Lars sich dort ansonsten mit jedem Menschen anzufreunden, dem er irgendwann einmal begegnet war. Sie fragte sich, wie man so viele Freunde haben konnte. Es war ihr unbegreiflich. Sie hatte gerade einmal zwölf Freunde auf Facebook, drei waren alte Schulfreunde und der Rest war aus dem Golfclub. Es hätte sie auch interessiert, wie viele Freunde Charlotte hatte, aber leider hatte sie die, im Gegensatz zu ihren Fotos, für sie nicht sichtbar gestellt. Aber diese Fotos... vielleicht hätte sie sich durch Franks Bemerkung gar nicht so gedemütigt gefühlt, hätte sie sich vorher nicht noch die Bilder angesehen gehabt. Charlotte Holzheim hatte im Gegensatz zu ihr wirklich weibliche Formen, war dabei aber auch schlank. Sie hatte eine ausgeprägte Taille - also genau das, worum Ute immer alle Frauen seit ihrer Pubertät beneidet hatte, denn ihre war sozusagen nicht vorhanden. Außerdem hatte Charlotte ein ziemlich gebärfreudiges Becken, was ihr sicherlich manchmal bei der Kleiderwahl zu schaffen machte, aber das Problem hätte Ute gerne für solche Kurven in Kauf genommen. Und auch ihr Hintern war deutlich ausgeprägter als ihr eigener, aber in einem positiven Sinne. Ute hatte, wenn sie ehrlich war, einfach nichts in der Hose und Charlotte hatte einen wunderbaren runden Apfelpo, den hatte sie auf einem Urlaubsfoto im Bikini mehr bewundern können, als es ihr gut getan hatte. Diese Bilder hatten ihr mehr als deutlich gezeigt, was Lars bei Charlotte finden könnte, was sie ihm nicht bieten konnte. Und durch ihre neue Frisur hatte sie wohl alles nur noch schlimmer gemacht, das hatte Frank ihr gestern Abend vor Augen geführt.
Während sie so vor dem Badezimmerspiegel stand und sich betrachtete, beschloss sie, sich nachher noch einen Friseurtermin zu machen, um wenigstens die Haare umfärben zu lassen. Dass Lars das Braun lieber mochte als ihre roten Haare, hatte er ihr deutlich zu verstehen gegeben.

Heute würde es nicht mehr funktionieren mit einem Termin, hatte man ihr beim Friseur mitgeteilt, aber am Montag könne sie kommen. Lars hatte gesagt er wolle heute Abend in den Golfclub, es habe eine eMail gegeben, dass dort nachher eine kleine Neujahrsfeier im Clubheim sein solle, das wollte er sich natürlich nicht entgehen lassen. Sie hatte keine Lust mitzugehen, sie wollte sich mit dieser Frisur nicht auch noch im Golfclub der Lächerlichkeit preisgeben. Außerdem hatte sie das Gefühl, es nicht ertragen zu können, wenn ihn wieder alle anhimmelten. Es war immer das Gleiche. Er hatte einfach diese Ausstrahlung und dieses Auftreten, alle bewunderten ihn und hingen an seinen Lippen. Was sie eigentlich immer wunderbar gefunden hatte, was gab es schließlich Tolleres, als die Frau an der Seite eines solchen Mannes zu sein? Wenn der eigene Mann von allen bewundert wurde, sonnte es sich wunderbar in seinem Schatten. Aber eben nur solange, wie man sich selbst wohl fühlte und nicht mehr, wenn man wusste, dass er längst eine Schattenfrau hatte. Eine, die, wenn sie es realistisch betrachtete, in den Augen dieser Menschen eventuell viel besser zu ihm passen würde, zumindest optisch. An der Seite so eines erfolgreichen Lebemannes erwarteten die Menschen eine hübsche, weibliche Frau und keine, die ihre männliche Seite betont.
Sie würde sich den ganzen Abend nur fragen, was sie von ihr denken würden, während sie Lars bewunderten. Sie konnte es nicht ertragen, sie wollte da nicht hin. Andererseits spürte sie eine Panik in sich aufsteigen, wenn sie daran dachte, dass er allein gehen würde. Schließlich beteten ihn dort alle an und besonders immer diese Jenny, die Tochter der Bergers, die gerade zwanzig geworden war und immer noch einen Lolitacharme hatte. Sie war sich sicher, dass sie in Lars' Beuteschema passte und wer garantierte ihr, dass Jenny nicht die Gelegenheit nutzen würde, wenn sie nicht dabei wäre. Inzwischen war sie sich gar nicht mehr sicher, wie weit sie Lars überhaupt vertrauen konnte, ob er sich nur auf Charlotte beschränkte, weil sie ihn wie auch immer verführt hatte oder ob er gar alle möglichen Gelegenheiten mitnahm, die sich ihm boten. Wer konnte es schon wissen. Wer einmal log...
Sie wollte lieber nicht weiter darüber nachdenken. Stattdessen schickte sie Susanne eine SMS, ob sie sich nachher kurz auf einen Tee treffen sollten. Sie brauchte dringend ein wenig Aufmunterung und eine Strategie für den Abend und das Wochenende. Wenn sie so weitermachte, würde sie Lars nicht davon überzeugen, dass sie die bessere Wahl wäre. Er war mit Sicherheit nicht auf der Suche nach einem deprimierten Mauerblümchen, das seine männliche Seite betonte.
Sie zog sich an und ging in die Küche. Lars war schon vor zwei Stunden aufgestanden und hatte alleine gefrühstückt, ihr aber natürlich alles zum Wegräumen stehen lassen. Jetzt saß er am Wohnzimmertisch und hackte auf seinem Handy herum. Sie fragte sich, ob er wohl gerade mit Charlotte schrieb...

