Samstag, 23. Februar 2013

Veilchendienstag, im wahrsten Sinne - Dienstag, 12. Februar 2013

Lars hatte in den letzten Tagen immer noch nichts von Charlotte gehört, auch gestern Abend war sie wieder nicht ans Telefon gegangen und hatte seine SMS ignoriert. Er fragte sich, ob sie so heftig am feiern war, dass es schlicht darauf zu schieben war oder ob sie, ohne überhaupt zu wissen, was er ihr genau zu sagen hatte, so verletzt war, dass sie nichts mehr von ihm wissen wollte. Natürlich deutete ihre SMS, die einzige, die sie ihm überhaupt geschickt hatte, eher auf Letzteres hin, aber er wollte einfach nicht glauben, dass sie ihm überhaupt keine Chance gab, sich zu erklären und ihn jetzt auf alle Zeiten ignorierte. Er war solche Reaktionen nicht gewohnt und es kratzte an seinem Ego, wenn auch nicht so sehr wie die Vorstellung, dass sie sich an Karneval mit anderen Männern vergnügen könnte, um ihn möglichst schnell zu vergessen. Wenigstens war Karneval ab morgen vorbei.
Trotzdem musste er etwas unternehmen. Wenn sie seine Anrufe und Nachrichten ignorierte, würde er wohl persönlich bei ihr vorbeischauen müssen, sobald er wieder in Köln war. Er würde am Donnerstag zurück reisen, dann war auch Valentin. Eigentlich hielt er überhaupt nichts vom Valentinstag, er glaubte, dieser sei nur zum Umsatz der Geschenkeindustrie erfunden worden, aber dieses Mal kam er ihm gerade recht. Auch wenn Charlotte nicht besonders romantisch veranlagt war, so würde sie sich sicherlich über ein schönes Geschenk von ihm zum Valentinstag freuen. Er würde nachher in der Stadt schauen, was er für sie finden konnte und dann am Donnerstag Abend, wenn er wieder in Köln war, damit bei ihr vor der Tür stehen. Ohne Voranmeldung, sonst würde sie es bestimmt nicht zulassen. Wenn sie nicht zu Hause sein sollte, würde er es am nächsten Tag wieder probieren. Dass sie nicht allein zu Hause sein könnte, wollte er sich lieber nicht ausmalen.
Er beschloss, ihr bereits über das Internet Blumen zu bestellen, die am Donnerstag Morgen geliefert werden sollten. Dadurch würde sie noch überraschter sein, wenn er abends persönlich vor der Tür stünde.
Er überlegt, während er sich durch den Onlineshop des Blumenhändlers klickte. Eigentlich stand Charlotte nicht auf Blumensträuße und von ihm schon gar nicht, seit sie wusste, dass er Ute seit Jahren jede Woche einen als Entschuldigung mitbrachte. Nicht, dass er sie damit noch mehr gegen sich aufbrachte. Schließlich entschied er sich für eine Flasche Champagner mit einer Rose dazu, das war wenig Blume und viel Alkohol, damit würde er hoffentlich bei ihr Gnade finden. Er tippte die persönliche Grußbotschaft schließlich nach gefühlten 20 Umformulierungen ein:

Liebe Charlotte,
ich mag kein Valentin und Du keine Blumensträuße, deswegen sieh diesen Gruß (ich hoffe, die Champagnerflasche ist größer als das Blümchen) als Zeichen dafür, dass ich nicht nur an Valentin, sondern jeden Tag an Dich denke und Dich wahnsinnig vermisse. Gib uns eine Chance und lass uns reden!
Lars

Lars sendete die Bestellung ab und hoffte, Charlotte würde seine Gabe nicht verschmähen. Ute würde er dieses Jahr nichts zu Valentin schenken und auch den obligatorischen Blumenstrauß würde es nicht mehr geben. Er war sich nicht einmal sicher, ob er in die gemeinsame Wohnung zurückkehren sollte oder sich vorerst im Hotel einquartieren würde. Zuerst musste er so oder so nach Hause wegen seiner Sachen und dann würde er spontan schauen, wie es mit Ute lief. Wenigstens hatte er noch ein bisschen Schonfrist bis Donnerstag.

