Sonntag, 3. Februar 2013

Shoot - Samstag, 02. Februar 2013

An diesem Morgen hatte Lars die Gelegenheit genutzt, sich spontan mit Charlotte zu treffen. Ute war mit Susanne zu einem Yoga-Workshop verabredet gewesen, was er vergessen hatte oder sie hatte es ihm nicht gesagt, auf jeden Fall hatte sie sich um 10 Uhr dorthin verabschiedet und gesagt, dass sie nicht vor 14 Uhr zurück sei. Er hatte erst mit sich gehadert, ob es sinnvoll wäre Charlotte zu treffen, bevor er die Trennung von Ute hinter sich gebracht hatte, war dann aber zu dem Schluss gekommen, dass sie ihm vielleicht sogar die nötige Ruhe und Kraft geben konnte, um diesen Schritt ein wenig leichter zu tun. Also hatte er sie angerufen und sie hatte spontan Zeit gehabt. Später hatte sie ihm zu verstehen gegeben, dass sie wohl indirekt mit solch einem Treffen gerechnet hatte. Sie hatten gar nicht viel geredet, aber allein ihre Nähe hatte ihm gereicht, um sich besser zu fühlen und noch überzeugter davon zu sein, dass es an der Zeit war und er an diesem Nachmittag endlich das Gespräch mit Ute führen würde, das schon so lange überfällig war. Sie waren gemeinsam durch den Nieselregen durch den Park spaziert, über eine Stunde, unter einem großen Regenschirm eng umschlungen. Es war sein Regenschirm, Charlotte hatte keinen dabei gehabt, sie benutzte fast nie welche und hatte ihm sofort erklärt, dass sie für so ein bisschen Nieselregen doch keinen Regenschirm mit sich herumschleppen würde. Sein Angebot, zu ihm unter den Schirm zu kommen hatte sie aber nicht abgewehrt. Eine Viertelstunde waren sie einfach schweigend durch den Park gelaufen und hatten die Hunde beobachtet, dann hatte Charlotte ihn gefragt, ob er es Ute heute sagen würde und er hatte bejaht. Danach hatten sie wieder lange geschwiegen und dann hatte sie gefragt, ob er sich danach bei ihr melden würde. Er hatte gelacht und ihr geantwortet, falls Ute ihn rausschmeissen würde, wäre er auf ihr Asyl angewiesen. Sie hatte sofort zugestimmt, aber er hatte erwidert, dass er das nicht für die beste Idee hielte und gegebenenfalls im Hotel übernachten würde, er aber gar nicht davon ausgehen würde, dass Ute ihn hinauswerfen würde, so sei sie nicht. Er hatte Charlotte aber versprechen müssen, sich wenigstens zu melden, wenn es überstanden war, wenn auch nur mit einer kurzen SMS. Er hatte ihren Wunsch irgendwie verstehen können und es ihr versprochen. Auf ihre Frage, ob er Ute von ihnen erzählen würde, hatte er keine Antwort geben können. Ursprünglich war er sich sicher gewesen, dass es besser wäre, sie würde nie davon erfahren, sowohl für Utes Ego als auch für eine reibungslosere Trennung und Charlottes weiteres Studium. Inzwischen war er allerdings soweit, dass er unsicher war, ob er ihr nicht doch reinen Wein einschenken sollte, zumal sie sowieso von Charlotte erfahren würde und ja bereits einen Verdacht gehegt hatte. Es wäre nur fair, wenn sie es zuerst wüsste und nicht am Ende von irgendwem aus der Uni oder einem Bekannten erfuhr. Außerdem würde sie es so möglicherweise leichter akzeptieren. All das hatte er Charlotte dargelegt und sie hatte schließlich auch gemeint, es sei fairer, es Ute direkt zu sagen, falls sie nicht zu labil reagieren würde.
Danach hatten sie nicht mehr geredet und sich schließlich verabschiedet, als sie wieder am Beginn ihrer Runde angekommen waren. Sie hatten sich lange umarmt und geküsst und dann war er gegangen, mit dem Versprechen, sich später bei ihr zu melden, wenn er es hinter sich gebracht hatte.

Als er nach Hause gekommen war, war Ute noch nicht zurück gewesen. Es war noch fast eine Stunde Zeit, bis mit ihr zu rechnen war und so hatte er sich ein heißes Entspannungsbad eingelassen, um sich nach dem Spaziergang ein wenig aufzuwärmen. Während er in der Badewanne lag, überlegte er, wie er das Gespräch am besten einleiten sollte und wann. Er beschloss, dass eine kleine Stärkung zuvor nicht schaden konnte und er bis nach dem Essen abwarten wollte. Ute hatte gesagt, sie wolle auf dem Rückweg vom Yogaworkshop etwas Leckeres kaufen und dann kochen, wenn sie zu Hause sei. Es sprach nichts dagegen, das Essen noch abzuwarten. Die Henkersmahlzeit, dachte er süffisant.