Freitag, 11. Januar 2013

Nüchtern betrachtet - Freitag, 11. Januar 2013

Lotte hatte den gestrigen Abend mit Doro in einer Bar verbracht. Allerdings hatte sie im Laufe des Abends solche Kopfschmerzen bekommen, dass sie sich bereits um 23 Uhr verabschiedet hatten und sie zu Hause sofort ins Bett gegangen war. Heute Morgen war es dann wieder gut gewesen mit den Kopfschmerzen, dafür war ihr bei ihrer Joggingrunde mit Schröder plötzlich übel geworden. Sie verstand es nicht. Dieses Jahr schien nicht ihres werden zu wollen. So viele gesundheitliche Probleme wie in den ersten paar Tagen von 2013 hatte sie im gesamten Jahr 2012 nicht.
Sie hatte sich nicht besser gefühlt, nachdem sie ihre Mails abgefragt hatte. Überhaupt war der Anlass für das spontane Treffen mit Doro gestern Abend erst gewesen, dass Lars ihr einfach mitten im Mailgespräch nicht mehr geantwortet hatte und sie die Warterei so genervt hatte, dass sie Doro alarmiert hatte. Und nun fragte sie ihre Mails ab und hatte ihre Antwort. Sie war erst einmal baff gewesen. Mit so einer Mail hatte sie nicht gerechnet. Lars zeigte tatsächlich so etwas wie tiefere Gefühle, gab sich fast verletzlich. Und er zeigte natürlich auch gleich die typisch-männliche Reaktion auf solche Gefühle: Erschrecken und Rückzug. Er wollte Abstand, weil es ihm Angst machte, was er für sie empfand. Sie hätte kotzen können. Warum musste alles immer so kompliziert sein? Warum konnte er nicht den einzig logischen Schluss ziehen und die Trennung von Ute endlich durchziehen? Lotte war entnervt.



Betreff: Wieder nüchtern?
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
 
11:59 11.01.2013
 
Lieber Lars,
 
Du hast vielleicht Nerven. Erst lässt Du mich so lange auf eine Antwort warten und dann schickst Du mir solchen Tobak! Darf ich erfahren, ob Du Deine Aussagen nüchtern betrachtet nun noch genauso siehst oder sie Dir nun leid tun?
 
Grüße
 
Lotte
 
 
 
Erstaunlicherweise musste Lotte diesmal nicht lange auf Antwort warten. Bereits nach wenigen Minuten leuchtete die rote (1) auf.
 
 
 

Betreff: Nüchtern betrachtet...
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
12:18 11.01.2013
 
... habe ich mich mit dieser Mail wahrscheinlich zum Vollhorst gemacht, aber ja, meine liebe Charlotte, es bleibt dabei. Müsste ich Dir diese Mail jetzt mit 0 Promille noch einmal schreiben, so hätte ich sicherlich nicht so tief blicken lassen, aber das Fazit bleibt gleich: Es macht mir Angst, dass ich so empfinde, wie ich empfinde und mit diesen Gedanken, die es bei mir auslöst, halte ich zusätzlich den Zustand bei mir zu Hause gerade noch weniger aus, insofern werde ich ein wenig Distanz zu Dir suchen. Nur so kann ich meine Gedanken ordnen und nur mit geordneten Gedanken kann ich die Trennung von Ute in die Wege leiten. Also sei mir nicht böse, meine Liebe, wenn ich mich jetzt ein wenig überraschend zurückziehe. Glaube mir, für mich ist es nicht viel weniger überraschend, aber ich denke, es ist der einzig sinnvolle Schritt und es wird auch nicht für lange sein. Ich möchte mir einfach über verschiedene Dinge klar werden und dafür brauche ich Abstand. Melde Dich also bitte auch nicht bei mir, oder nur, wenn wirklich irgendwas sehr Wichtiges ist, aber erwarte keine Antwort, solange nicht wirklich die Welt untergeht. Keine Sorge, ich werde Dich nicht lange in der Luft hängen lassen, dafür hätte ich viel zu viel Angst, dass Dich am Ende irgendein Kerl am Süßigkeitenautomat vor den Altar zerrt. ;-) Aber die Tage jetzt wo ich Ute ausgesetzt bin, werde ich mich definitiv nicht melden und dann muss ich schauen, wie weit ich mit meinen Gedanken bin, wenn ich wieder in Paris bin. Sagen wir, ich gebe Dir allerspätestens Sonntag in einer Woche eine Meldung.
Sei mir nicht böse, Lottchen. 
 
Bis bald!
 
