Freitag, 15. Februar 2013

Der Morgen danach - Freitag, 08. Februar 2013

Der Morgen danach brachte Lotte ein böses Erwachen. Sie hatte einen Wahnsinnskater und neben den Kopfschmerzen die in letzter Zeit schon fast obligatorische Übelkeit. Ob es daran lag, dass sie Fabio mit seinen seltsamen kurzen braunen Ringellöckchen plötzlich so gar nichts mehr abgewinnen konnte oder einfach an der Tatsache, dass sie wieder nüchtern war, vermochte sie nicht zu beurteilen. Allerdings war sie sich sicher, dass sie aufgrund aller dieser Tatsachen gerne auf das Frühstück verzichten konnte und machte sich unbemerkt aus dem Staub, während Fabio noch vor sich hin schnarchte.

Zu Hause angekommen aß sie einen Teller Nudeln mit Ketchup, das Einzige, worauf sie Hunger verspürte und jagte anschließend zwei Kopfschmerztabletten hinterher, in der Hoffnung, dass sie helfen würden. Danach kroch sie in ihr Bett und döste ein wenig, bis sie vom Vibrieren ihres Handys geweckt wurde. Lars rief an. Sie spürte sofort Schmetterlinge im Bauch, die allerdings gerade eher zu weitererer Übelkeit führten, als dass sie ein angenehmes Gefühl verursachten. Sie drückte den Anruf weg und atmete tief durch. Zwei Minuten später rief er erneut an. Diesmal ließ sie ihn durchklingeln, betete aber innerlich, er würde nicht auf die Mailbox sprechen. Kurz darauf kam eine SMS, die eine neue Mailboxnachricht vermeldete. Lotte beschloss, sie zu ignorieren. Sie stellte die Vibration ab und hoffte, ein wenig schlafen zu können, aber sie war zu unruhig und ihre Gedanken kreisten nur noch um Lars. Vielleicht hätte sie doch mit ihm reden sollen? Vielleicht hatte sie alles völlig falsch interpretiert und es war gar nicht vorbei, sondern sie führte es erst mit ihrem abweisenden Verhalten dorthin? Früher wären ihr solche Gedanken nicht gekommen, aber seit der Beziehung mit Jan war sie in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind. Sie hatten so unglaublich viele Mißverständnisse gehabt und er hatte ihr immer wieder vorgeworfen, der Beziehung mit ihrem abweisenden Verhalten aufgrund kleinerer Streitigkeiten den Todesstoß verpasst zu haben. Lotte sah das zwar nur bedingt ein, war aber dennoch inzwischen etwas übersensibel, was die Angemessenheit ihrer Reaktionen anging.
Sie fragte sich, was Jan wohl an Karneval machte. Wahrscheinlich trieb er es ziemlich bunt, wie immer. Ein Kind war dabei bereits herausgesprungen vor einigen Jahren. Sie mochte sich lieber nicht weiter ausmalen, wie seine Karnevalstage aussehen könnten. Der Stachel von damals saß immer noch zu tief.
Sie griff nach ihrem Handy und bekam einen weiteren Anruf in Abwesenheit von Lars sowie zwei SMS angezeigt.

Charlotte, bitte melde Dich. Ich möchte unbedingt mit Dir reden und Dir alles erklären.

Lottchen, meine Phantasie, was Du gerade an Karneval treiben könntest, um Dich von Deinem dämlichen Professor abzulenken, bringt mich um. Bitte, schick wenigstens eine SMS.

Die zweite SMS hatte er nur fünf Minuten nach der ersten geschickt. Wahrscheinlich war Ute gerade einkaufen und er hatte Langeweile. Wenn er wirklich etwas wollte oder sie ihm wichtig war, sollte er es ihr zeigen. Warum kam er nicht einfach vorbei? Er hatte es doch nicht weit. Sie würden ihn schmoren lassen. Entschlossen legte sie das Handy beiseite und rappelte sich hoch. Sie würde sich Kamillentee kochen, vielleicht kam der gegen die Übelkeit an.