*****

Lotte blickte in den Spiegel. Ihr Auge sah immer noch grauenvoll aus. Trotzdem musste sie mit Schröder raus. Sie versuchte die Spaziergänge möglichst im Dunklen zu absolvieren, was bei dieser Jahreszeit kein größeres Problem darstellte. Außerdem trug sie eine riesige Sonnebrille - auch damit fiel sie zumindest an Karneval nicht auf, ab morgen würde das wieder anders aussehen. Sie hoffte, ihr Auge würde schnell wieder besser aussehen.
Jan hatte sich nicht mehr gemeldet. Keine Entschuldigung, keine Nachfrage, nichts. Stattdessen hatte Nico sich entschuldigt, obwohl er ja eigentlich gar nichts dafür konnte, er hatte sogar angeboten, für sie einkaufen zu gehen oder sie besuchen zu kommen, aber Lotte hatte dankend abgelehnt. Sie hatte genug Vorräte, außerdem hatte sie ohnehin keinen Hunger und sie wollte auch niemanden sehen. Das Einzige, was sie gerne gehabt hätte, waren Informationen, wie es mit Jan am Sonntag Abend weitergegangen war. Sie hatte Nico danach gefragt, aber er wusste nichts. Allerdings vermutete er, dass die Polizei ihn ohne weitere Konsequenzen hatte laufen lassen, nachdem er wieder nüchtern gewesen war.
Inzwischen tat ihr sein Verhalten viel mehr weh als das Auge selbst. Warum hatte Jan sich nicht wenigstens erkundigt, wie es ihr ging oder sich entschuldigt? Natürlich, eigentlich hatte er das nie getan, in all den Jahren, wenn ihm einmal die Hand ausgerutscht war. Er hatte sich immer eine Weile zurückgezogen und dann so getan, als wäre nie etwas gewesen. Und sie hatte es mitgemacht. Vielleicht war sie es einfach selber schuld. Wieder kamen ihr die Tränen. Nicht einmal richtig weinen konnte man mit dem verdammten Auge. 
Sie spürte Sehnsucht nach Lars. Er würde so etwas niemals tun. Gestern Abend hatte er wieder versucht, sie zu erreichen und sie war versucht gewesen, tatsächlich ans Telefon zu gehen, aber der Gedanke, dass sie am Telefon in Tränen ausbrechen könnte, hatte sie zurückgehalten. Auch seine SMS, wie es ihr ginge und was sie mache, hatte sie ignoriert. Was hätte sie denn antworten sollen?!

Kommentare:

  1. Lebt die Geschichte noch?? Es ist schon März und niemand weiß, was mit Lotte ist! Ich mache mir Sorgen.

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    1. Sorry, eigentlich lebt sie noch, aber irgendwie hat mich das Aufholen so genervt, weil ich gerne wieder live sein wollte, dass ich rumgeschlunzt habe, obwohl das natürlich genau der falsche Weg ist. Ich gelobe Besserung und versuche, nochmal Gas zu geben. :)

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  2. Ohja, es soll bitte bitte weitergehen! :)
    Nach dem Valentinstag kann es ja vielleicht doch mal ein paar Tage zusammengefasst geben?!

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  3. Würde es dir vielleicht einen Motivationsschub bescheren, wenn ich erzählen würde, wir sehr ich leide weil es nicht weitergeht und wie mein Seufzen jeden Tag, wenn ich die Seite aufrufe und es nichts Neues gibt, länger und qualvoller wird? Wenn du dich davon nur unter Druck gesetzt fühlen würdest, dann würde ich dir das natürlich nicht erzählen!

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    1. Hihi du bist ja süß! Da kann man ja fast nicht mehr weiter unkreativ sein hier. ;)
      Also versprochen, heute geht es weiter. Ich habe auch wieder neue Inspiration sammeln können in einem kleinen Kurzurlaub und so geht es nun voller Motivation wieder an den Start! :)

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