Kuss,
 
Lars
 
 
 
Lotte war fassungslos. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein. Sie hatte sich so sehr darauf gefreut, dass sie sich sehen würden und jetzt durfte sie ihm noch nicht einmal schreiben. Sie fragte sich, was das sollte. Wollte er wirklich nur Abstand, um seine Gedanken zu sortieren und sich dann von Ute zu trennen? Oder wollte er sehen, wie sehr er sie vermisste um davon die Entscheidung zur Trennung abhängig zu machen? Plötzlich merkte sie, dass sie weinte. Wütend putzte sie sich die Nase und knallte den Laptop zu. Sie würde sich nicht von ihm fertigmachen oder sich das Wochenende verderben lassen.
Sie rief nach Schröder und kuschelte sich mit ihm auf's Sofa.
 
 *****
 
Während Ute mit Hugo durch den winterlichen Park spazierte, dachte sie darüber nach, wie sie das Wochenende überstehen sollte. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen gehabt, Lars gegenüber als neuer Mensch aufzutreten und ihn mit ihrer neuen Frisur, den neuen Dessous und mit überhaupt allem zu beeindrucken und zu verwöhnen. Aber sie musste bereits nach nichtmal einem Tag merken, dass dies nicht so einfach war, wie sie es sich vorgestellt hatte. Wahrscheinlich war sie naiv gewesen zu glauben, es würde wie von alleine gehen, nur weil sie eine peppigere Frisur hatte. Im Gegenteil, sie wurde das Gefühl nicht los, dass Lars ihre Frisur nicht gefiel. Er hatte angedeutet, sie könne sich die Haare ja vielleicht wieder braun färben lassen und der Schnitt sei zwar nett, aber danach solle sie sie ruhig wieder wachsen lassen. Realistisch betrachtet hieß das wohl, dass sie ihm nicht gefiel. Aber gut, von ihrer Frisur könnte sie ihn mit der Wäsche sicherlich ablenken. Nur hatte sie das Gefühl, er interessierte sich überhaupt nicht für sie. Er schien mit seinen Gedanken komplett woanders zu sein und sie ahnte, wo. Sie musste sich in seine Gedanken drängen, dann musste sie eben mehr Aufmerksamkeit erregen. Aber so einfach war es nicht, wenn sie ständig im Hinterkopf hatte, dass er ständig an diese Charlotte dachte. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken, dass sie ihn heute Abend mit ihren Dessous verführen würde und er dann beim Sex möglicherweise an Charlotte dachte. Sie ertrug es nicht, es war viel viel schwieriger, als sie es sich vorgestellt hatte. Charlotte war omnipräsent in ihrem Alltag, obwohl sie eigentlich gar nicht greifbar war. Sie war ständig auf der Hut, als Lars beim Frühstück gesagt hatte, er wolle heute Abend mit Frank ausgehen, hatte sie sofort einen Stich in der Magengegend verspürt und gedacht, dass er sich sicherlich nicht mit Frank, sondern mit Charlotte treffen wollte. Sie hatte nicht an sich halten können, es war einfach aus ihr herausgeplatzt. Sie hatte ihn gefragt, ob sie nicht mitkommen könne. Sie hatte sich gedacht, dann könne er sich nicht mit ihr treffen oder er würde jetzt mit irgendeiner seltsamen Ausrede ankommen. Doch zu ihrer Überraschung hatte er sie nur verwundert angesehen und dann gesagt, sie könne natürlich mitkommen, wenn es ihr nicht zu langweilig sei. In dem Moment war es ihr fürchterlich peinlich gewesen, ihn überhaupt gefragt zu haben. Offensichtlich traf er sich tatsächlich mit Frank und sie sah bereits überall das Böse lauern. Nun musste sie heute Abend mit, weil es ihr zu unangenehm gewesen war, dann doch einen Rückzieher zu machen. Und dabei konnte sie Frank eigentlich nicht ausstehen. Lars hatte vorgeschlagen, Frank zu sagen, er solle doch Vera, seine Frau, ebenfalls mitbringen, dann könnten sie einen Pärchenabend machen. Ute fand Vera entsetzlich, aber sie hatte nichts zu entgegenen gewagt. Und nun musste sie heute Abend mindestens zwei Stunden Smalltalk beim Edelitaliener mit der oberflächlichen Vera und dem arroganten Frank ertragen. Es würde fürchterlich werden. Sie fühlte sich immer schrecklich in Anwesenheit der Beiden. Vera war stets aufgebrezelt und sie fühlte sich neben ihr wie Aschenputtel. Frank war ein Macho und sie wurde das Gefühl nie los, dass er nicht verstand, was Lars mit einem Mauerblümchen wie ihr wollte. Dass er sie für ein Mauerblümchen hielt, wusste sie, dass hatte er ihr nach zwei Flaschen Wein einmal freudestrahlend ins Gesicht gesagt und sie hatte Mühe, ihm nicht in die Zähne zu hauen. Stattdessen war sie weinend im Bad verschwunden an diesem Abend. Sie hoffte inständig, dass der heutige Abend besser enden würde.
 