*****

Auch an diesem Morgen war Ute erwacht, ohne dass ihre Periode über Nacht eingesetzt hatte. So langsam aber sicher hegte sie wirklich Hoffnung, sie war doch nun schon eine ganze Weile überfällig. In was für Verhältnisse ihr Kind geboren würde, bliebe abzuwarten, aber sie hoffte immer noch, dass in den kommenden Monaten bis zur Geburt mit Lars alles wieder in Ordnung kommen würde. Momentan hatten sie zwar so gut wie keinen Kontakt, auf seinen Wunsch hin, aber sie hoffte, sobald er die Ereignisse verdaut hatte, würde es sich ändern. Sie vermisste ihn zwar wahnsinnig, war aber ausnahmsweise gar nicht so traurig gewesen, als sie gestern seine SMS erhalten hatte, dass er über Karneval in Paris bleiben würde. Er hatte Karneval noch nie leiden können und wenn er feiern war, hatte er es immer nur für Exzesse genutzt, natürlich vor ihrer Zeit, aber die Versuchungen lauerten an diesen Tagen überall, so dass sie nicht unglücklich darüber war, wenn er aus der Schusslinie war. Ganz kurz hatte ihr der Gedanke einen Stich versetzt, er könne möglicherweise nicht alleine in Paris sein, sondern dort Besuch von Charlotte bekommen, aber das konnte sie sich nicht vorstellen. Sie hatte sich erinnert, dass sie auf der Facebookseite von Dorothee Fotos entdeckt hatte, auf denen sie und Charlotte im letzten Jahr sehr ausgelassen Karneval gefeiert hatten und auf manchen Fotos sah es sogar so aus, als seien sie zumindest in der Vergangenheit in einem Tanzcorps gewesen. Ute selbst konnte mit Karneval zwar nichts anfangen, aber sie war sich sicher, dass wenn man solche Dinge an Karneval machte - und Charlotte hatte sehr vergnügt gewirkt auf den Fotos - man nicht über Karneval Köln verlassen und nach Paris reisen würde. Auch nicht für Lars. An dieser Hoffnung hing sie sich auf. Und selbst wenn sie doch dort sein sollte, über kurz oder lang würde Lars die Geschichte jetzt mit Sicherheit beenden, allein durch die Schwangerschaft. Und wenn er es nicht täte, würde sie es tun, da war Ute sich sicher. Sobald Charlotte sie mit ihrem Babybauch sehen würde, würde sie ganz sicher kein Interesse mehr an Lars haben.
Vielleicht sollte sie nochmal auf die Facebookseite von Dorothee gehen, möglicherweise gab es dort neue Karnevalsfotos. Dann hätte sie sogar einen Bildbeweis, dass Charlotte sich in Köln befand. Sie eilte an ihren Schreibtisch und fuhr den Rechner hoch...

Kommentare:

  1. Danke, dass du wieder weitermachst :)
    Ablenkung von Lernen und dann kann ich gleich so viel auf einmal verschlingen!

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    1. <3
      Freut und motiviert mich wirklich, dass Ihr Euch so freut! :)
      Ja, da wirst du in nächster Zeit auf jeden Fall meist mehr als einen Tag lesen können - ich bin mal gespannt, wann ich die aktuelle Zeit wieder eingeholt habe... *hihi*

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    2. Ja und vor allem, was dann bis dahin alles passiert ist!!

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    3. Ja, gestern zu Valentin war es natürlich besonders bitter, dass die Geschichte nicht mehr live ist momentan. ;)

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  2. Ablenkung vom Abschlussarbeit-schreiben!
    Es ist immer bitter, wenn es nicht live ist, dann mache ich morgens immer voller Vorfreude den PC an... und muss weinen. Nein, so schlimm ist es natürlich nicht =D

    Was es wohl zum Valentin gab? Vielleicht Friede, Freude, Eierkuchen-ohne-Eier-weil-die-mindestens-genauso-toll-sind und endlich mal das Weihnachtsgeschenk?!

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    1. Lol :D

      Wer weiß. Momentan sieht es ja eher nicht so aus, als würde Lotte Lars überhaupt was schenken, da muss er wohl ankommen. ;)

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