Nach dem Bad fühlte er sich plötzlich müde, wahrscheinlich von der Wärme. Er föhnte sich nur schnell die Haare und legte sich dann nackt in sein Bett. Bevor er einschlief, musste er fast laut loslachen. Wahrscheinlich hatten nur wenige Männer die Ruhe, vor einer Trennung noch ein Mittagsschläfchen zu halten. Man musste es pragmatisch sehen, es würde wahrscheinlich das letzte Mal sein, dass er so ruhig in diesem Ehebett würde schlafen können. Das war sein letzter Gedanke, bevor er tatsächlich seelenruhig einschlief.

*****

Als Ute die Wohnung betrat, erwartete sie Hugo bereits erwartungsfroh im Flur. Sie begrüßte den Hund und sah sich nach Lars um. Er war nicht zu sehen. Als sie ihn rief, erhielt sie keine Antwort. Sie fragte sich, wo er sein konnte. Aber die Tür war nicht abgeschlossen gewesen, er musste zu Hause sein. Sie lief durch die Zimmer und entdeckte ihn schließlich tief und fest schlafend im Bett. Er musste geduscht und sich dann schlafen gelegt haben, denn im Bad war alles nass gewesen und sein Handtuch hatte er einfach auf dem Boden liegen lassen. Sie hasste es. Als wären sie im Hotel und er würde sie als sein persönliches Zimmermädchen betrachten. Es wäre doch wirklich kein Aufwand, das Handtuch einfach ordentlich über die Heizung zu hängen und nicht das halbe Badezimmer nach dem Duschen zu überschwemmen. Aber es war typisch für ihn. Genau, wie er in diesem Leben wahrscheinlich nie mehr lernen würde, eine Zahnpastatube zuzuschrauben. Man sah einfach immer, wenn Lars Laslandes im Bad gewesen war.
Doch ihr Zorn war schnell verraucht, als sie ihn im Bett gefunden hatte. Sie liebte ihn noch viel mehr, wenn er schlief. Sie hätte ihn stundenlang ansehen können. Dieses leichte Lächeln auf seinen Lippen und sein prachtvoller Körper, der soweit sie es erkennen konnte komplett nackt war und nur spärlich von der Bettdecke bedeckt wurde, die halb aus dem Bett gefallen war. Sie fragte sich, ob er krank wurde oder warum er sich zu einem Mittagsschlaf hingelegt hatte. Wenn ja, wäre es bestimmt nicht gut, dass er aufgedeckt war. Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, griff sie nach der Bettdecke und deckte ihn richtig zu. Er war tatsächlich komplett nackt im Bett. Normalerweise schlief er nie nackt, irgendetwas stimmte doch nicht mit ihm. Oder war das alles inszeniert und er wollte sie locken, zu ihm ins Bett zu kommen? Sie verspürte tatsächlich nicht wenig Lust dazu, beschloss aber, ihn erst noch schlafen zu lassen und den Auflauf für das Mittagessen vorzubereiten. Sie hatte wahnsinnigen Hunger und der Auflauf brauchte eine Dreiviertelstunde, in dieser Zeit konnte sie immer noch zu ihm ins Bett kriechen.

Zufrieden sah Ute auf ihr Werk hinab. Der Auflauf sah köstlich aus, sie hatte sich extra das Rezept von Susanne geben lassen und war sich sicher, Lars würde begeistert sein. Sie schob ihn in den Ofen, stellte den Küchenwecker auf 45 Minuten und ging dann ins Schlafzimmer, um sich um die Vorspeise zu kümmern.
Lars lag bereits wieder fast völlig aufgedeckt da, er musste wahnsinnig unruhig schlafen. Sie fragte sich, ob er vielleicht Fieber hatte. Aber eigentlich sah er völlig gesund aus. Wahrscheinlich war seine Woche in Paris einfach anstrengend gewesen. Dann würde ihm ein wenig Entspannung jetzt gut tun...
Sie zog sich bis auf die Unterwäsche aus und kroch neben ihn ins Bett. Praktischerweise war auch sein bestes Stück bereits aufgedeckt und so machte sie sich daran zu schaffen und weckte ihn sanft. Er wurde sehr schnell wach und starrte sie erst völlig verwirrt an. Sie musste lachen und nahm seinen Schwanz kurz aus dem Mund. "Aufhören?", fragte sie. Er schüttelte nur den Kopf und grinste zufrieden.