Von Grund auf böse - Donnerstag, 10. Januar 2013

Als Lotte nach ihrer Rückkehr aus der Uni am Nachmittag immer noch keine Mail von Lars vorfand, wurde sie langsam genervt. Ihr hatte bereits gestern Mittag, als sie wieder wachgeworden war geschwant, dass ihre Mail an Lars nicht die allerbeste Idee gewesen war. Männer waren selten begeistert, solche Dinge von Frauen zu hören, die sie begehrten, da bildete auch Lars keine Ausnahme, selbst wenn sie offen über ihr Treiben sprachen. Die Tatsache, dass er sich bisher ausgeschwiegen hatte, deutete sie so, dass er tatsächlich ein wenig angesäuert war. Positiv formuliert könnte man auch sagen, dass er eifersüchtig war. Sie hatte es vorhin mit Doro diskutiert und sie hatte natürlich gemeint, es würde Lars überhaupt nicht schaden, er habe schließlich keinerlei Ansprüche ihr gegenüber, sie könne machen, was sie wolle und wenn es ihn ärgere, so solle er sich erst einmal an die eigene Nase packen, immerhin tue er seiner Frau das auch an, nur in verstärkter Form. Unrecht hatte sie ja nicht. Aber es würde kaum der richtige Weg sein, das Lars jetzt so zu kommunizieren. Sie hatte aber auch keine Lust noch länger zu warten, zumal er heute aus Paris zurückkam. Vielleicht bestand ja eine Möglichkeit, dass sie sich wieder treffen könnten während seiner Tage in Köln.



Betreff: Halloooo?!
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
 
15:57 10.01.2013
 
Hallo Lars,
 
was ist los, warum antwortest Du nicht? Ich hoffe, Du bist mir nicht böse?
 
Ich würde mich freuen, wenn wir uns die Tage wieder sehen könnten. Melde Dich!
 
Liebe Grüße
 
Lotte
 
 
 
Das sollte erst einmal reichen. Sie sah nicht ein, sich für irgendetwas zu entschuldigen.
Nur fünf Minuten später blinkte seine Antwort auf. 



Betreff: RE: Halloooo?!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
16:02 10.01.2013
 
Hallo Charlotte,
 
doch, ich bin böse. Sehr sogar.
 
Lars 



Charlotte war baff. Sie hatte weder mit einer so prompten Antwort noch mit einer Antwort in dieser Form gerechnet.




Betreff: RE: RE: Halloooo?!
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
 
16:07 10.01.2013
 
Hallo Lars,
 
böse auf mich oder von Grund auf böse?
 
Lotte
 
*****
 
Lars musste grinsen. Jetzt hatte sie ihn. Schlagfertig war sie ja. Aber er würde das Spiel mitspielen. 




Betreff: RE: RE: RE: Halloooo?!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
16:09 10.01.2013
 
Hallo Charlotte,
 
was würdest Du vermuten? 

Lars



Betreff: RE: RE: RE: RE: Halloooo?!
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
 
16:12 10.01.2013
 
VON GRUND AUF BÖSE!!! :P
 
 
 Lars musste lachen. Er hatte keine andere Antwort erwartet. Sollte sie erstmal schmoren, er musste zum Zug und würde ihr heute Abend in Ruhe antworten, es schadete ihr nicht, jetzt wieder ein wenig zu warten.



Betreff: RE: RE: RE: Halloooo?!
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
 
