Sonntag, 3. Februar 2013

Ein Streifen letzter Hoffnung - Sonntag, 03. Februar 2013

Kaum war Lars an diesem Nachmittag abgereist, war Ute ins Bad gestürzt und hatte einen Schwangerschaftstest gemacht. Seitdem fühlte sie sich noch elender als zuvor, sofern dies überhaupt noch möglich war. Was hatte sie nur getan?
Sie hatte sich einfach so eine panische Angst gehabt gestern, als Lars ihr sein Fremdgehen gebeichtet hatte. Sie hatte gespürt, dass er ihr gleich sagen würde, dass er sie für Charlotte verlassen wollte und das hatte sie mit aller Verzweiflung verhindern wollen. Deswegen hatte sie, bevor er überhaupt die Gelegenheit gehabt hatte, es auszusprechen gesagt, dass sie schwanger sei. Es war die einzige Hoffnung, die ihr spontan eingefallen war, mit der sie ihn möglicherweise halten konnte. Natürlich hatte sie nicht gewusst, ob sie wirklich schwanger war, es war ja nur ihr Verdacht, aber wäre sie später damit angekommen, nachdem er ausgesprochen hatte, dass er sie verlassen wollte, hätte seine Entscheidung womöglich festgestanden. Vielleicht wäre er sofort zu Charlotte gezogen und wenn sie ihn permanent umgarnen konnte, welche Chance hätte sie dann noch gehabt, wenn sie dann mit der Schwangerschaft angekommen wäre, zumal Lars ja nicht einmal einen Kinderwunsch hatte zur Zeit. Sie hatte es als ihre einzige Möglichkeit gesehen in diesem Moment, um ihn nicht zu verlieren. Und nun saß sie hier im Bad und starrte auf einen Pappstreifen, der partout nicht den zweiten Steifen anzeigen wollte. Negativ, nicht schwanger, sie hatte sogar extra einen zweiten Test gemacht, aber beide waren sich einig. Ihre letzte Hoffnung war, dass es vielleicht noch so früh war, dass sie Morgenurin brauchte, damit der Test funktionierte. Einen letzten Test hatte sie noch übrig für morgen früh. Und ihre letzte Hoffnung. Wenn der Test auch negativ war, hatte sie noch mehr Probleme als ohnehin schon. Dann hätte sie Lars verloren. Falls sie das nicht längst hatte. Aber sie hatte das Gefühl, als gebe es noch eine Chance. Er war erst gegen 5 Uhr morgens nach Hause gekommen und hatte eine starke Alkoholfahne gehabt, aber er hatte ihr geschworen, dass er nicht bei ihr war, sondern sich gemeinsam mit Peter betrunken und Männergespräche geführt habe. Und heute Mittag, als er wieder nüchtern gewesen war und sie vor seiner Abreise noch einmal versucht hatten, miteinander zu reden, hatte er ihr versprochen, dass er sich seiner Verantwortung für das Kind stellen und sie damit nicht allein lassen werde. Zwar hatte er im Nachsatz gesagt, er könne ihr nicht sagen, wie das konkret aussehen würde, weil er sich erst noch über alles klar werden müsse, aber immerhin schien es so, als wolle er sie nicht verlassen und das war erst einmal das Wichtigste. Alles andere würden sie wieder hinbekommen. Wenn sie doch nur schwanger war...

*****

Als Lotte an diesem Morgen erwachte, hatte sie immer noch keine Nachricht von Lars auf ihrem Handy. Sie spürte eine innere Unruhe, die weiter wuchs, als auch die Abfrage ihrer Mails ergebnislos blieb. Hatte er doch nicht Schluss gemacht? Wieso meldete er sich nicht? Er hatte es ihr doch fest versprochen. Sie verstand es nicht. Gestern, als sie sich getroffen hatten, hatte sich alles noch so gut angefühlt und sie war sich sicher gewesen, er würde es diesmal durchziehen und endlich zu ihr kommen und nun schien sich alle Hoffnung wieder zu zerschlagen. Er würde wieder mit irgendeiner Ausrede ankommen, warum er es Ute dieses Mal nicht sagen konnte und wieder hatte sie umsonst gehofft.
Lotte spürte einen Kloß im Hals. Jetzt bloß nicht weinen, das war er nicht wert. Hastig machte sie sich fertig und ging eine Runde mit Schröder durch den Regen. Absichtlich mied sie den Park, auch wenn das Risiko gering war, dort Ute oder Lars zu begegnen, so wollte sie es an diesem Morgen doch nicht riskieren.
Wieder zu Hause stieg sie unter die heiße Dusche und kochte sich danach einen Tee, der gleichzeitig ihr Frühstück darstellte. Ihr war der Appetit vergangen.
Sie fragte sich, ob sie Lars eine Nachricht schicken sollte um nachzuhören, warum er schwieg, aber auch wenn die Versuchung groß war, entschied sie sich dagegen. Das hatte sie nicht nötig und außerdem würde er sich schon melden. Vielleicht hatte er es gestern auch aus irgendeinem Grund nicht geschafft mit Ute zu reden und wollte es heute machen. Aber dann hätte er ihr doch trotzdem kurz Bescheid sagen können... Sie spürte, dass der Grund seines Schweigens kein angenehmer Grund sein konnte und wieder irgendetwas schiefgegangen war. Hoffentlich meldete er sich heute, sonst würde sie verrückt werden. Sie hasste es, in der Luft zu hängen und er wusste das ganz genau. Warum tat er ihr das an?

Kommentare:

  1. Das ist natürlich schade für Ute. Aber da ihr Kinderwunsch in letzter Zeit vermehrt dadurch kam, dass sie Lars an sich binden wollte, ist es so wahrscheinlich auch besser. Ich bin gespannt, wie sie mit diesem negativen Ergebnis umgehen wird und ob sie es Lars sagen wird oder in ihm falschen Glauben lassen wird!

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    1. Vielleicht ist Lotte ja stattdessen schwanger... Ihr war doch zu Beginn des Jahres immer so übel. ;)
      Bin auch schon ganz gespannt, wie es weitergeht!

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    2. @ Marie
      Ja, mal abwarten, wie das Ergebnis am Ende sein wird, ein bisschen Hoffnung hat sie ja noch, auch wenn es schlecht aussieht. Und mal sehen, wie sie mit Lars weiter verfährt...

      @ Anonym
      Gut beobachtet... ;)

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  2. Das mit Lotte habe ich auch schon mal vermutet...Das wäre natürlich der Knaller. Dann tut mir Ute aber wirklich Leid.

    Ich frage mich, wie lange Ute Lars vorspielen wird, dass sie schwanger ist - ein paar Monate geht das ja ;)

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    1. Noch ist nicht aller Tage Abend... vielleicht ist ja doch Ute schwanger und Lotte nicht... ;-)

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    2. Das ist aber auch gemein. Du verwirrst uns und spannst uns auf die Folter. :D

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  3. Aber was wenn Lotte doch schwanger ist? Von wem denn dann? Lars? Jan? Süßigkeiten-Typ?
    Aaah, hoffentlich trifft sie den Süßigkleiten-Typ an Karneval, der hat's mir irgendwie sehr angetan :D

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