*****

Beim Essen überkam Lars das schlechte Gewissen. Der Auflauf schmeckte vorzüglich, kam aber bei Weitem nicht an die Vorspeise heran. Jedoch war die es, die sein Gewissen quälte. Jetzt hatte er gerade mit Ute geschlafen, aß nun ihren Auflauf und zum Nachtisch sollte er ihr erklären, dass alles vorbei wäre? Natürlich war es ein Riesenfehler gewesen, in so einem Moment mit ihr zu schlafen, aber was hätte er denn tun sollen? Er hatte es ja nicht darauf angelegt, sondern friedlich geschlafen und war davon wachgeworden, dass sie seinen Schwanz im Mund hatte. Da hätte doch kein Mann gesagt "Du entschuldige, aber lass das bitte, ich würde gerne nach dem Essen mit dir Schluss machen und wollte mich vorher noch ein bisschen ausruhen.".  Vielleicht sollte er besser bis zum Abend damit warten, dann wirkte es nicht ganz so gemein. Er seufzte.
"Ist was? Fühlst Du Dich nicht gut?"
Lars schrak zusammen. Da war ihm wohl tatsächlich ein lauter Seufzer entfahren. "Nein, nein, ich war nur in Gedanken."
"Worüber denn?"
"Ich glaube, wir sollten heute Abend mal reden."
"Worüber denn?"
Utes Stimme klang alarmiert. Er hätte es gar nicht erwähnen sollen. Warum hatte er nicht einfach die Klappe gehalten? Aber jetzt konnte er es auch ebensogut durchziehen.
"Über unsere Beziehung."
Ute ließ das Besteck fallen. "Was willst du mir sagen? Sag es jetzt!"
"Ich... naja... ich..." Ihm fehlten die Worte. Warum musste die denn auch direkt wieder so hysterisch werden. "Ich habe..."
"Eine Andere?!", fiel Ute ihm ins Wort.
"Äh... ja. Genau. Eine Andere." Mein Gott, er fühlte sich wie in einer schlechten Comedy-Sendung. 
Plötzlich klang Utes Stimme wieder ganz ruhig. Bedrohlich ruhig. "Ich weiß. Charlotte Holzheim."
Fassungslos starrte Lars sie an. "Aber woher...?"
"Glaubst Du, ich bin völlig behämmert?"
Ihr Stimme wurde greller. Sie drohte wieder hysterisch zu werden. Er musste die Situation beruhigen. Er musste jetzt ruhig bleiben. "Ja, also ich meine, nein, natürlich nicht. Ich war nur überrascht... ach, ist auch egal. Hör zu, Ute, es tut mir leid. Ich war unfair zu dir und ich hätte das nie tun dürfen. Verzeih mir, aber ich..."
Sie fiel ihm ins Wort. "Es ist okay, also ich meine, nein, es ist nicht ok, aber ich verzeihe dir."
"Das ist lieb, Ute. Ich bin mir sicher, wir bringen das hier vernünftig über die Bühne."
"Was?!"
"Ja, die Trennung. Wir regeln das wie zwei erwachsene Menschen, ganz vernünftig und ohne schmutzige Wäsche."
Ihre Stimme wurde wieder greller. "Wieso Trennung? Ich will doch gar keine Trennung! Ich habe dir doch gesagt, ich verzeihe es dir. Du musst nicht gehen. Lars, es wird alles wieder gut, wir kriegen das hin. Ich werde dir das nicht ewig vorhalten, ich will auch gar nicht wissen, wie lange es gegangen ist, auch wenn es kein einmaliger Ausrutscher war, ich verzeihe es dir und bin froh, dass du es mir gesagt hast und jetzt wird alles wieder gut."
"Ute, entschuldige, ich glaube, du verstehst nicht..."
Plötzlich wich alle Farbe aus Utes Gesicht und Tränen schossen in ihre Augen. "Was verstehe ich nicht?"
"Es ist lieb, dass du mir das alles verzeihst, aber ich werde gehen. Ich..."
"Nein!"
"Ute, bitte! Das hat doch keinen Sinn! Wir werden das alles ganz vernünftig regeln..."
"Aber ich bin schwanger!"
"WAS?!"

Lars hatte das Gefühl, als würde der Stuhl unter ihm gleich nachgeben. Hastig griff er nach seinem Rotweinglas und leerte den den Rest in einem Zug. Ihm gegenüber saß Ute, ein zusammengesunkenes Häuflein Elend und sie weinte erbärmlich. Er brachte es nicht über sich, zu ihr hinüberzugehen und sie in die Arme zu nehmen. Sie war schwanger. Aber sie nahm doch die Pille...
"Aber ich dachte, du nimmst die Pille?"
"Irgendwas muss schiefgegangen sein, das kann passieren.", schluchzte sie mühsam.

Er stand auf und wollte den Raum verlassen.
"Gehst du zu ihr?"
"Nein, mich betrinken."

Kommentare:

  1. Schonend oder feinfühlig lässt sich sowas nun nicht durchziehen... aber Lars hat es echt übelst schlimm hinbekommen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, ob er sich seiner Schuld bewusst ist...? ;) Es kam halt so, kann er doch nichts für, unser kleines Sensibelchen.^^

      Löschen