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
23:28 10.01.2013
 
Liebe Charlotte,
 
vielleicht bin ich auch von Grund auf böse. Oder von Grund auf böse auf Dich. Ganz ehrlich, ich war ein wenig böse auf Dich. Weil Du Dich so einfach am Süßigkeitenautomaten angeln lässt und mir das dann auch noch stolz erzählst. Ich weiß, ich weiß, Du bist mir keine Rechenschaft schuldig und jeder von uns kann machen, was er will. Natürlich lebe ich es auch aus, aber am besagten Abend habe ich es nicht getan. Ich will jetzt einfach mal ehrlich zu Dir sein, auch wenn es möglicherweise eine dumme Idee ist, aber ich erzähle Dir, was passiert ist. Ein Kollege fragte mich, ob wir an dem Abend ausgehen sollten, er wollte mich mit seiner Schwester bekannt machen. Claudine ist eine ganz Hübsche, genau mein Typ, er hatte sich etwas dabei gedacht und sie mir vorher bereits ordentlich angepriesen. Insofern wäre ich an diesem Abend sehr einfach an einen "Braten" gekommen. Aber ich hatte keine Lust. Es hat mich selber sehr verwirrt, aber als ich in mich hineingehorcht habe, habe ich erkannt, dass ich keine Lust auf irgendeine andere Frau hatte, weil ich mich so sehr nach Dir gesehnt habe. Ich musste an Dich denken, wie Du am Sonntag in meinen Armen lagst und wie gut es sich anfühlte. Auch, was ich dabei für Dich empfunden habe und dass ich so etwas noch nie für eine andere Frau, vorallem leider auch nicht für die, mit der ich verheiratet bin, empfunden habe. Deswegen bin ich nicht ausgegangen. Ich wollte nur Dich an diesem Abend und sonst keine. Und dann habe ich am nächsten Morgen so eine Mail von Dir, wo Du mir berichtest, wieviel Spaß Du mit dem Süßigkeitenhansel hattest. Ich war sauer, richtig sauer. Keine Sorge, ich gebe Dir keinerlei Schuld, Du hast schließlich nichts Unrechtes getan und ich bin es selbst schuld, wie es gerade läuft. Trotzdem, es ist kein schönes Gefühl, wenn man einerseits gerade festgestellt hat, dass es diese großen Gefühle gibt, die zudem eigentlich nicht sein dürften, und andererseits, wenn man als Mann schon seine Triebe zügelt, dann am nächsten Morgen von der Angebeteten erfährt, dass sie sich anderweitig vergnügt hat- Wie gesagt, kein Vorwurf an Dich, es ist mein Problem.
Wenn ich gerade schon dabei bin, kann ich Dir die Geschichte auch noch zu Ende erzählen, auch wenn nun der Teil kommt, auf den ich wenig stolz bin und der Dich ebenfalls nicht erfreuen dürfte. Aber vielleicht können wir trotzdem beide etwas davon mitnehmen. Zuvor sei aber nebenbei erwähnt, dass ich bereits anderthalb Flaschen Rotwein intus habe, anders konnte ich den Abend mit Ute nicht ertragen, aber dadurch bin ich wohl auch etwas redseliger.
Also, wie bereits erwähnt, hast Du mit Deinem Treiben meine Eitelkeit empfindlich verletzt und ich habe der einzig logischen, typisch-männlichen Trotzreaktion nachgegeben und mich gestern Abend doch noch mit Pierre und seiner Schwester in einer Bar getroffen. Danach habe ich Claudine nach Hause gebracht und bin ihrer Einladung auf einen Kaffee, und natürlich, Du kannst es Dir denken, auch mehr, gefolgt. Sozusagen als Rache für Dein Tun, um die verletzte Eitelkeit wieder zu polieren. Es war eine Scheißidee, mindestens so idiotisch wie Dir das gerade alles hier zu schreiben. Während wir bei ihr auf dem Sofa saßen, wurde mir klar, wie dämlich mein Handeln gerade ist, aber natürlich macht man(n) in dieser Phase keinen Rückzieher mehr. Sie hat sich auch wirklich Mühe gegeben und war sehr hübsch anzuschauen, gar keine Frage. Aber ich hatte selten so schlechten Sex. Es lag nicht an ihr, es lag nicht am Sex, es lag an mir. Ich wollte Dich, nicht sie, es hat sich einfach alles falsch angefühlt.
Charlotte, ich hatte solche Skrupel noch nie. Du weißt, wie ich es immer mit meinen Frauen gehandhabt habe, ich habe mich immer anderweitig vergnügt und da war nie ein schlechtes Gewissen mit zwischen den Kissen. Es ist kein angenehmes Gefühl und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Neben dem Gefühl an sich ist da noch die drängende Frage, warum ich so etwas für Dich empfinden kann, aber für alle anderen, speziell meine Frau oder meine anderen Beziehungen, nie empfunden habe. Tatsächlich macht es mir ein wenig Angst und ich muss mir überlegen, wie ich damit umgehe.
Ich weiß auch noch nicht, ob wir uns sehen können. Vielleicht wäre ein bisschen Abstand gar nicht schlecht.
 
Was macht Deine Gesundheit? Es scheint wohl alles wieder gut zu sein, sonst hättest Du Dich nicht rumgetrieben, oder?
 
Wahrscheinlich wird mir diese Offenheit hier morgen früh genauso leid tun, wie Dir Deine Mail hätte leid tun sollen. Aber ich habe schließlich auch getrunken.
 
Schlaf gut, ich lege mich jetzt neben die Politesse und träume von Dir...
 
Lars

Donnerstag, 10. Januar 2013

Fräulein Rottenmeier meets Politesse - Mittwoch, 09. Januar 2013

Als Lars an diesem Morgen Charlottes Mail las, war es bereits zu spät gewesen für ihre Ratschläge im Bezug auf Utes Frisur. Natürlich war er gestern nicht darum herumgekommen, mit Ute zu telefonieren und natürlich hatte sie seine Meinung wissen wollen. Sie hatte sogar eine knappe halbe Stunde, nachdem er die Mail erhalten hatte bereits angerufen und wollte, aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten, wissen, ob er das Foto bereits gesehen habe und wie sie ihm gefalle. Er hatte ganz kurz mit dem Gedanken gespielt einfach zu behaupten, er habe es noch nicht gesehen, hatte dann aber doch gesagt, er fände es, nach allem, was man vom Foto her sagen könne, sehr apart, allerdings seien die Lichtverhältnisse auf dem Foto nicht besonders, weshalb er mit seinem endgültigen Urteil abwarten wolle, bis sie leibhaftig vor ihm stünde. Er hatte das Gefühl, dass sie dennoch ein wenig enttäuscht war, aber sie hatte sich schnell wieder gefangen. Er hatte ihr noch zweimal versichern müssen, dass er es nicht nur so dahin sage und ihre Frisur wirklich hübsch fände, dann hatte sie sich wieder gefangen. Lars seufzte. Er war sich sicher, dass er es live nicht besser finden würde. Aber vielleicht hatte Charlotte ja einen brauchbaren Tipp...



Betreff: Mon dieu
Von: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de

04:36 09.01.2013

Guten Morgen Larsi-Hasi,
ich darf doch guten Morgen sagen, um diese Zeit? Immerhin wirst Du die Mail wohl erst nach dem Aufwachen lesen, während ich immer noch wach bin. Tja, so ist das manchmal. Gelegenheit macht Liebe, da kann es schonmal spät werden. Was hast Du denn an diesem schönen Abend getrieben? Und ja, ich meine es wörtlich. ;-)
Ich will Dir von meinem berichten, immerhin hast Du mich quasi dazu inspiriert. Ich war an der Uni und nach dem Seminar war ich noch mit einer Referatsgruppe verabredet um 18:00 Uhr. Ich hatte nur einen Teller Suppe zu Mittag gegessen, weil ich keinen Hunger verspürte und bin dann zur Uni. Aber nach dem Seminar hatte ich dann plötzlich den übelsten Kohldampf, den Du Dir denken kannst. Es ging echt gar nicht, mein Magen hat geknurrt wie wild, so dass ich ich unbedingt noch etwas zu essen brauchte, sonst hätte ich das Treffen mit der Referatsgruppe nicht überstanden. Was machte die arme Lotte also, wo der E-Raum doch schon zu hatte und für die Mensa keine Zeit blieb? Genau, ich bin schnell runter zur Automatenstraße im Hauptgebäude. Leider hatte der blöde Automat was gegen mich, denn er hat trotz Geldeinwurf meinen Schokoriegel nicht freigeben wollen. Der hing vorne fest, wie so oft bei den Mistdingern da unten. Leider hatte ich auch kein Kleingeld mehr zum Nachwerfen und wollte schon frustriert von dannen ziehen, als ein netter junger Herr hinter mir auftauchte, der sich auch gerade etwas ziehen wollte. Ich warnte ihn vor dem Geldschlucker, aber ihn trieb der Hunger und so wartete ich, ob sich mit der Erschütterung durch seinen Marmorkuchen eventuell auch mein Schokoriegel lösen würde. Das tat er leider nicht, aber der nette Junge drosch ein wenig auf den Automaten ein, um mir zu helfen. Auch dies blieb erfolglos und da er auch kein Kleingeld mehr hatte, das man hätte nachwerfen können, bot er mir großherzig die Hälfte von seinem Stück Marmorkuchen an, damit ich nicht verhungern würde. Du siehst, ich war in einer absoluten Notlage und konnte es deswegen nicht ausschlagen. Allerdings machte er zur Bedingung, dass ich dafür mit ihm einen Kaffee trinken müsse, zum Kuchen gehöre schließlich Kaffee. Ich argumentierte, dass keiner von uns Kleingeld für den Kaffeeautomaten hätte und wir einigten uns darauf, dass wir uns nach meinem Referatstreffen stattdessen auf ein Bierchen auf der Zülpicher Straße treffen. Tja, davon bin ich gerade zurück. Es war wirklich ein sehr netter Abend und ich habe es vollkommen ausgekostet, weil ich an Dich gedacht habe und daran, wie Du Dich wahrscheinlich gerade in Paris mit irgendwem vergnügst. :-)
Möglicherweise sollte ich Dir das nicht schreiben, aber ich habe gerade gefühlte 4 Promille und bin deswegen übermütig. Außerdem war es gut, wirklich gut. Aber nicht so gut wie mit Dir...
Insofern kannst Du Dir denken, dass das Mon Dieu aus dem Betreff Utes Frisur galt und nicht meinem Abend. Ernsthaft, hätte ich die Mail vor meinem Date gesehen, wäre an diesem Abend wohl nichts mehr passiert. Das sieht fürchterlich aus. Fräulein Rottenmeier meets Politesse oder sowas. Puh! Du Ärmster! *gnihihi* Vielleicht kannst Du ihr ja sagen, dass Du seit neuestem auf Perrücken im Bett stehst? Oder Du schläfst einfach nur noch mit mir. Ich finde, diese Frisur ist sowieso ein weiterer Trennungsgrund. Also Larsi-Hasi, wann ist es soweit? 2013 ist schon neun Tage alt...
Falls Du doch noch einen konstruktiven Ratschlag von Deinem angesäuselten Lottchen möchtest - mach halbe halbe... Sag ihr, dass die Farbe so gar nicht Deins ist und sie sich die Haare wieder braun oder wie auch immer es Dir beliebt färben lassen soll. Das ist kein größeres Problem und wird sie deswegen mäßig erschüttern. Und bei dem Schnitt an sich musst Du wohl wirklich warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist oder sowas...
So, nun wandere ich ins Bett und bitte im Vorraus um Verzeihung für meine angesäuselten Zeilen, bedenke, dass ich nicht ganz nüchtern bin.
Gute Nacht!

Lotte



Großartig! Das hatte Lars noch gefehlt zu seinem Glück. Er hatte sich die perfekte Lösung für Utes Frisur und ein paar nette Worte von Charlotte erhofft und stattdessen bekam er eine völlig überdrehte Charlotte, die sich gestern Abend mit irgendeinem Kerl vergnügt hatte, während er ausgerechnet für sie abstinent geblieben war. Immerhin die Idee Utes Frisur betreffend war bisher die beste Lösung. Vielleicht könnte sie sich die Haare wirklich wieder braun färben und dann würden sie hoffentlich schnell wachsen. Vielleicht könnte er sagen, dass braun eher ihrem Typ entsprechen und natürlicher wirken würde. Das klang gut und damit hatte er nicht einmal gelogen.
Er überlegte, was er Charlotte antworten sollte. Die Vorstellung, dass sie es gestern mit diesem Typen getrieben hatte und das auch noch im Gedanken an seine möglichen Aktivitäten machte ihn rasend. Noch viel mehr ärgerte ihn, dass er sich überhaupt so darüber ärgerte. Sie waren einander keine Rechenschaft schuldig, sie konnte tun, was sie wollte und natürlich berichteten sie sich manchmal davon. Trotzdem fühlte er sich dieses Mal von ihrer Art provoziert. Vielleicht hatte sie den Ton auch nur gewählt, weil sie angetrunken war und es würde ihr jetzt schon leid tun. Dennoch änderte es nichts an der Tatsache, dass es an seiner Ehre kratzte, was sie getan hatte, vorallem auch, wo er es wegen ihr gelassen hatte. Wenn er ihr jetzt etwas Eingeschnapptes zurückschreiben würde, würde er sich lächerlich machen, das ging auch nicht. Er überlegte ihr zu schreiben, dass er gestern Abend bewusst verzichtet habe auf Claudine und zwar wegen ihr, aber irgendwie war ihm auch nicht danach, ihr Ego zu polieren, nachdem sie seines gerade angekratzt hatte.
Er beschloss, dass es die beste Lösung war, sie einfach heute schmoren zu lassen. Vielleicht käme sie sowieso nachher zu Kreuze gekrochen, wenn sie erst einmal ihren Rausch ausgeschlafen hatte. Und wenn nicht, dann sollte sie wenigstens ein bisschen auf Antwort warten und dabei über ihre Taten nachdenken oder darüber, was er an diesem Abend wohl trieb. Er griff zum Hörer und rief Pierre an. Vielleicht ließe sich das ausgefallene Treffen mit ihm und Claudine ja an diesem Abend nachholen...

Dienstag, 8. Januar 2013

Mein Baby war beim Friseur - Dienstag, 08. Januar 2013

Lars war hin- und hergerissen, was er mit dem kommenden Abend anfangen sollte. Ein Kollege hatte ihm gesagt, er müsse unbedingt mit ihm in eine Bar gehen, er wolle ihm seine Schwester vorstellen, sie würde ihm bestimmt gefallen. Nach allem, was Pierre über sie erzählt hatte, hatte Lars keinerlei Zweifel daran, dass ihm diese Claudine gefallen würde. Was sprach also dagegen? Verspürte er tatsächlich so etwas wie ein schlechtes Gewissen? Ute war es nicht, soviel stand fest. Sonst hätte er sich am Sonntag wohl kaum noch mit Charlotte vergnügen können. Aber war es Charlotte? Er war ihr doch gar keine Rechenschaft schuldig, jeder von ihnen konnte machen, was er wollte. Trotzdem, es war der Gedanke an Charlotte, der ihn zurückhielt. Er hatte dieses Bild im Kopf, wie sie am Sonntag nach dem Sex neben ihm im Bett gelegen hatte und tatsächlich kurz eingeschlafen war. Irgendwie hatte sie ein wenig gewirkt wie ein süßes kleines Mädchen, so zart, zerbrechlich und verletzlich. Er wollte heute Abend keine andere neben sich liegen haben, er hatte Sehnsucht nach diesem süßen Wesen. Er erschrak ein wenig vor sich selbst. Solche Empfindungen hätte er für Ute nie haben können, sie löste nicht im Ansatz so etwas in ihm aus. Eigentlich hatte so etwas überhaupt noch nie eine Frau in ihm ausgelöst. Er war sich nicht sicher, ob das gut oder schlecht war. Aber er war sich sicher, dass er heute Abend keine andere Frau als Charlotte in seinem Bett haben wollte. Er beschloss, Pierre eine Mail zu schreiben, dass er heute Abend leider zuviel zu tun habe um sich anzuschließen, aber ein anderes Mal sicher gerne. Als er sein Mailprogramm öffnete, blinkte eine neue Mail von Ute auf. Mehr als verwundert öffnete er sie. Normalerweise kommunizierten sie nicht per Mail, was mochte sie wollen?



Betreff: Überraschung!
Von: Ute.Laslandes@koelnmail.de
An: L.Laslandes@koelnmail.de
15:51 08.01.2013

Guten Tag, mein lieber Schatz!

Da schaust Du, was? Eine Mail von Deiner Liebsten! Aber besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen und ich habe mir gedacht, bevor Du mich bei Deiner Rückkehr am Donnerstag nicht erkennst, schicke ich Dir lieber mal ein Foto, wer Dich erwarten wird. Ich war nämlich beim Friseur, ich dachte mir, ein bisschen neuer Schwung nach all den Jahren der ewig gleichen Frisur und Farbe kann nicht schaden!

Schau mal in den Anhang! Wie findest Du es???


Der Friseur sagte, ich sehe mit der neuen Frisur viel flotter aus! :-) 

1000 Küsse nach Paris sendet Dir Deine nun rothaarige

Ute



Lars las die Mail dreimal. Das konnte nicht wahr sein. Er hoffte insgeheim, es handele sich um einen schlechten Scherz, aber er war sich durchaus klar, dass Ute nicht zu solchen Scherzen neigte. Er wollte dieses Bild nicht sehen. Er verabscheute Frauen mit rotgefärbten Haaren. Frauen, die von Natur aus rote Haare hatten, konnten etwas haben, wie etwa diese Irin letztens, die war wirklich hübsch gewesen. Mit dem entsprechend blassen Teint und Sommersprossen und der passenden Augenfarbe, wenn alles zusammenpasste, dann ja. Aber alles andere verursachte bei ihm Fluchtinstinkte und ließ unschöne Assoziationen aufkommen. Er hatte tatsächlich letztens noch mit Charlotte darüber gelästert. Auf seine Bemerkung, dass er ein Knöllchen kassiert habe, hatte sie gefragt, ob ihm eigentlich schon einmal aufgefallen sei, dass 90% der Politessen rotgefärbte Haare trügen. Es war ihm bis dahin nicht bewusst gewesen, aber er hatte zugeben müssen, dass sie Recht hatte, je mehr er darüber nachdachte. Und Charlotte hatte weiter vom Leder gezogen. Es sei der gleiche Typ Frau, der an Samstagnachmittagen im Zehnerverbund in der Kölner City die Bekleidungsgeschäfte gezielt nach schlechtem Geschmack absuche und dem man schon aus 200 Metern Entfernung ansehen würde, dass er (bzw. sie) aus der Eifel kommt. Wieder hatte er sofort gewusst, was sie meinte. Genau dieser Typ Frau trieb ihm die Schweißperlen auf die Stirn. Und nun sollte er so etwas zu Hause haben? Er wollte dieses Foto einfach nicht sehen, aber dann öffnete er es doch. Er hatte gehofft, durch Utes schulterlanges Haar werde der Eindruck möglicherweise kompensiert. Oder dass es mehr ein Kastanienton sei, als irgendetwas im Bereich Aubergine oder Karotte. Er zog hörbar die Luft ein. Es war Aubergine. Aber nicht mehr schulterlang, sondern karottensalatkurz. Das konnte nicht wahr sein.
Der Friseur sagte, ich sehe mit der neuen Frisur viel flotter aus! Der Friseur dachte wohl an flotter zum Davonlaufen. Er konnte es nicht fassen. Dieser Friseur gehörte verklagt. Wie hatte sie sich so eine Frisur aufschwatzen lassen können. Das konnte doch unmöglich ihr eigener Wunsch gewesen sein. Er überlegte, was um Himmels Willen er ihr antworten sollte. Selbst wenn er jetzt Begeisterung heucheln würde, er würde spätestens vor Ort das Nichtgefallen nicht verbergen können, um es vorsichtig auszudrücken. Vielleicht sollte er zuerst Charlotte schreiben, möglicherweise hatte sie einen verträglicheren Vorschlag. Er musste ihr außerdem dieses Bild zeigen. Vielleicht war es ja wirklich ein Trend, sie würde mehr Ahnung davon haben als er. Und falls es ein Trend war, musste er sie direkt nochmal ermahnen, ihn unter keinen Umständen mitzumachen, auch wenn das nach ihren Aussagen wohl kaum zu befürchten war. Vermutlich würde sie sich köstlich amüsieren. Ute war es selber schuld, sie gab sich mit dieser Frisur der Lächerlichkeit preis, nicht er sie...




Betreff:Mein Baby war beim Friseur... (quel malheur!!!)
Von: L.Laslandes@koelnmail.de
An: Anne-P.De-Mon@hotmail.de
16:22 08.01.2013

Liebste Charlotte,

Du als Ärzte-Fan weißt, wovon ich spreche. Sieh Dir das Elend an und sag mir, was ich ihr sagen soll?! Sie scheint völlig begeistert von ihrer neuen Frisur und scheint selbige Begeisterung auch von mir zu erwarten. Du weißt, was ich von derlei Frisuren halte. Wer, wenn nicht Du?! Charlotte, was sage ich ihr? Ich kann ihr doch noch schreiben, dass sie ihren Friseur verklagen soll.
Ich zitiere: "Der Friseur sagte, ich sehe mit der neuen Frisur viel flotter aus! :-)"
Ganz ehrlich, der gehört doch in den Knast, oder? Sind solche Frisuren gerade irgendwie angesagt? Dann gäbe es wenigstens einen Grund für dieses Desaster, wenn auch keinen sinnvollen. 
Wenn ich ihr jetzt schreibe, dass sie aussieht wie eine Politesse und ab jetzt eine Perrücke tragen sollte, wenn ich in der Nähe bin, wird sie es mir übelnehmen. Wenn ich so tue, als würde es mir gefallen, wird sie vermutlich trotzdem sehr bald merken, dass das Gegenteil der Fall ist. Charlotte, bitte, wie bringt man einer Frau so etwas bei?


Und entschuldige, mir ist um die Absurdität, gerade Dich bei dieser Angelegenheit um Rat zu bitten durchaus bewusst, aber Du verstehst mich wenigstens. Und bedenke, eine friedliche Atmosphäre ist auch einer friedlichen Trennung zuträglich, Du wirst mit Deiner Hilfe also nicht unsere Ehe verlängern.

Was aber noch viel wichtiger ist - wie geht es Dir? Fühlst Du Dich besser? Warst Du beim Arzt? Was hat er gesagt?

Die liebsten Gedanken aus Paris sendet Dir

Dein Lars 


Er hoffte, Charlotte würde antworten, bevor er am Abend mit Ute telefonieren musste. Im Notfall würde er doch erst einmal Begeisterung heucheln... Er fragte sich, was in aller Welt in Ute gefahren war.